«POLE POSITION» MIT PETER HAAB: BMW-Sauber muss jetzt voll auf Kubica setzen
Aktualisiert

«POLE POSITION» MIT PETER HAABBMW-Sauber muss jetzt voll auf Kubica setzen

Ist die Überraschung möglich? Kann BMW-Sauber schon in diesem Jahr Weltmeister werden? Formel-1-Experte Peter Haab meint ja. Aber das Team muss voll auf die Karte Robert Kubica setzen.

Hätte jemand gedacht, dass bei der Fussball-EM 2008 der Weltmeister und der Vize-Weltmeister von 2006 schon bei den Gruppenspielen derart in Bedrängnis kommen? – Eher nein. Hätte es vor ein paar Wochen jemand für möglich gehalten, dass die Österreicher Deutschland aus dem Turnier werfen und selbst ins Viertelfinale einziehen könnten? – Eher nein.

Wechsel der Sportarten: Ist es möglich, dass BMW-Sauber schon in diesem Jahr die Formel-1-WM gewinnt? – Eher nein. Dann der zweite Gedanke: Doch, es ist möglich! Aber es müssen – wie in den letzten Tagen an der Fussball-EM – zwei, drei besondere Umstände eintreten. Ferrari und McLaren-Mercedes müssten vorübergehend in ein Formtief fallen. Ab und zu müsste auch noch der Safety-Car zu einem für Kubica günstigen Zeitpunkt auf die Piste. Und fast noch wichtiger: Bei BMW-Sauber müssten sie schon jetzt alle Anstrengungen auf WM-Leader Robert Kubica konzentrieren. So, wie sich die Lage kurz vor Saisonhälfte präsentiert, wird es vermutlich wieder eine knappe Entscheidung geben. Jeder einzelne Punkt kann deshalb Gold wert sein. Nick Heidfeld muss sich notfalls also uneigennützig in den Dienst seines Teamkollegen stellen.

Teamorder offiziell verboten

Natürlich, offiziell sind Teamorder in der Formel 1 verboten. Aber Ferrari hat mit Michael Schumacher und Rubens Barrichello jahrelang vorexerziert, wie man solche Vorschriften geschickt umgeht. Und Kimi Räikkönen wäre 2007 nicht Weltmeister geworden, wenn die Chefetage aus Maranello den führenden Felipe Massa beim GP von Brasilien in Sao Paulo nicht zurückgepfiffen hätte. BMW-Sauber müsste sich für einen Titelgewinn unter derartigen Umständen überhaupt nicht schämen. Wir erinnern uns: Ferrari hat den WM-Titel im letzten Jahr vor allem deshalb geholt, weil sich die beiden McLaren-Mercedes-Piloten Fernando Alonso und Lewis Hamilton im Verlauf der Saison erstaunlich viele Eigenfehler geleistet hatten.

Man spricht nicht vom Titel

Bei BMW-Sauber will kurz vor Saisonmitte zwar noch keiner vom Titel reden. In Hinwil und München will man den Ball bewusst flach halten. Das ist verständlich. Holland-Coach Marco van Basten spricht ja auch nicht jeden Tag vom EM-Titel. BMW hat 2006 einen Fünfjahresplan mit einer geschätzten Investitionssumme von rund einer Milliarde Euro erstellt. Dies mit dem Ziel, spätestens in der Saison 2010 die Formel-1-Weltmeisterschaft zu gewinnen. Aber BMW-Sauber muss die Chance dann packen, wenn sie sich bietet. Keiner kann zum jetzigen Zeitpunkt garantieren, dass die Dinge in der Saison 2009 ähnlich gut laufen.

Der Kolumnist

Peter Haab ist Sportjournalist und befasst sich seit 30 Jahren mit der Formel 1 und dem Motorsport im Allgemeinen. Für 20minuten.ch gibt er jeweils am Donnerstag sein Insiderwissen preis und kommentiert oder erklärt die aktuellen Vorkommnisse der F1-Szene.

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