Ohne PCR-Test kein Flug – Boarding verweigert – verschärfte Einreiseregel sorgt für Chaos
Aktualisiert

Ohne PCR-Test kein FlugBoarding verweigert – Verschärfte Einreiseregel sorgt für Chaos

Der Bundesrat hat die Einreisebestimmungen mit einer Testpflicht verschärft. Dutzende Reisende können deshalb heute ihren Rückflug nicht antreten.

von
Joel Probst
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Seit heute Samstag gelten neue Einreiseregeln für die Schweiz.

Seit heute Samstag gelten neue Einreiseregeln für die Schweiz.

20 Minuten/News-Scout
Wer am Abflugsort keinen PCR-Test vorweisen kann, darf den Flieger in Richtung Schweiz nicht boarden.

Wer am Abflugsort keinen PCR-Test vorweisen kann, darf den Flieger in Richtung Schweiz nicht boarden.

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Die neuen Reiseeinschränkungen hat der Bundesrat erst gestern verkündet – für viele Reisende war die PCR-Testpflicht deshalb eine böse Überraschung.

Die neuen Reiseeinschränkungen hat der Bundesrat erst gestern verkündet – für viele Reisende war die PCR-Testpflicht deshalb eine böse Überraschung.

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Darum gehts

  • Für die Schweiz gelten seit Samstag strengere Einreisebestimmungen.

  • Ohne PCR-Test kann kein Flug in die Schweiz angetreten werden.

  • Die vom Bundesrat am Freitag angekündigte Verschärfung wurde für viele Reisende zur bösen Überraschung.

  • Bei der Einreise in die Schweiz wird der PCR-Test derweil kaum kontrolliert.

Eric Scherer hatte am Samstagmorgen ein böses Erwachen: Der 55-jährige Geschäftsführer einer Unternehmensberatung will von Düsseldorf zurück in die Schweiz fliegen. Nichtsahnend begibt sich Scherer kurz vor sieben Uhr an den Schalter der Swiss, um für seinen Flug nach Zürich einzuchecken. Doch das Bodenpersonal weist ihn ab: «Die Swiss hat niemanden zum Boarding zugelassen, der keinen PCR-Test vorweisen konnte

Erst am Freitagnachmittag hat der Bundesrat die seit Samstag geltende PCR-Testpflicht für die Einreise in die Schweiz angekündigt. Für Scherer und zahlreiche andere Passagiere kam die neue Einreiseregelung wie aus heiterem Himmel: «Am Check-in waren dutzende Reisende, denen das Boarding verweigert wurde», berichtet der Geschäftsmann. Scherer ist verärgert: «Es ist der Hammer, dass sich für doppelt Geimpfte quasi über Nacht alles ändert.»

Kosten von über 500 Euro, um doch noch nach Hause zu kommen

Von der Swiss fühlt sich Scherer im Stich gelassen: «Ich erhielt nicht mal eine SMS von der Airline.» Doch damit nicht genug: «Am Schalter der Swiss hiess es, sie könnten meinen Flug nicht umbuchen, da dieser von Eurowings durchgeführt werde.»

Stattdessen musste der Geschäftsleiter tief in die Tasche greifen, um doch noch nach Hause zu kommen: «Allein für den PCR-Test am Flughafen musste ich 239 Euro und für ein neues Ticket mit der Swiss nach Zürich nochmals rund 280 Euro berappen.»

Zum Fall von Scherer könne die Swiss keine pauschale Auskunft geben, sagt Sprecherin Karin Müller. Wenn Kunden und Kundinnen aufgrund der Einreisebestimmungen eines Landes nicht einreisen dürfen, aber der Flug regulär stattfindet, haben Swiss-Passagiere laut Müller keinen Anspruch auf Rückerstattung. Anders ist die Lage, wenn im Voraus umgebucht wird: «Unsere Kundinnen und Kunden profitieren weiterhin von kulanten Umbuchungsbedingungen», so Müller.

Kurzfristige Änderung stellt Airlines vor Probleme

Swiss-Sprecherin Müller bestätigt, dass, wer ohne PCR-Test am Gate auftaucht, den Flieger nicht boarden darf: «Generell und unabhängig von Corona gilt, dass Swiss keine Personen transportieren darf, welche die Einreisebestimmungen in das jeweilige Land nicht erfüllen.» Sie macht allerdings keinen Hehl daraus, dass die vom Bundesrat so kurzfristig eingeführten Reiserestriktionen die Airline vor Probleme stellt: «Klar ist, dass je kurzfristiger die Entscheide getroffen werden, es umso schwieriger für alle Beteiligten, Airlines, Fluggäste aber auch Flughäfen oder Behörden, ist, dies zeitnah umzusetzen.»

Eine lückenlose Kontrolle der PCR-Tests dürfte deshalb trotz aller Bemühungen aktuell kaum möglich sein: «Wir informieren die Aussenstationen stets über neue Einreisebestimmungen des jeweiligen Ziellandes, um diese vor dem Abflug zu prüfen», sagt Müller. Aber: «Dass bei kurzfristigen Änderungen die Anpassung der bestehenden Prozesse komplex ist, liegt auf der Hand.»

Kaum Kontrollen bei der Einreise in die Schweiz

Hat man es ohne PCR-Test einmal auf den Flieger geschafft, fliegt man bei der Ankunft in der Schweiz kaum auf: «PCR-Tests sind eine Reisebedingung, weshalb die Airlines in der Pflicht sind, diese vor Abflug zu kontrollieren», sagt Marc Besson von der Kantonspolizei Zürich, zu der auch die Zürcher Flughafenpolizei gehört. Auch Manuela Staub, Sprecherin des Flughafens Zürich betont: «Die Verantwortung liegt bei den Fluggesellschaften.»

Bei der Einreise in Zürich wird das Vorliegen eines PCR-Testresultats laut Polizeisprecher Besson nur «stichprobenartig» an der Passkontrolle überprüft also beinahe ausschliesslich bei Non-Schengen-Flügen. «Teilweise führt die Kantonspolizei bei Risikoflügen auch Stichkontrollen am Gate durchOb am Samstag solche Kontrollen durchgeführt wurden, konnte Sprecher Marc Besson am Samstagmorgen nicht sagen.

Keine sofortigen Konsequenzen für fehlbare Passagiere

Sollte die Polizei trotzdem Passagiere ohne PCR-Test erwischen, bleiben sie zunächst ohne Konsequenzen: «Wenn eine Person bei der Einreise kein negatives PCR-Testresultat vorweisen kann, erfolgt eine Meldung an die Gesundheitsdirektion», so Besson. Es sei an der Gesundheitsdirektion, allfällige weitere Schritte zu veranlassen: «Die fehlbare Person darf nach der Kontrolle einreisen und gehen.»

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