Gerangel und Geschubse: Bodyguard-Pöbeleien im Uno-Hauptsitz
Aktualisiert

Gerangel und GeschubseBodyguard-Pöbeleien im Uno-Hauptsitz

Nach einem Streit um eine Türe ist es zwischen Sicherheitskräften des türkischen Ministerpräsidenten Erdogan und Uno-Angestellten zu einer Auseinandersetzung gekommen. Ein Mann wurde verletzt.

von
Jonathan M. Katz
ap
Da half alles Beruhigen nichts: der türkische Ministerpräsident Recep Tyyip Erdogan

Da half alles Beruhigen nichts: der türkische Ministerpräsident Recep Tyyip Erdogan

In New York ist es am vergangenen Freitag zu Handgreiflichkeiten zwischen Leibwächtern des türkischen Ministerpräsidenten Recep Tyyip Erdogan und UN-Sicherheitskräften gekommen. Während der palästinensische Präsident Mahmud Abbas mit seiner Rede vor der Vollversammlung UN-Geschichte schrieb, uferten Streitigkeiten, vermutlich über Sicherheitsregeln, in ein Handgemenge aus.

Der Sprecher von UN-Generalsekretär Ban Ki Moon sagte am Montag, es habe sich um ein «unglückliches Missverständnis» gehandelt. Es seien «notwendige Massnahmen ergriffen worden, um derartige Missverständnisse künftig zu vermeiden» und die Angelegenheit sei «zufriedenstellend» gelöst worden. Zu Berichten, wonach Ban sich bei Erdogan entschuldigt habe, nahm Marin Nesirky keine Stellung. Er bestätigte jedoch ein Treffen der beiden.

Minutenlange Schubserei

Aus Kreisen verlautete, dass Erdogan zu spät zur Rede Abbas' gekommen sei und seine Leibwächter versucht hätten, ihn durch eine abgeriegelte Tür zu geleiten. Eine weitere Gewährsperson erklärte, die Tür habe gar nicht zu dem Saal der Vollversammlung geführt. Die anschliessende Auseinandersetzung wurde als hitzig und «gravierend» beschrieben. Das Gerangel und die Schubserei habe sich über mehrere Minuten hingezogen und sei sogar auf der Treppe zum Stockwerk darunter fortgesetzt worden. Eine Sicherheitskraft der Vereinten Nationen sei mit gequetschten Rippen ins Krankenhaus gebracht worden.

Der Tumult löste einen Sicherheitsalarm aus, weswegen Diplomaten vor dem Saal das UN-Gebäude verlassen und draussen im Regen auf Entwarnung warten mussten. Den Gewährspersonen zufolge wurden zunächst neun UN-Sicherheitskräfte vom Dienst suspendiert. Nach Protesten hätten sie an ihren Arbeitsplatz zurückkehren, aber nur Verwaltungsaufgaben erledigen dürfen. Solange der Vorfall untersucht werde, dürften sie nicht als uniformierte Sicherheitskräfte arbeiten, hiess es. Ob die türkischen Sicherheitskräfte auf ähnliche Weise bestraft wurden, war nicht bekannt.

Türkische Sicherheitskräfte fielen offenbar bereits zuvor auf

Ein Diplomat erklärte, türkische Sicherheitskräfte seien am vergangenen Montag während eines Treffens ranghoher Vertreter zum Thema Libyen in einen weiteren Vorfall verwickelt gewesen. Ein türkischer Sicherheitsmann sei kurz vor der Ankunft von US-Präsident Barack Obama bei den UN unter einem Seil zu einem abgesperrten Flur durchgeschlüpft und deshalb von den UN-Sicherheitskräften zur Rede gestellt worden. Es habe ein Gerangel gegeben, bis der türkische UN-Botschafter eingegriffen und die Streitenden beruhigt habe, sagte der Diplomat.

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