Aktualisiert 03.05.2018 15:34

Gegen rechte Hetze

Böhmermann geht gegen Schweizer Politiker vor

Der deutsche Satiriker Jan Böhmermann will gegen rechte Hetze im Internet vorgehen. Auf seiner schwarzen Liste sind auch Schweizer Accounts.

von
tam
So rief Jan Böhmermann in seiner TV-Sendung zu seiner Aktion gegen «rechten Trolle» im Internet auf.

So rief Jan Böhmermann in seiner TV-Sendung zu seiner Aktion gegen «rechten Trolle» im Internet auf.

Youtube

«Im Namen der Demokratie und der gesellschaftlichen Harmonie erteile ich euch den Befehl, bei Reconquista Internet mitzumachen», sagt der deutsche Satiriker Jan Böhmermann in seiner ZDF-Sendung «Neo Magazin Royale». Damit lancierte Böhmermann eine Kampagne gegen die Aktion «Reconquista Germanica». Ein Netzwerk, das Hass-Kommentare von rechtsradikalen Nutzern sammelt und die rassistische Hetze unter bestimmten Hashtags weiterverbreitet.

Im Rahmen seiner Gegenkampagne hat Böhmermann zwei Listen von «rechten Trollen» veröffentlicht, die man «blocken, melden oder mit Liebe überschütten» soll. Auf diesen Listen tauchen auch Schweizer Twitter-Accounts auf, wie der «Zürcher Oberländer» berichtet.

Zwei Zürcher Politiker auf der Liste

In einer kurzen ersten Liste sind Nutzer enthalten, die sich unter anderem an mindestens zwei Aktionen des Netzwerks beteiligt haben. Die zweite Liste mit insgesamt 1270 Twitter-Accounts listet Nutzer auf, die mindestens zehn Profilen aus dem rechten Spektrum folgen und zurückgefolgt werden. In dieser Liste sind nicht nur deutsche AfD-Politiker zu finden, sondern auch die Zürcher Politiker Silvio Foiera (EDU) aus Uster und René Truninger (SVP) aus Illnau-Effretikon.

Foiera zeigt sich gegenüber der Regionalzeitung überrascht. Er stimme der AfD in gewissen Themen zu und teile einzelne Inhalte auch, aber er beteilige sich nicht an einer rechten Hetzkampagne. Vielmehr findet er es problematisch, dass Aktionen wie die von Böhmermann die Diskussion abwürgen. Dieser Meinung ist auch Truninger, der nicht versteht, wie er auf die Liste gelangt ist. Es gehe ihm auf Twitter um die sachliche Diskussion. Er sei kein rechter Hetzer.

Winterthurer Stiftung: «Wir betreiben keine rechte Hetze»

Auch die Stiftung Zukunft CH mit Sitz in Winterthur ist auf der Liste zu finden. Man sei erstaunt darüber, da man vorwiegend in der Schweiz tätig sei und keine rechte Hetze betreibe, heisst es auf Anfrage von 20 Minuten. «Wir können uns nicht erklären, wie wir auf die Liste kamen. Sie wirkt fragwürdig auf uns», sagt Sprecher Ralph Toscan. Man sei mit Personen wie Foiera im Austausch, aber ihn als Hetzer zu bezeichnen, gehe zu weit.

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