Bodensee: Heisse Spur nicht bestätigt
Aktualisiert

Bodensee: Heisse Spur nicht bestätigt

Nach dem Giftanschlag auf das Bodensee- Trinkwasser mit Unkrautvernichtungsmitteln gibt es weiterhin keine klaren Hinweise auf den Täter.

Die Polizei hat den Bauern, dessen Hof sie am Montag durchsuchte, nicht verhaftet. Der Verdacht gegen den Landwirt aus dem Raum Ravensburg habe sich bisher nicht bestätigt, teilte die Polizei Friedrichshafen am Dienstag mit. «Wir können im Moment noch nicht sagen, ob er etwas damit zu tun hat», sagte ein Sprecher.

Die Ermittler schliessen jedoch auch nicht völlig aus, dass der Mann zwei Fünf-Liter-Kanister mit Pflanzenschutzmitteln im Bodensee versenkt haben könnte. Diese waren am 9. November in 75 Meter Tiefe unmittelbar vor dem Ansaugrohr für die Bodensee-Wasserversorgung bei Sipplingen von einem Spezialtaucher geborgen worden.

Kanister waren noch fast voll

Bereits am 18. Oktober war ein Drohbrief beim Zweckverband Bodensee-Wasserversogung eingegangen, dessen Betriebsgebäude am Seeufer stehen. Danach waren die Trinkwasserkontrollen verstärkt worden. Die BWV fand Spuren der giftigen Substanzen, die jedoch weit unter den Grenzwerten lagen.

Als die beiden Kanister Wochen später gefunden wurden, waren sie noch fast voll: Die Pflanzenschutzmittel waren nur zu einem geringen Teil ins Wasser gelangt.

Von Sipplingen aus werden in Baden-Württemberg rund vier Millionen Menschen bis über Stuttgart hinaus mit Trinkwasser aus dem Bodensee versorgt. Über die androhte Wasservergiftung hatten die deutschen Behörden sofort auch die Wasserversorgungen am Schweizer und österreichischen Seeufer verständigt.

Ein Containerschiff

Die Grenzwerte für die Wasserbelastung durch die entsprechenden Gifte blieben laut den Fachleuten überall deutlich unter den Grenzwerten. Bei den Technischen Betrieben Kreuzlingen hiess es dazu auf Anfrage, ein solcher Vorfall könne nie völlig ausgeschlossen werden, es gebe keine hundertprozentige Sicherheit.

Allerdings verdünne die grosse Menge des Seewassers Gifte sehr stark. Um alle Wasserwerke am See zu gefährden, wäre wohl ein ganzes Containerschiff an Atrazin - einer der verwendeten Gifte - nötig, sagte der Leiter der Kreuzlinger Technischen Betriebe gegenüber der «Thurgauer Zeitung».

Bis zehn Jahre Haft

Falls der Sipplinger Wasservergifter gefasst wird, drohen ihm bis zu zehn Jahre Haft.

Inzwischen hat die baden-württembergische Umweltministerin Tanja Gönner verstärkte Kontrollen der Wasserentnahmestellen im Bodensee ins Gespräche gebracht. In den «Stuttgarter Nachrichten» sagte sie, sie wolle klären lassen, ob es Sinn mache, mit Radarsystemen zu arbeiten.

(sda)

Deine Meinung