Mit geleasten Autos: Schweizer Raser bremsen in Deutschland Polizei aus
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Mit geleasten AutosSchweizer Raser bremsen in Deutschland Polizei aus

Zwei Schweizer mit geleasten Autos lieferten sich in Deutschland ein Rennen und bremsten dabei die Polizei aus. Nun mussten sie sich vor Gericht verantworten.

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Weil sich zwei Schweizer in Deutschland mit geleasten BMWs ein Rennen lieferten, standen sie kürzlich vor dem Amtsgericht Singen. Zur Verhandlung hätte es gar nicht kommen müssen. Die Beschuldigten stimmten dem Strafbefehl nicht zu.

Weil sich zwei Schweizer in Deutschland mit geleasten BMWs ein Rennen lieferten, standen sie kürzlich vor dem Amtsgericht Singen. Zur Verhandlung hätte es gar nicht kommen müssen. Die Beschuldigten stimmten dem Strafbefehl nicht zu.

Frank Rumpenhorst
«Wir sind nicht hinterhergekommen», berichtete ein Polizist vor Gericht. Dies, obwohl der Streifenwagen bereits mit einem Tempo zwischen 225 und 230 Stundenkilometern gefahren ist.

«Wir sind nicht hinterhergekommen», berichtete ein Polizist vor Gericht. Dies, obwohl der Streifenwagen bereits mit einem Tempo zwischen 225 und 230 Stundenkilometern gefahren ist.

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Anstelle eines Tagessatzes von 50 Euro müssen die Angeklagten 100 Euro, also nicht mehr 4000 sondern 8000 Euro bezahlen. Zu der Geldstrafe hinzu kommt ein Fahrverbot in Deutschland für vier Monate. Zudem drohen ihnen Konsequenzen in der Schweiz.

Anstelle eines Tagessatzes von 50 Euro müssen die Angeklagten 100 Euro, also nicht mehr 4000 sondern 8000 Euro bezahlen. Zu der Geldstrafe hinzu kommt ein Fahrverbot in Deutschland für vier Monate. Zudem drohen ihnen Konsequenzen in der Schweiz.

In einer Samstagnacht Ende März diesen Jahres lieferten sich zwei Schweizer im benachbarten Singen (D) ein Autorennen mit geleasten Luxusautos, wie der «Südkurier» berichtet. Nachdem die Männer im Alter von damals 21 und 23 Jahren bei einem Fast-Food-Lokal gegessen hatten, rasten sie mit einem BMW M3 und einem BMW M4 von Singen aus über die Autobahn.

Kürzlich mussten sie sich dafür vor dem Amtsgericht Singen wegen «Teilnahme an einem verbotenen Kraftfahrzeugsrennen» verantworten. Erwischt wurden sie, weil sie zwei Mal die hinter ihnen fahrenden Polizisten ausbremsten. Gemäss Polizeiangaben hätten sie einmal auf etwa 60 und einmal auf etwa 90 Stundenkilometer abgebremst, um danach nebeneinander voll aufs Gaspedal drücken zu können. «Wir sind nicht hinterhergekommen», äusserte sich ein Polizist vor Gericht. Dies, obwohl der Streifenwagen bereits mit einem Tempo zwischen 225 und 230 Stundenkilometern gefahren sei. Laut der Staatsanwaltschaft ist ein Beschleunigungsrennen auch dann strafbar, wenn es auf der Strecke kein Tempolimit gibt.

Einen der beiden Männer konnte die Polizei vor Ort anhalten. Sie beschlagnahmten Fahrausweis sowie Fahrzeug. Der andere Fahrer konnte an der Grenze gefasst werden.

Verhandlung wäre nicht zwingend gewesen

Zur Verhandlung hätte es gar nicht kommen müssen. Die Beschuldigten stimmten dem Strafbefehl über 80 Tagessätze à 50 Euro und einem Fahrverbot von sechs Monaten aber nicht zu, denn das Urteil hätte auch in der Schweiz Konsequenzen für sie haben könne. Der jüngere der beiden Beschuldigten ist Kurierfahrer, für ihn hätte das wohl den Jobverlust bedeutet.

Die beiden Anwälte der Beschuldigten stützten sich vor Gericht darauf, dass bei dem Vorfall niemand verletzt oder gefährdet worden sei. Morgens um ein Uhr habe fast kein Autofahrer die Autobahn benutzt. Dass es ein geplantes Rennen gewesen sei, könne zudem nicht nachgewiesen werden, da es nie zu einer Absprache kam. Der Staatsanwalt und die Richterin sahen das zweimalige gemeinsame Abbremsen und Gasgeben als Absprache an, wie es im «Südkurier» heisst.

Durch Verhandlung höhere Strafe erhalten

Das Urteil des Amtsgericht Singen fiel nun härter aus, als noch in den Strafbefehlen. Die Richterin erhöhte den Tagessatz von 50 auf 100 Euro. Die Geldstrafe wurde also von 4000 auf 8000 Euro verdoppelt. Zu der Geldstrafe hinzu kommt ein Fahrverbot in Deutschland für vier Monate.

Zudem drohen ihnen Konsequenzen in der Schweiz. Wie Hanspeter Sigg, Leiter des Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamtes St. Gallen, erklärt, wird jemandem der Fahrausweis in der Schweiz entzogen, wenn im Ausland ein Fahrverbot verfügt wurde und die Widerhandlung als mittelschwer oder schwer eingestuft wird (siehe Box). Die Strafe wird dabei individuell ermittelt.

Das Urteil des Amtsgericht ist noch nicht rechtskräftig.

Konsequenzen in der Schweiz

Im Schweizer Strassenverkehrsgesetz Art. 16c steht bezüglich Fahrausweisentzug nach einer Widerhandlung im Ausland:

1 Nach einer Widerhandlung im Ausland wird der Lernfahr- oder der Führerausweis entzogen, wenn:

a.

im Ausland ein Fahrverbot verfügt wurde; und

b.

die Widerhandlung nach den Artikeln 16b und 16c als mittelschwer oder schwer zu qualifizieren ist.

2 Bei der Festlegung der Entzugsdauer sind die Auswirkungen des ausländischen Fahrverbotes auf die betroffene Person angemessen zu berücksichtigen. Die Mindestentzugsdauer darf unterschritten werden. Die Entzugsdauer darf bei Personen, zu denen im Informationssystem Verkehrszulassung keine Daten zu Administrativmassnahmen (Art. 89c Bst. d) enthalten sind, die am Begehungsort im Ausland verfügte Dauer des Fahrverbots nicht überschreiten.2

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