Bluttat von Zürich: «Der Schock sitzt tief»
Aktualisiert

Bluttat von Zürich: «Der Schock sitzt tief»

Das Motiv der Bluttat bei der ZKB in Zürich-Enge bleibt unklar. Rund 50 Angestellte der Abteilung, in welcher der Täter und die beiden Opfer arbeiteten, werden am Arbeitsplatz oder Zuhause psychologisch betreut.

«Der Schock sitzt tief, viele Angestellte werden wohl bei der Arbeit mit ihren Gedanken woanders sein», erklärte Urs Ackermann, Sprecher und Direktionsmitglied der ZKB, am Dienstag auf Anfrage. Ansonsten läuft der Betrieb bei der Kantonalbank normal weiter.

Am Tag nach dem Drama mit drei Toten geht es vor allem darum, die Angestellten wieder an die Arbeit heranzuführen. 15 Psychologen betreuen rund 50 Mitarbeitende der betroffenen Abteilung, solange es diese wünschen - sowohl beruflich als auch privat. Die Betreuer stammen unter anderem von der Stiftung Care-Link, die etwa nach dem Swissair-Unglück von Halifax zum Einsatz kam.

Kinder der Opfer minderjährig

Weiterhin betreut werden auch die Familienangehörigen von Opfer und Täter. Die Opfer - zwei Direktionsmitglieder im Alter von 41 und 45 Jahren - hinterlassen neben ihren Ehefrauen je zwei minderjährige Kinder, die beiden Kinder des Täters sind im Erwachsenenalter.

Weshalb der 56-jährige Finanzberater den Chef der Abteilung und seinen Stellvertreter erschossen hat, ist weiterhin unklar. Über den vermuteten Arbeitsplatzkonflikt gibt es bei der ZKB keine neuen Erkenntnisse, wie Ackermann erklärte. Allfällige Neuigkeiten wird die Zürcher Kantonspolizei am Nachmittag bekannt geben.

ZKB: Gutes Klima am Arbeitsplatz

Laut Ackermann wurde nach der Bluttat eine kürzlich durchgeführte Umfrage zur Zufriedenheit der Mitarbeitenden am Arbeitsplatz nochmals angeschaut. Das Arbeitsklima sei als gut bewertet worden. Mit dem späteren Täter, einem introvertierten und unauffälligen Mitarbeiter, waren dessen Vorgesetzten zufrieden.

Anzeichen für das Drama gab es keine - was auch von Fachleuten als möglich erachtet wird. «Der Täter muss innerlich unter Druck gestanden sein, aber das ist äusserlich nicht unbedingt sichtbar», erklärte George Pennington, Psychologe und Managementberater, in einem Interview des «Tages-Anzeigers» vom Dienstag. (sda)

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