Aktualisiert 28.11.2008 10:36

Blutige Nacht in Mumbai

Blutiger Terror in Mumbai: Bangen um Geiseln

Die westindische Finanzmetropole Mumbai wird von einer blutigen Terrorserie erschüttert. In deren Verlauf wurden bisher mindestens 100 Menschen getötet. Eine unbekannte Anzahl westlicher Geiseln befinden sich noch in der Hand der Terroristen.

In konzertierten Angriffen hatten Terroristen der bisher unbekannten Gruppe «Deccan Mujahideen» im Stadtzentrum unter anderem Luxushotels, ein Kino, ein Café und den Hauptbahnhof mit Schnellfeuerwaffen und Handgranaten attackiert.

Anschliessende Geiselnahmen in Hotels und anderen Gebäuden hielten die Sicherheitskräfte bis zum Morgen in Atem. Die Lage in der Stadt war weiterhin unübersichtlich.

Die Terroristen sollen unter anderem mit Booten in die auf einer Halbinsel gelegene Stadt eingedrungen sein. Sie schlugen am späten Mittwochabend an mehreren Stellen in der Stadt fast zeitgleich zu. Nach unterschiedlichen Angaben wurden bei den Angriffen zwischen 100 und 250 Menschen verletzt.

Unter den Toten waren mindestens elf Polizisten. Auch ein Japaner wurde getötet, ein zweiter Japaner wurde verletzt. Bei Schusswechseln mit den Sicherheitskräften kamen bis zum Morgen auch neun Terroristen ums Leben.

Mit Geiseln verschanzt

Polizeieinheiten und Soldaten belagerten am Morgen weiterhin zwei Hotels im Stadtzentrum. Bei einem ersten Sturm auf das historische Hotel «Taj Mahal» wurden nach Medienberichten rund 70 Geiseln befreit. Dennoch hielten sich weitere Terroristen mit einer unbekannten Zahl von Geiseln verschanzt.

Auch im nahe gelegenen «Oberoi» waren Gäste in der Hand von Geiselnehmern. Das Gebäude wurde von Polizei und Armee belagert. Nach Medienberichten hatten die Terroristen beim Eindringen in das Taj-Hotel vor allem nach Briten und US-Amerikanern gesucht.

Insgesamt wurden am Morgen noch rund 70 Geiseln in der Gewalt der Terroristen vermutet, berichtete der Nachrichtenkanal «Times Now».

Keine Schweizer Opfer bekannt

Das Eidg. Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) hatte am späten Mittwochabend keine Kenntnis von allfälligen Schweizer Opfern, wie ein Sprecher der Nachrichtenagentur SDA auf Anfrage sagte.

Indische Präsidentin verurteilt Terroranschläge

Die indische Präsidentin hat die Anschläge am Donnerstag scharf kritisiert. «Diese sinnlose Attacke wurde von Leuten ausgeführt, die keinen Respekt vor dem Leben haben, die einen Weg der Zerstörung gehen», sagte Pratibha Patil in Hanoi.

Sie hält sich zu einem viertägigen Staatsbesuch in Vietnam auf. «Es werden Geiseln festgehalten, die Behörden kümmern sich. Ich hoffe, dass dieses Leid schnell beendet wird und die Täter zur Rechenschaft gezogen werden.»

Die Präsidentin werde nicht nach Indien zurückkehren, sondern ihre Reise wie geplant in Indonesien fortsetzen, teilte die indische Botschaft in Hanoi mit.

Indien wurde in den vergangenen Monaten wiederholt von Anschlägen erschüttert. Im Oktober kamen bei einer Anschlagsserie im nordöstlichen Bundesstaat Assam mehr als 70 Menschen ums Leben, Mitte September wurden bei Anschlägen in der Hauptstadt Neu Delhi 24 Menschen getötet. Im Juli 2006 waren bei einer schweren Anschlagsserie in Mumbai mehr als 170 Menschen getötet und fast 800 verletzt worden.

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(sda/ap)

Bombay - Mumbai

Die Hafenstadt Bombay am Arabischen Meer ist mit seinen rund 16 Millionen Einwohnern das Finanzzentrum Indiens und zugleich dessen führender Handels- und Industrieplatz. Als Filmmetropole Indiens wird die Stadt auch als «Bollywood» bezeichnet.

Bombay ist die sowohl von Reichtum als auch bitterster Armut geprägte Metropole im Westen des Landes noch vor Kalkutta und der Hauptstadt Neu Delhi die grösste Stadt Indiens. Mehr als die Hälfte der Einwohner Bombays lebt unter erbärmlichsten Umständen in übervölkerten Slums.

Der aus der portugiesischen Kolonialzeit stammende Name Bombay (Gute Bucht) wurde Mitte der 1990er Jahre nach einer hinduistischen Göttin in Mumbai geändert. Ausserhalb Indiens aber blieb es bei Bombay.

(sda)

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