Stadtpolizei Zürich: «Bodycams könnten 50 Übergriffe verhindern»

Aktualisiert

Stadtpolizei Zürich«Bodycams könnten 50 Übergriffe verhindern»

Die Zürcher Stadtpolizisten sollen definitiv mit Bodycams ausgerüstet werden. Der Pilotversuch habe gezeigt, dass die Kameras eine deeskalierende Wirkung hätten.

von
mon
1 / 5
In der Stadt Zürich sollen Polizisten und Polizistinnen definitiv mit Bodycams ausgestattet werden.

In der Stadt Zürich sollen Polizisten und Polizistinnen definitiv mit Bodycams ausgestattet werden.

20 Minuten
Mit dem Einsatz von Bodycams könnten jährlich 50 Übergriffe auf Polizistinnen und Polizisten vermieden werden.

Mit dem Einsatz von Bodycams könnten jährlich 50 Übergriffe auf Polizistinnen und Polizisten vermieden werden.

20 Minuten
Denn laut einer Studie hätten Bodycams ein deeskalierende Wirkung.

Denn laut einer Studie hätten Bodycams ein deeskalierende Wirkung.

20 Minuten

Die Gewalt gegen Zürcher Polizisten und Polizistinnen sei vor allem in der Stadt spürbar, sagt Sicherheitsvorsteher Richard Wolff an einer Medienkonferenz am Freitag. Zudem werden diese Übergriffe zunehmend brutaler: «Und damit meine ich nicht nur die physische Gewalt.» Auch verbale Auseinandersetzungen können Narben bei den Polizisten hinterlassen. «Deshalb wollen wir die schützen, die uns schützen.»

Und um diesen Schutz zu gewährleisten, wolle man nun definitiv Bodycams einsetzen: «Nach den Frühlingsferien werde ich beim Stadtrat einen Antrag zur definitiven Einführung von Bodycams stellen», so Wolff. Dieser werde, falls er ihn gutheisst, das entsprechende Vorhaben dem Gemeinderat vorlegen, der für die nötige Rechtsgrundlage zuständig ist.

Bodycam zeichnet nicht dauerhaft auf

Mit dem Einsatz von Bodycams könnten laut Wolff jährlich fünfzig Übergriffe auf Polizistinnen und Polizisten verhindert werden. Diesen Schluss legen die Wissenschaftler nahe, die den Versuch der Stadtpolizei mit Bodycams ausgewertet haben. Die Stadt startete im letzten Jahr einen Versuch mit acht kleinen Kameras, die direkt an der Uniform der Polizisten angebracht sind.

Der Einsatz von Bodycams soll gemäss Wolff wie bei der Versuchsanordnung geregelt sein, nämlich so, dass die Bodycam nur dann aufzeichnet, wenn eine Situation bereits ein gewisses Eskalationsniveau aufweist oder wenn das Gegenüber dies von der Polizei verlangt. Bis zur Einführung dürfte gegebenenfalls mehr als ein Jahr vergehen. Die Kosten werden auf 100'000 bis 200'000 Franken geschätzt.

Verbale wie auch physische Übergriffe

Die Autoren der Bodycam-Studie kommen laut Mitteilung zu folgenden Schlüssen: In jedem 200. Polizeieinsatz (0,5 Prozent) kam es zu physischen Übergriffen gegen Polizeiangehörige wie Schubsen, Stossen oder Schlagen, Treten oder gar Schlagen mit einem Gegenstand. Die Polizistinnen und Polizisten berichteten in rund 4 Prozent der Einsätze von verbalen Übergriffen wie Beschimpfungen.

Im Vergleich der Einsätze mit Bodycams und jener ohne Bodycams legen die Autoren eine günstige Wirkung der Körperkamera nahe. Würden in den vier Einheiten, die sich am Versuch beteiligten, alle Polizistinnen und Polizisten Bodycams tragen, würde es jährlich zu rund 50 Fällen weniger mit physischen Übergriffen auf Polizistinnen und Polizisten kommen. Ausserdem fördere die Bodycam die Objektivierbarkeit bei umstrittenen Einsätzen, und sie liefere zusätzliches Beweismaterial bei Beschwerden und Strafverfahren.

Die Mehrheit befürworte den Einsatz

Die Untersuchung zeige aber deutlich, dass die Bodycam sicher eine deeskalierende Wirkung habe: In vielen Fällen hat sich eine Situation bereits in dem Moment beruhigt, als die Polizeipatrouille das Gegenüber darauf hinwies, sie werde die Kamera jetzt einschalten.

56% der Polizistinnen und Polizisten, die am Versuch teilgenommen haben, befürworten die Einführung von Bodycams: «Die Mehrheit fand es gut – ein Teil war neutral eingestellt und ein paar äusserten Bedenken, dass man sich beobachtet fühlen könnte», so Polizeikommandant Daniel Blumer.

Richard Wolff zum Pilotversuch mit Bodycams

Richard Wolff zum Pilotversuch mit Bodycams

Sicherheitsvorsteher Richard Wolff (AL) äusserte sich im Dezember 2016 zum Bodycam-Pilotversuch.

Deine Meinung