Bodybuilder-Szene: Todsicher präpariert
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Bodybuilder-Szene: Todsicher präpariert

Während in Deutschland die Muskelgemeinde den jüngsten Tod eines Bodybuilders betrauert, schlagen die Schweizer Behörden Alarm. Am Schweizer Zoll sind inzwischen Muskelpräparate die am häufigsten beschlagnahmten illegalen Arzneimittel.

von
Marius Egger

Als er seine Ex-Freundin anrief, war es schon zu spät. Der 25-jährige Bodybuilder aus Münster in Norddeutschland hatte die Überdosis des hochgiftigen Präparats Dinitrophenol bereits eingenommen. Wenig später starb er in einer Klinik an den Folgen des DNP. Als die Polizei seine Wohnung durchsuchte, stiess sie, wenig überraschend, auf haufenweise andere Stoffe. Erstaunt hat den Sprecher der Staatsanwaltschaft Münster beim jüngsten Tod eines Bodybuilders nur eines: «Dieses Präparat war mir bis jetzt unbekannt.»

Beliebteste Schmugglerware

Der Handel mit Muskelaufbaupräparaten blüht – auch in der Schweiz. Gemäss einer Statistik des Schweizer Zolls sind Doping- und Muskelaufbaupräparate die am häufigsten beschlagnahmten Substanzen unter den illegalen Arzneimitteln – noch vor dem Potenzmittel Viagra. Swissmedic ist alarmiert: «Der illegale Handel mit den Muskelpräparaten ist ein sehr grosses Problem», sagt Sprecher Joachim Gross. Er sei kaum zu kontrollieren, weil das meiste über das Internet abgehandelt werde. Zudem sei die Gefahr, falsche Präparate in die Hände zu bekommen, beträchtlich. Genaue Zahlen liegen für die Schweiz nicht vor. Die gibt es dafür aus Deutschland.

Vor wenigen Tagen ist norddeutschen Zollfahndern der bislang grösste Schlag gegen den illegalen Handel mit Doping- und Potenzmittel in Deutschland gelungen. Nach mehrmonatigen Ermittlungen wurden 1,3 Tonnen verbotener Substanzen im Wert von 800 000 Euro beschlagnahmt. Nach dem Fahndungserfolg meldete sich Bundesfinanzminister Peer Steinbrück zu Wort. Der Handel mit illegalen und gefälschten Arzneimitteln werde zunehmend zum Problem und zeige eine «rasante Steigerung».

Die Zollfahndung sprach danach von einem «schwunghaften Handel», der seit mindestens drei Jahren betrieben wurde. Die Ermittler gehen davon aus, dass die Produkte für die deutsche Bodybuilderszene bestimmt waren.

«Strukturen wie beim Drogenhandel»

Swissmedic-Mann Joachim Gross glaubt, dass der Weg der Präparate auch in der Schweiz vor allem in die Bodybuilder-Szene führt. «Es ist ein offenes Geheimnis, dass in manchen Studios die Präparate unter der Hand gedealt werden», sagt Gross. Es gebe «Strukturen wie beim illegalen Drogenhandel» stellte auch das Robert-Koch-Institut in einer Studie fest. Andere Studien kommen zum Schluss, dass vier von zehn Sportlern in Fitnessstudios chemisch nachhelfen. Und deutsche Fachleute schätzen, dass rund 400 000 Deutsche Präparate schlucken oder spritzen, um die Muskeln wachsen zu sehen.

Der Mediziner Luitpold Kistler aus Landshut hat im Institut für Rechtsmedizin der Uni München zehn Todesfälle von Bodybuildern zwischen 1996 und 2001 untersucht. Fazit: Alle hatten Anabolika eingenommen, alle hatten Leber- und Herzschäden und alle hatten gutartige Tumore, die zum Tod führen können.

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