Blutwurst, Speck und Sauerkraut
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Blutwurst, Speck und Sauerkraut

Das traditionelle Törggelen in Südtirol ist ein Fest der Sinne. Zahlreiche Hof- und Buschenschenken öffnen im Herbst ihre Stuben und bieten hauseigenen Wein und ein unvergleichliches Ambiente – wir haben uns umgesehen.

von
Von Veronika Ebner
Andrea Haefeli und Daphne Imholz

Die Herbsttradition Törggelen ist mittlerweile weit über die Grenzen Südtirols hinaus bekannt. Auch viele Schweizer zieht es in der fünften Jahreszeit – so nennen die Südtiroler liebevoll die Törggelezeit – in die Alpenregion. Nicht nur das atemberaubende Panorama der Dolomiten zieht die Besucher in seinen Bann. Auf alten Höfen von der Bäuerin selbst nach Familienrezepten bekocht zu werden, vermittelt dann doch einen ganz anderen Charme als ein gängiges Restaurant. Diese Buschenschenken sind mit dem Siegel Roter Hahn als echte Törggelehöfe gekennzeichnet. Um als solche gelten zu können, muss ein eigenes Weingut bestehen. Der gesamte Brauch dreht sich nämlich um den Nuien – vergleichbar mit dem Schweizer Sauser.

Ein Fest für Knechte

Der Ursprung liegt weit zurück. Das Dialektwort Törggelen stammt nämlich vom lateinischen Begriff torculus ab, was so viel wie Weinpresse bedeutet. Winzer haben dieses Fest für ihre Lesehelfer und Knechte als Dankeschön für eine erfolgreiche Ernte ausgerichtet.

Törggelen im Tirol
Dieser alte Brauch ist in Südtirol nach wie vor bei Alt und Jung gleichermassen beliebt. Viele Südtiroler wissen allerdings nicht, dass ihre Tradition sehr viele Parallelen zur Schweizer Metzgete aufweist. In beiden Alpenregionen stehen nämlich Speck, Blutwurst, Rippchen, Hauswurst, Sauerkraut, Kartoffeln und geröstete Kastanien auf der Speisekarte. Der kleine, aber feine Unterschied besteht darin, dass beim Törggelen der Wein Priorität hat, während bei der Metzgete das Fleisch im Vordergrund steht.

Fluchtpunkt für Feinschmecker

Allerdings kann man dank des mediterranen Klimas in Südtirol die letzten warmen Sonnenstrahlen bis in die späten Novemberwochen auf den Höfen im Freien geniessen. Im Blickfeld hat man dabei auch den Stall und den Gemüseacker des jeweiligen Hofes. Viele Produkte und vor allem auch das Fleisch stammen oft aus eigener Produktion. Dies kennzeichnet nicht nur die Originalität, sondern auch den Geschmack. All diese Feinheiten haben in den letzten Jahren dazu geführt, dass das Törggelen nicht nur die traditionsbewussten Südtiroler, sondern auch immer mehr auswärtige Feinschmecker in die Stuben des idyllischen Landes lockt.

Workshop Onlinejournalismus

Der nebenstehende Artikel entstand in einem Onlineintensivkurs an der Schule für Angewandte Linguistik (SAL) in Zürich. Die Autorinnen Veronika Ebner, Andrea Haefeli und Daphne Imholz sind Journalismus-Studierende.

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