«Pole Position» mit Peter Haab: BMW vs. Mercedes: Das Prestige-Duell
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«Pole Position» mit Peter HaabBMW vs. Mercedes: Das Prestige-Duell

Das Formel-1-Duell zwischen BMW und Mercedes hat besondere Brisanz. Wer keine Chance auf den WM-Titel hat, muss zumindest den deutschen Rivalen besiegen. Formel-1-Experte Peter Haab weiss: Nur so lassen sich in den Vorstands-Etagen die Milliarden-Investitionen rechtfertigen.

Am Sonntag steigt in Hockenheim der GP von Deutschland, neben Monaco das wohl wichtigste Formel-1-Rennen für die beiden deutschen Autohersteller BMW und Mercedes. Lewis Hamilton (McLaren-Mercedes) kommt als Favorit nach Hockenheim. Schlecht für BMW. Denn wenn die Münchner den Grand Prix schon nicht selbst gewinnen können, ist es ihnen lieber, wenn Ferrari die Nase vorn hat. Ob Hockenheim oder anderswo: Bei BMW gegen Mercedes steckt immer viel Zunder drin, nicht nur wegen der emotionalen Komponente. Unter dem Strich geht's in diesem Duell um den Kampf um Marktanteile im weltweiten Automobil-Verkauf. Besonders brisant: BMW und Mercedes sind in sämtlichen Zielgruppen direkte Konkurrenten. Für beide ist die Formel 1 eine der wichtigsten Säulen für weltweite Absatz- und Marketingstrategien. Ferrari als klassischer Sportwagenhersteller bewegt sich in ganz anderen Verkaufssegmenten.

Formel-1-Erfolge sind gut für den Absatz

Frage an BMW-Motorsport-Direktor Mario Theissen: «Bereitet es Ihnen besondere Genugtuung, Ihren deutschen Kontrahenten Mercedes zu schlagen?» Theissen mit breitestem Lachen im Gesicht: «Nein. – Oder sagen wir es mal so: Es weckt zumindest keine unguten Gefühle.» Das heisst, die Antwort ist «Ja». Aus Theissens Sicht verständlich, denn er hat sich mit seinen Versprechungen in der BMW-Vorstandsetage weit auf die Äste hinaus gelassen. Theissen hat seine Chefs überredet, in der Formel 1 nicht mehr nur als Triebwerk-Lieferant, sondern als Teameigentümer aufzutreten. Dafür hat er sich von der Konzernleitung einen Fünfjahresplan mit einer geschätzten Investitionssumme von einer Milliarde Euro genehmigen lassen. Eine Milliarde für die Formel 1! Da mussten selbst die Vorstandsherren erst mal tief durchatmen. Gelohnt hat es sich, wenn BMW spätestens in der Saison 2010 die Weltmeisterschaft gewinnt. Formel-1-Erfolge kurbeln den Absatz an, denn GP-Siege strahlen Kompetenz auf Hightech-Niveau aus. Zumindest so viel scheint in den Konzernzentralen und München und Stuttgart gesichert.

Mercedes will BMW zerzausen

Gesichert ist auch, dass BMW vor Hockenheim im WM-Zwischenklassement der Konstrukteure zehn Punkte vor Mercedes liegt. Für Mercedes-Chef Dieter Zetsche ein unhaltbarer Zustand. Er erwartet, dass seine Silberpfeile in Hockenheim die Blauweissen aus München zerzausen. Dass es ihm mit diesem Anliegen äusserst ernst ist, hat er in einem internen E-Mail an die Führungsriege von McLaren-Mercedes bekräftigt. Stossrichtung der Botschaft: Es ist inakzeptabel, dass BMW besser ist als Mercedes. Dass Ferrari in der Teamwertung gleich 24 Punkte vor McLaren-Mercedes liegt, liess ihn anscheinend kalt. Zetsche bezog sich ausschliesslich auf BMW.

Peter Haab, 20 Minuten Online

Der Kolumnist

Peter Haab ist Sportjournalist und befasst sich seit 30 Jahren mit der Formel 1 und dem Motorsport im Allgemeinen. Für 20 Minuten Online gibt er jeweils am Donnerstag sein Insiderwissen preis und kommentiert oder erklärt die aktuellen Vorkommnisse der F1-Szene.

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