Aktualisiert 14.05.2006 21:08

Blutiges Wochenende im Irak: 60 Tote

Bei neuen Anschlägen und Gefechten kamen im ganzen Land mindestens 60 Menschen um. Beim schwersten Attentat in Bagdad seit Wochen starben an der Zufahrtstrasse des Flughafens am Sonntag 14 Iraker.

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Erste Ermittlungen deuteten darauf hin, dass sich zwei Selbstmordattentäter an der vom US-Militär kontrollierten Strasse in ihren Fahrzeugen auf einem Parkplatz in die Luft sprengten. Nach US-Armee-Angaben wurden mindestens sechs weitere Menschen verletzt.

Augenzeugen berichteten von drei ausgebrannten Lastwagen und einem zerstörten Auto. «Dies war kein Anschlag auf das Gelände», teilte das US-Militär mit. Das Ziel seien Iraker auf dem Parkplatz gewesen.

Briten in Basra umgekommen

Bei einem Sprengstoffangriff kamen am Samstagabend zwei britische Soldaten ums Leben. Die Bombe explodierte an einem Kontrollpunkt in der Nähe von Basra, wie das britische Verteidigungsministerium mitteilte. Ein dritter Soldat wurde verletzt.

Seit der Invasion im Irak im März 2003 wurden dami 111 britische Soldaten getötet. Der Gouverneur von Basra suspendierte am Samstag den Polizeichef der Stadt, dem er Untätigkeit gegenüber in- und ausländischen «Terroristen» vorwarf.

Leichen in Kerbala

In der schiitischen Pilgerstadt Kerbela fand die Polizei die Leichen von elf Zivilpersonen. Unter den Opfern sind laut Polizei vier Mitarbeiter einer lokalen Wohltätigkeitsorganisation, die am Vortag von Männern in Polizeiuniformen verschleppt worden waren.

Allein in Kerbela sind seit Mitte April die Leichen von 50 Opfern von Tötungen gefunden worden, darunter viele frühere Mitglieder der Baath-Partei von Saddam Hussein.

In Tus Chormato nördlich von Bagdad starben zwei Leibwächter von Aussenminister Hoschiar Sebari, als ein Sprengsatz neben ihrem Konvoi explodierte. Der Minister selbst befand sich nach Polizeiangaben nicht in der Wagenkolonne. Bei weiteren Anschlägen in Bagdad, Mossul und Ramadi starben über 20 Menschen.

In Wadschihija nördlich von Bagdad zerstörten Aufständische sechs kleinere schiitische Schreine. Menschen kamen nicht zu Schaden. Die Angriffe nährten aber die Angst vor Zusammenstössen zwischen Schiiten und Sunniten, die in der Gegend seit langem miteinander leben. An den Schreinen hatten auch sunnitische Gläubige gebetet.

Regierung steht noch nicht

Auf politischer Ebene kam keine Bewegung in den Prozess der Regierungsbildung. Anders als geplant stellte der designierte Ministerpräsident Nuri al-Maliki am Sonntag doch nicht sein Kabinett vor. Er hatte offenbar noch keine Kandidaten für die strategisch wichtigen Posten für Verteidigung und Inneres.

Maliki werde sein Kabinett ohne diese Schlüsselposten präsentieren und vorübergehend selbst die Leitung der beiden Ressorts übernehmen, sagte der schiitische Abgeordnete Baha al- Aradschi am Sonntag. Die Frist zur Regierungsbildung läuft in einer Woche ab.

(dapd)

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