Welle der Gewalt in Nahost: Blutiger Katastrophen-Tag für Palästinenser

Aktualisiert

Welle der Gewalt in NahostBlutiger Katastrophen-Tag für Palästinenser

Palästinenser trauern am Tag der Nakba um den Verlust ihrer Heimat vor 63 Jahren. Oft blieb es an diesem Tag ruhig. Doch heuer wurden mehrere Palästinenser von israelischen Soldaten erschossen.

Am Tag der Nakba (Katastrophe) wurde der Staat Israel gegründet -Hunderttausende Araber flohen oder wurden vertrieben. Oft blieb es am 15. Mai ruhig - an diesem Sonntag war alles anders: Offenbar mehr als 20 Palästinenser wurden an Israels Grenzen getötet.

Erstmals seit Jahrzehnten durchbrachen am Sonntag Tausende Zivilisten von Syrien aus die streng bewachte Grenze zu den von Israel besetzten Golanhöhen, wie die israelische Armee mitteilte.

Die Armee erschoss dabei laut Medienberichten mehrere Menschen. Israel übergab am frühen Abend zehn Leichen an die syrischen Behörden. Laut dem israelischen Rundfunk handelte es sich um die sterblichen Überreste von palästinensischen Demonstranten.

Tote an Grenze zum Libanon

Auch an der Grenze zum Libanon wurden offenbar zehn Palästinenser von israelischen Soldaten getötet und bis zu 70 weitere verletzt. Tausende Palästinenser aus libanesischen Flüchtlingslagern waren an die israelische Grenze bei Marun al-Ras geströmt.

Sie forderten ein Ende der Besetzung palästinensischer Gebiete durch Israel und das Rückkehrrecht für geflohene und vertriebene Palästinenser und ihre Nachfahren.

Die neue Welle der Gewalt begann am Sonntagmorgen, als ein arabischer Lastwagenfahrer in Tel Aviv einen Israeli tötete und 17 weitere verletzte. Die Polizei ermittelte, ob der 22-Jährige sein Fahrzeug in einem Wohnviertel im Süden der Stadt gezielt auf Passanten und Autos lenkte.

70 Verletzte im Gazastreifen

Im Gazastreifen durchbrachen palästinensische Demonstranten am Sonntag Absperrungen der dort herrschenden Hamas und drangen bis zu dem israelischen Erez-Kontrollpunkt vor.

Bei Konfrontationen mit israelischen Soldaten wurden nach Angaben von Sanitätern knapp 70 Menschen verletzt. Die meisten von ihnen hätten Schusswunden erlitten, hiess es. Etwa 15 seien von Granatsplittern getroffen worden.

Auch an einigen Militärsperren im Westjordanland und in Ost- Jerusalem kam es zu Krawallen. Am Kalandia-Grenzübergang bei Ramallah warfen palästinensische Demonstranten Steine auf Soldaten, diese setzten Tränengas und Gummischrot gegen die Menge ein (siehe YouTube-Video unten).

An Ägyptens Grenze zum Gazastreifen blieb es am Sonntag hingegen ruhig. Die Behörden hatten bereits im Vorfeld Kundgebungen am Grenzübergang Rafah oder dessen Überquerung untersagt.

Die zentrale Gedenkveranstaltung der Palästinenserbehörde von Präsident Mahmud Abbas zum Nakba-Tag begann am Mittag in Ramallah. Tausende Menschen marschierten von dem Präsidentenamt zum zentralen Manara-Platz. Die Sirenen heulten im Gedenken an die palästinensischen Flüchtlinge, die vor 63 Jahren ihre Heimat verloren.

Hamas will Israel nicht anerkennen

Ismail Hanija, Führer der radikal-islamischen Hamas im Gazastreifen, drückte seine Hoffnung auf ein «Ende des zionistischen Projekts in Palästina» aus. Hanija bekräftigte während einer Ansprache, seine Organisation werde den Staat Israel weiterhin nicht anerkennen.

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sagte während der wöchentlichen Kabinettssitzung: «Ich bedaure, dass es unter den israelischen Arabern und unseren Nachbarn Radikale gibt, die den israelischen Unabhängigkeitstag in einen Tag der Kriegshetze und des Zorns verwandeln.»

Netanjahu kündigt Verteidigung der israelischen Grenzen an

Nach einem Grenzzwischenfall an der syrisch-israelischen Grenze hat der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu eine unnachgiebige Verteidigung der Landesgrenzen angekündigt. «Wir sind entschlossen, unsere Grenzen und unsere Souveränität zu verteidigen», sagte Netanjahu am Sonntag.

Israels Armee hatte das Westjordanland aus Furcht vor Anschlägen radikaler Palästinenser in der Nacht zum Sonntag abgeriegelt. Israel und die Palästinenserführung hatten bereits am Freitag die Sicherheitsvorkehrungen massiv verschärft, um Ausschreitungen zu verhindern. (sda)

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