Unterseen: Bödeli-Mörder bekommt keine Hafterleichterung
Aktualisiert

UnterseenBödeli-Mörder bekommt keine Hafterleichterung

2001 ermordeten Rechtsextreme ihren Kollegen in Unterseen. Der Haupttäter wurde zu lebenslanger Haft verurteilt. Mit seinem Begehren nach einer Haftlockerung blitzt er vor Gericht nun ab.

von
ber
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In der Ruine Weissenau in Unterseen bei Interlaken erschlugen 2001 vier junge Männer ihren Kollegen mit einem Chromstahlrohr.

In der Ruine Weissenau in Unterseen bei Interlaken erschlugen 2001 vier junge Männer ihren Kollegen mit einem Chromstahlrohr.

Keystone/Yoshiko Kusano
Die drei Angeklagten Michael S., Renato S., und Marcel M., vorne von links, und das Hohe Gericht mit Gerichtspraesident Thomas Zbinden am Montag, 29. März 2004 in Bern.

Die drei Angeklagten Michael S., Renato S., und Marcel M., vorne von links, und das Hohe Gericht mit Gerichtspraesident Thomas Zbinden am Montag, 29. März 2004 in Bern.

Keystone/Hermann Schmutz
Die Huesli Bar, in welcher die Freundin des Opfers vergeblich wartete. Das Opfer soll sich nicht an die Regeln einer rechtsextremen Organisation gehalten haben.

Die Huesli Bar, in welcher die Freundin des Opfers vergeblich wartete. Das Opfer soll sich nicht an die Regeln einer rechtsextremen Organisation gehalten haben.

Keystone/Yoshiko Kusano

Im Januar 2001 schlugen vier junge Männer vom rechtsextremen «Orden der arischen Ritter» ihren früheren Schulkollegen Marcel A.* mit einem Chromstahlrohr nieder. Der stark verletzte 19-Jährige erstickte daraufhin an seinem eigenen Blut. Grund für die Bluttat: Das Opfer soll die «Prinzipien» des Ordens verletzt haben. So lockten ihn die Täter unter einem Vorwand zu einem Schulhaus und fuhren von dort aus mit ihm zur Ruine Weissenau.

Nach der Tat versenkten die Mörder den Leichnam bei den Beatushöhlen im Thunersee – erst einen Monat später wurde das Opfer gefunden. Polizeitaucher entdeckten die Leiche sechs Meter unter der Wasseroberfläche.

Der Haupttäter, der damals 21-jährige Plattenleger und Neonazi M.M.*, wurde zu einer lebenslangen Gefängnisstrafe verurteilt. Nun, 17 Jahre später, kämpft der Verurteilte vor dem Berner Obergericht für eine Haftlockerung.

«Politisch motivierter Ausgangsstopp»

Diese wurde ihm aber verwehrt. Bei den Bewährungs- und Vollzugsdiensten sowie der Polizei- und Militärdirektion (POM) blitzte er mit seinem Begehren ab. So wandte er sich ans Obergericht, das den Erleichterungen – namentlich Hafturlaube und offener Vollzug – ebenfalls nicht stattgab. Das Gericht begründete den Entscheid damit, dass davon auszugehen sei, der Mann «müsse noch geraume Zeit im geschlossenen Vollzug verbringen», wie die «Berner Zeitung» berichtet.

Laut dem Anwalt des heute knapp 40-jährigen Mörders ist das für den Entscheid ausschlaggebende Gutachten jedoch veraltet und nicht beweistauglich. «Der Entscheid der POM basiert nicht auf einer objektiven Beurteilung des Falles, sondern auf einem politisch motivierten Ausgangs- und Urlaubsstopp von Polizeidirektor Käser», lies der Anwalt zudem verlauten. Zudem verfüge sein Mandat über kein kriminelles Umfeld mehr und sei unpolitisch.

Freiheit möglich, obwohl Mörder Therapie verweigert

Dem setzt das Obergericht entgegen, dass es objektive Anhaltspunkte gebe, dass die behauptete Distanzierung von rechtsextremen Ideologien ein reines Lippenbekenntnis sei. Zudem kreidete das Gericht dem Häftling an, dass er sich weder untersuchen lasse noch therapeutisch mit den Delikten auseinandersetze.

Die Lockerungs- und Freiheitsperspektive des Mannes ist dennoch da. Diese sei aber nur mit einer aktiven Mitwirkung des Täters möglich. Derzeit stehe Vollzugslockerungen aber sowohl die Rückfall- als auch die Fluchtgefahr entgegen – auch wenn es nur um begleitete Ausgänge oder Urlaube gehe, stellt das Gericht zusammenfassend fest.

Das aktuelle Urteil des Obergerichts ist nicht rechtskräftig. Eine Beschwerde ist beim Bundesgericht hängig.

* Namen der Redaktion bekannt

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