21.02.2019 10:55

Medizinischer Durchbruch

Bluttest weist Brustkrebs erstmals zuverlässig nach

An keiner Krebsart sterben Frauen öfter als an Brustkrebs. Das könnte sich nun ändern – dank einer Entwicklung von Heidelberger Forschern.

von
F. Riebeling

Neue Hoffnung für die jährlich etwa eine Million Menschen, die laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) weltweit an Brustkrebs (Mammakarzinom) erkranken: Forscher des Universitätsklinikums Heidelberg haben ein Verfahren entwickelt, mit dem sich Brustkrebs im Blut nachweisen lässt.

Die Vorteile

Der Test stelle eine neue Möglichkeit dar, «eine

Krebserkrankung in der Brust nichtinvasiv und schnell anhand von Biomarkern im Blut zu erkennen», zitiert das Spital Christof Sohn. Der Ärztliche Direktor der Unifrauenklinik Heidelberg hat gemeinsam mit seinem Team während rund neun Jahren den Bluttest namens Heiscreen entwickelt (siehe Box).

Das neue Verfahren ist laut Sohns Kollegin Sarah Schott «deutlich weniger belastend für Frauen, weil es weder schmerzhaft ist noch mit einer Strahlenbelastung einhergeht.»

So funktioniert das Verfahren

Der Test erkennt eine Krebserkrankung anhand von sogenannten Biomarkern (siehe Box). «Wir weisen Botenstoffe nach, die aktive Zellen bei einer Krebserkrankung ins Blut aussenden. Dafür kontrollieren wir insgesamt 15 Marker», so Sohn gegenüber Bild.de (kostenpflichtiger Inhalt).

Auf diese Weise lassen sich laut den Forschern auch kleine Tumore nachweisen, die bei optischen Diagnoseverfahren wie Mammografie, Ultraschall oder MRT noch nicht erkennbar sind.

Das ist wichtig, denn wie bei allen Krebsarten gilt auch für Brustkrebs: Je früher er entdeckt wird, desto höher sind die Heilungschancen.

Wer profitiert davon?

Der Test kann laut den Wissenschaftlern künftig bei Frauen aller Altersgruppen angewendet werden. Doch besonders jüngere Frauen unter 50 Jahren profitierten. Genauso wie Frauen mit familiärer Hochrisikosituation für Brustkrebs, bei denen eine Mammografie beispielsweise aufgrund des dichten Brustdrüsengewebes wenig Aussagen liefert.

Zuverlässigkeit des Tests

«Mit Heiscreen konnte eine Sensitivität von 80 bis 90 Prozent erreicht werden», teilt das Spital mit. Dieser Wert gibt an, zu welchem Prozentsatz Erkrankungen durch den Test tatsächlich erkannt werden.

Weitere Krebsarten im Blick

Mithilfe des neuen Verfahrens soll in Zukunft nicht nur Brust-, sondern auch Eierstockkrebs frühzeitig erkannt werden. Ein wichtige Entwicklung, wie Sohn sagt: So erkrankten zwar deutlich weniger Frauen an Eierstockkrebs als an Brusttumoren. Allerdings werde dieser oft erst spät erkannt, weswegen er häufig tödlich ende.

Weiter forschen die Mediziner an Tests für Krebsarten wie Bauchspeicheldrüsen- und Dickdarmtumoren. «Wir sind sicher, dass die Ergebnisse übertragbar sind», sagt Sohn zu Bild.de. «Bis dahin kann es aber noch drei bis fünf Jahre dauern.»

Liquid Biopsy

Der Bluttest basiert auf dem Prinzip der sogenannten Liquid Biopsy – Verfahren, bei denen Informationen über eine Erkrankung aus Körperflüssigkeiten wie beispielsweise Blut, Urin oder Speichel gewonnen werden. Dies, indem Botenstoffe von Tumorzellen in einer Flüssigprobe untersucht werden.

Für den Test sind nur wenige Milliliter Blut notwendig. Laut Mitteilung soll er von jedem Labor durchgeführt werden können.

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