Aktualisiert 28.03.2019 05:44

Unglücksflieger

Boeing passt Steuerungs-Software des 737 Max an

Nach zwei Flugzeugabstürzen mit insgesamt 346 Toten hat sich der US-Senat die Luftfahrtbehörde vorgeknöpft. Hersteller Boeing reagiert derweil mit Softwareupdates.

von
scl
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«Wir nehmen uns die Zeit, es richtig zu machen»: Eine Boeing 737 Max 8 wird zusammengebaut. (Archivbild)

«Wir nehmen uns die Zeit, es richtig zu machen»: Eine Boeing 737 Max 8 wird zusammengebaut. (Archivbild)

Keystone/AP/Ted S. Warren
Will die Sicherheit der Unglücksflieger der 737-Max-Serie erhöhen: Boeing präsentiert in seinem Werk nahe Seattle ein Update der umstrittenen Steuerungs-Software MCAS.

Will die Sicherheit der Unglücksflieger der 737-Max-Serie erhöhen: Boeing präsentiert in seinem Werk nahe Seattle ein Update der umstrittenen Steuerungs-Software MCAS.

Keystone/Ted S. Warren
Neben dem Software-Update will Boeing die Sicherheit der Unglücksflieger der 737-Max-Serie mit weiteren Alarmfunktionen im Cockpit und zusätzlichem Training für Piloten erhöhen.

Neben dem Software-Update will Boeing die Sicherheit der Unglücksflieger der 737-Max-Serie mit weiteren Alarmfunktionen im Cockpit und zusätzlichem Training für Piloten erhöhen.

Keystone/Ted S. Warren

US-Hersteller Boeing und die US-Luftfahrtbehörde FAA stehen nach zwei Flugzeugabstürzen mit insgesamt 346 Toten heftig in der Kritik. Während die Aufseher sich vor dem US-Senat verteidigt haben, hat Boeing neue Sicherheitsupdates für den umstrittenen Flugzeugtyp 737 Max präsentiert.

Vertreter der US-Luftfahrtbehörde FAA mussten am Mittwoch (Ortszeit) in Washington dem US-Senat Rede und Antwort stehen und sich starker Kritik der Abgeordneten stellen. Die FAA verteidigte die Zusammenarbeit mit Luftfahrtkonzernen bei der Zulassung neuer Flugzeuge.

Grosser Argwohn

Der amtierende Behördenleiter Daniel Elwell sagte dem Senatsausschuss, diese seit 60 Jahren verfolgte Praxis habe dazu beigetragen, das Fliegen so sicher zu machen, wie es heute sei. Müsste die FAA alle Zulassungsaufgaben alleine ausführen, würde die Behörde laut Elwell rund 10'000 mehr Mitarbeiter und zusätzliche Mittel in Höhe von 1,8 Milliarden Dollar benötigen.

Die Zulassung von Boeings 737-Max-Jets sorgt nach den zwei Abstürzen innerhalb von nur einem halben Jahr für grossen Argwohn. Boeing pflegt traditionell einen engen Draht zu den Behörden und zählt zu den US-Konzernen, die sehr hohen Lobbyaufwand betreiben. Die FAA wird verdächtigt, bei der Zertifizierung ein Auge zugedrückt zu haben, wichtige Teile der Sicherheitsprüfungen wurden dem Konzern selbst überlassen. Der Fall wird bereits vom Verkehrsministerium untersucht.

Weltweite Praxis

Elwell betonte, die FAA übe strikte Kontrolle über die delegierten Zertifizierungsaufgaben aus. Diese Praxis werde weltweit angewandt. Die Europäische Agentur für Flugsicherheit (EASA) verlasse sich darauf noch stärker als die FAA. Der demokratische Senator Richard Blumenthal hielt Elwell bei der Anhörung vor, die FAA lagere Sicherheitsfragen an die Hersteller von Flugzeugen aus. Die Behörde habe entschieden, «den Bock zum Gärtner zu machen».

Boeing präsentierte in seinem Werk in Renton nahe Seattle im US-Bundesstaat Washington vor mehr als 200 Piloten, Technikern und Regulierern ein Update seiner umstrittenen Steuerungs-Software MCAS und weitere zusätzliche Sicherheitsmassnahmen für den Flugzeugtyp 737 Max. Neben dem Software-Update will Boeing die Sicherheit der Unglücksflieger der 737-Max-Serie mit weiteren Alarmfunktionen im Cockpit und zusätzlichem Training für Piloten erhöhen.

Software im Fokus

«Wir arbeiten mit Kunden und Regulierern weltweit zusammen, um das Vertrauen in die Industrie wieder herzustellen», sagte Boeings Entwicklungschef Mike Sinnett in einer Konferenzschaltung vor der Info-Veranstaltung. Die Sicherheitsmassnahmen müssen jedoch noch von den Aufsichtsbehörden genehmigt werden. Bis wann dies geschehe, sei derzeit noch nicht abzusehen, sagte Sinnett. Auch die FAA hat dazu bislang keine konkreten Angaben gemacht.

Boeings MCAS-System spielte laut Unfallermittlern eine entscheidende Rolle beim Absturz einer 737 Max 8 Ende Oktober in Indonesien. Der Bordcomputer soll die Nase des Jets automatisch immer wieder nach unten gedrückt haben, während die Crew vergeblich gegenzusteuern versuchte. Auch beim jüngsten Crash einer baugleichen Maschine in Äthiopien gilt die Software als eine mögliche Ursache. Bei den beiden Abstürzen waren insgesamt 346 Menschen ums Leben gekommen. (scl/sda)

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