Gift am Türgriff?: BMW des Spions steht im Zentrum der Ermittlungen
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Gift am Türgriff?BMW des Spions steht im Zentrum der Ermittlungen

Wie genau wurden Sergej Skripal und seine Tochter vergiftet? Die Antwort kann noch Wochen dauern, aber: Sein Auto könnte eine wichtige Rolle spielen.

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mlr
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Zum roten BMW, den der vergiftete Ex-Doppelagent Sergej Skripal fuhr, existieren mehrere Theorien: Das Nervengift Nowitschok könnte auf dem Türgriff des Autos gewesen sein ...

Zum roten BMW, den der vergiftete Ex-Doppelagent Sergej Skripal fuhr, existieren mehrere Theorien: Das Nervengift Nowitschok könnte auf dem Türgriff des Autos gewesen sein ...

Getty Images/Jack Taylor
... oder auch durch die Lüftung ins Innere des Wagens gelangt sein. Die Polizei will herausfinden, wo Skripal und seine Tochter mit dem Wagen überall gewesen sind.

... oder auch durch die Lüftung ins Innere des Wagens gelangt sein. Die Polizei will herausfinden, wo Skripal und seine Tochter mit dem Wagen überall gewesen sind.

Getty Images/Jack Taylor
Noch vor zwei Wochen erfreute sich der russische Ex-Spion Sergej Skripal bester Gesundheit, ebenso seine Tochter Yulia. Doch seit einer Nervengiftattacke am 4. März 2018 kämpfen die beiden im Spital ums Überleben. (Im Bild: Überwachungskamera-Aufnahme von Skripal kurz vor dem Anschlag)

Noch vor zwei Wochen erfreute sich der russische Ex-Spion Sergej Skripal bester Gesundheit, ebenso seine Tochter Yulia. Doch seit einer Nervengiftattacke am 4. März 2018 kämpfen die beiden im Spital ums Überleben. (Im Bild: Überwachungskamera-Aufnahme von Skripal kurz vor dem Anschlag)

AFP/ITN

Im Fall des Giftanschlags auf den Ex-Doppelagenten Sergej Skripal und dessen Tochter Yulia konzentrieren sich die Ermittler offenbar auf das Auto des 66-Jährigen. Das Nervengift sei auf den Türgriff seines roten BMW verteilt worden, zitiert die «Daily Mail» anonyme Quellen aus Regierungskreisen.

Eine weitere Theorie geht davon aus, dass das Gift über die Lüftung ins Innere des Wagens gelangte oder dass der oder die Täter in das Fahrzeug einbrachen und den Kampfstoff dort verteilten. «Wenn das Auto benutzt wurde, würde das erklären, warum sowohl Skripal als auch seine Tochter eine Giftdosis abbekommen haben», sagte der Ex-Geheimdienstler Philip Ingram der «Daily Mail». Das Nervengift benötige Stunden, um seine Wirkung zu entfalten.

Wo waren Vater und Tochter unterwegs?

Den Ermittlern zufolge fehlen im Bewegungsprofil von Vater und Tochter im Auto 40 Minuten. Die Polizei bittet mögliche Zeugen, sich zu melden, wenn sie gesehen haben, wo die beiden am 4. März vor 13.40 Uhr mit dem BMW 3er mit dem Kennzeichen HD09 WAO unterwegs waren. Was sie in dieser Zeit taten und ob sie jemanden trafen, ist den Beamten zufolge offen. Am späten Mittag stellte Skripal den Wagen auf einem Supermarkt-Parkplatz ab. Seine Wohnung ist nur zehn Fahrminuten von dem Parkplatz entfernt – was die Frage aufwirft, was Vater und Tochter in der übrigen Zeit gemacht haben.

Die Ermittler würden rund um die Uhr arbeiten, sagte Neil Basu von Scotland Yard und dämpfte gleichzeitig die Erwartungen: Die Untersuchung der Frage, wie genau das Gift aus der Nowitschok-Serie verteilt wurde, werde viele Wochen in Anspruch nehmen.

Yulia kam einen Tag vorher an

Bisher hat die Polizei knapp 400 Hinweise erhalten und ist dabei, zig Stunden Material von Überwachungskameras auszuwerten. Den Ermittlungen zufolge war Skripals Tochter erst am Vortag aus Russland angereist und am Heathrow Airport gelandet. Während Skripal selbst britischer Staatsbürger sei, besitze Yulia die russische Staatsbürgerschaft.

Seit Tagen stiefeln Ermittler in Schutzanzügen durch die kleine Stadt. Der Parkplatz, ein Park, das Restaurant und der Pub, in dem die Skripals verkehrten, ein Autoverwertungshof, ein Dorf nahe Salisbury und weitere Schauplätze wurden abgesperrt.

Im Zusammenhang mit der Giftattacke wurden 38 Menschen medizinisch untersucht, sagte Basu. Aber nur die Skripals und der Polizist Nick Bailey, der als Erster am Tatort war, befinden sich noch im Spital. Analysiert wurde das Gift übrigens von Experten des Wissenschafts- und Technologielabors des britischen Verteidigungsministeriums in Porton Down. In dem Forschungszentrum für Chemie- und Biowaffen, das nicht weit von Salisbury entfernt ist, werden mehrere Fahrzeuge auf eine Verseuchung mit dem Gift untersucht, wie der «Tages-Anzeiger» berichtet.

Chodorkowski macht Putin indirekt für Vergiftung verantwortlich

Der im Exil lebende russische Kremlkritiker Michail Chodorkowski hat die russische Regierung beschuldigt, deutsche Politiker zu bestechen. «Ich rede von dem Geld des Kremls, mit dem auf ungesetzliche korrupte Weise Einfluss genommen wird», sagte der Ex-Oligarch in einem Interview mit dem Deutschlandfunk vom Sonntag. Diese Einflussnahme müsse aufhören, «beziehungsweise untersucht werden».

Der Unternehmer kritisierte, dass Putin in Deutschland vielen nach wie vor als «Garant für die Stabilität in Russland» gelte. «Diejenigen möchte ich fragen, nach der Rede zur Lage der Nation, nach Litvinenko, nach Skripal und den anderen Morden, ob das etwa Stabilität sein soll», sagte Chodorkowski. Damit bezog er sich auf den Giftanschlag auf den früheren Doppelagenten Sergej Skripal.

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