Aktualisiert 15.05.2007 17:40

Blutige Zusammenstösse im Gazastreifen

Bei den schwersten innerpalästinensischen Kämpfen seit Bildung der Einheitsregierung im März sind heute im Gazastreifen elf Palästinenser getötet und mehrere verwundet worden.

Bei Kämpfen zwischen Anhängern der radikalislamischen Hamas und der als gemässigt geltenden Fatah kamen am Dienstag nach Angaben aus Sicherheitskreisen mindestens elf Menschen ums Leben. Unter ihnen waren auch acht Angehörige der Garde von Präsident Mahmud Abbas, die nach Fatah-Angaben von Hamas-Kämpfern umgebracht wurden. Die EU forderte ein Ende der Kämpfe.

Zu Hilfe geeilt

Die Gardisten wollten nach Darstellung der Fatah Kameraden zu Hilfe eilen, die in einem Ausbildungszentrum am Grenzübergang Karni unter Feuer der Hamas geraten waren. Auf dem Weg seien die der Fatah zugerechneten Männer von israelischen Soldaten beschossen worden.

«Einige der Fahrzeuge überschlugen sich, ein paar Männer wurden verletzt. Die Gruppe zog sich zurück und geriet dabei in einen Hinterhalt der Hamas, die ihr den Rest gab», sagte Fatah-Sprecher Tawfik Abu Chussa.

Die Hamas, die seit März mit der Fatah von Präsident Abbas die Regierung bildet, wies die Darstellung zurück. Israel sei für den Tod der acht Männer verantwortlich. Im übrigen hätten Fatah-Kämpfer einen Hamas-Führer umgebracht und damit die Kämpfe vom Dienstag provoziert.

Eine israelische Armeesprecherin erklärte, Soldaten hätten das Feuer auf zwei Bewaffnete eröffnet, die sich dem Grenzzaun genähert hätten. Einer der Männer sei getroffen worden.

Mubarak: Rote Linie überschritte

Der ägyptische Staatschef Husni Mubarak sagte, mit den Gefechten sei «eine rote Linie überschritten». Die verschiedenen Palästinensergruppen müssten sich verpflichten, diese Linie nicht mehr zu überqueren.

Die britische Aussenministerin Margaret Beckett kritisierte die «sinnlose Gewalt». Es sei an den rechtmässigen palästinensischen Sicherheitskräften, die Ordnung wiederherzustellen.

Der EU-Aussenbeauftragte Javier Solana sagte nach einer Unterredung mit dem palästinensischen Aussenminister Siad Abu Amr in Brüssel, insbesondere im Gazastreifen müsse die Lage unter Kontrolle gebracht werden, damit es politisch vorangehen könne. Die EU sei zu weiterem Engagement bereit.

Abu Amr forderte Israel auf, die Blockade palästinensischer Steuergelder aufzuheben. Die internationale Gemeinschaft müsse «die finanzielle Belagerung der Palästinenserregierung und des palästinensischen Volkes beenden».

Warnung vor Eskalation

Der jordanische König Abdullah II. warnte den israelischen Ministerpräsidenten Ehud Olmert während eines Treffens in Jordanien eindringlich vor einer Eskalation des Nahost-Konflikts.

Israel müsse alle Massnahmen gegen die Palästinenser einstellen, die zu einer Verschärfung der Lage führen könnten, forderte der Monarch am Dienstag. Olmert bekundete seine Bereitschaft zu Treffen mit arabischen Staatsführern, ohne Vorbedingungen, wie er sagte. (dapd)

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