VW 1303 Cabriolet: Bodenständiger Charmeur für Sonnenanbeter

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VW 1303 CabrioletBodenständiger Charmeur für Sonnenanbeter

Er läuft und läuft und läuft und ist heute der beliebteste Oldtimer der Schweizer, der VW Käfer. Und als Cabriolet erfreut er auch die Sonnenanbeter.

von
Bruno von Rotz

Aus dem Radio trällert Rod Stewart «I am sailing ... home again» und der Song passt perfekt zum VW 1303 Cabriolet. Tatsächlich fühlt man sich im Klassiker aus Wolfsburg sofort zu Hause.

Die Luft fährt durch die Haare, das komfortable Fahrwerk lässt den Käfer auf dem Asphalt segeln. Vom Heck her hört man den Boxermotor, der so weit entfernt ist, dass er fast nach Aussenborder klingt. Die aufrechte Panorama-Windschutzscheibe nimmt kaum Sicht weg und das Dach ist natürlich offen, damit man nach dem Sonnenstand navigieren kann.

Schon früh als Cabriolet

Bereits 1938, als der Grundstein für die Fertigung des «Kraft durch Freude»-Wagens gelegt wurde, präsentierte Ferdinand Porsche neben der geschlossenen Limousine auch ein Cabriolet. Doch es sollte noch über zehn Jahre dauern, bis man es offiziell kaufen konnte.

Dafür wurde es dann gleich in zwei Varianten angeboten: als zweisitziges Hebmüller-Cabriolet (mit zwei Notsitzen) und als viersitziges Karmann-Cabriolet, das in seiner Form dem bis zum Schluss gebauten 1303 Cabriolet entspricht. Der Hebmüller-Variante war nur eine kurze Blütezeit vergönnt, bereits 1953 setzte der Brand der Herstellungsstätte der bis dahin nur 696-mal gebauten Variante ein Ende.

Bei Karmann aber verliessen von 1949 bis 1980 330'281 offene Käfer das Werk. Die Cabriolet-Version entsprach dabei meist den Käfer-Topmodellen, was sich auch im Preis äusserte, lag doch der des offenen Käfers meist um rund 30 Prozent über dem geschlossenen Pendant. So kostete etwa 1974 ein VW Käfer 1303 LS Cabriolet in der Schweiz 15'330 Franken, während die 1303-S-Limousine mit 11'005 Franken in der Preisliste figurierte.

Vom Fortschritt eingeholt

Doch trotz stetiger Weiterentwicklung wurde der Käfer in den 1970er-Jahren ein Dinosaurier, dem modernere Konstruktionen wie der Alfasud, der Simca 1100 LS oder der Opel Kadett das Leben schwermachten. Spätestens mit der Vorstellung des VW Golf stand auch das Volkswagen-Management nicht mehr hinter dem rundlichen Langläufer. Nach einigen erfolgreichen Sondermodellen wurde die Produktion in Wolfsburg 1974 eingestellt, in Brasilien lief sie noch bis 2003 weiter.

Nur das Cabriolet wurde bei Karmann weiterhin produziert und es erfreute sich einer stetigen Nachfrage, im Jahr 1979 wurden sogar fast rekordmässige 20'000 Exemplare an den Käufer gebracht, die Gesamtproduktion des 1303 Cabriolet umfasste 114'489 Fahrzeuge.

Nostalgisches Fahrerlebnis

Schon zu Lebzeiten reifte der offene Käfer zum Oldtimer und Klassiker. Dies hat sich bis heute nicht geändert. Sein Äusseres wirkt auf Anhieb sympathisch, die hochbeinige Form, die hohe Gürtellinie und das Fehlen fast jeglicher gerader Linien wecken nostalgische Gefühle. Diese ebben auch beim Entern des Käfers nicht ab. Zwar wirken die früheren Armaturenbretter der 1303-Vorgänger noch klassischer, funktionell aber ist der letzten Bauform kaum etwas vorzuwerfen.

Er lässt uns lächeln, wenn wir die Temperaturverstellung am Fussboden bedienen oder die Dreiecksfenster ausklappen. Wir verzeihen ihm seine unsportlichen Fahrleistungen (0 bis 100 km/h in rund 20 Sekunden), die wenig bescheidenen Trinksitten und die unübersichtliche Karosserie, denn für heutige Begriffe ist er kompakt (Länge 4,14, Breite 1,59 Meter) und statt Parksensoren hat er noch massive Stossstangen. Ja, wir lieben ihn und hoffen, dass er noch lange läuft und läuft und läuft …

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