Blutiges Ende einer Geiselnahme
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Blutiges Ende einer Geiselnahme

Ein Sondereinsatzkommando der Polizei hat in Neuss einen 21-Jährigen erschossen, der seine ehemalige Lebensgefährtin in seine Gewalt gebracht und gedroht hatte, sich und die Frau zu töten.

Sein Opfer wurde leicht am Hals verletzt befreit, wie die Polizei mitteilte.

Der Türke hatte laut Polizei am Donnerstagabend seiner Exfreundin vor einem Frauenhaus in Neuss aufgelauert. Er bedrohte sie mit dem Messer und verschanzte sich mit ihr in einer nahe gelegenen Garage. Von der Polizei forderte der Geiselnehmer die Herausgabe des gemeinsamen vier Monate alten Kindes und Kokain.

Die Geiselnahme war offenbar der Schlusspunkt eines Monate langen Familiendramas. Nach der Geburt des Kindes habe der 21-Jährige seine gleichaltrige Freundin drei Monate lang in seiner Wohnung in Neuss gefangen gehalten und wiederholt geschlagen, berichtete Staatsanwalt Hans-Rainer Kleinert. Erst in diesem Monat sei es ihr gelungen, mit ihrem Kind zu fliehen und Schutz in einem Frauenhaus zu suchen. Das Kind sei dann in eine Pflegefamilie gegeben worden.

Versuche einer Verhandlungsgruppe der Polizei, den Täter zur Aufgabe zu bewegen, scheiterten. Die Geiselnahme entwickelte sich zum Stunden langen Martyrium für das Opfer. Zunächst bedrohte der 21-Jährige seine Ex-Freundin mit einem Messer. Dann drohte er, ihr die Finger mit einer Kneifzange abzuschneiden. Schliesslich schüttete er Benzin in der Garage aus, um sich und sein Opfer anzünden zu können. Dabei wurde das Verhalten des Geiselnehmers nach Angaben der Polizei immer unkalkulierbarer. Zuletzt übergoss sich der junge Mann sogar selbst mit Benzin und spielte dabei mit einem Feuerzeug.

Messer kurz aus der Hand gelegt

Kurz vor Mitternacht sah das SEK dann eine Chance für einen Zugriff. Der 21-Jährige habe kurz sein Messer zur Seite gelegt, berichtete Einsatzleiter Dieter Höhbusch. Doch der Versuch der Beamten, den Geiselnehmer mit einem Überraschungsangriff zu überwältigen, misslang. Der Täter habe noch sein Messer greifen und nach dem Opfer stechen können, berichtete der Einsatzleiter. In dieser Situation habe ein SEK-Beamter den Täter mit einem Kopfschuss getötet, um die Geisel zu retten. Die befreite Geisel wurde mit leichten Schnittverletzungen in ein Krankenhaus gebracht.

«Die Situation für die Geisel war hochgradig lebensgefährlich», betonte Staatsanwalt Kleinert. Vorrangig sei es gewesen, das Leben der Geisel zu schützen. Der tödliche Schuss sei deshalb nach den bisherigen Erkenntnissen als Nothilfe zu werten. «Dem Beamten ist kein Vorwurf zu machen», sagte Kleinert.

Der 21-jährige Türke sei bisher polizeilich nicht aufgefallen. Angaben zu seiner 21-jährigen Freundin lehnte die Polizei aus Schutzgründen ab. Es sei denkbar, dass sie gefährdet sei, wenn sie aus dem Krankenhaus entlassen werde. Mehr als 100 Beamte waren bei der Geiselnahme im Einsatz. (dapd)

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