Aktualisiert 16.04.2013 05:55

Sechseläuten Zürich

Böögg lässt Traum vom schönen Sommer platzen

Der Böögg war aussergewöhnlich zäh in diesem Jahr: Ganze 35 Minuten und 11 Sekunden hielt er durch, bis ihn das Feuer den Kopf kostete. Das ist das drittschlechteste Resultat aller Zeiten.

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bam/rey

Es gibt einen üblen Sommer: Der Kopf des Zürcher Böögg explodierte am Montag erst exakt 35 Minuten und 11 Sekunden, nachdem Martin Gehrer, Regierungspräsident des Gastkantons St. Gallen, den Holzstoss entzündet hatte.

Das letzte Stündlein schlug dem Riesenschneemann dieses Jahr bei Sonne, tiefblauem Himmel und sommerlich warmen Temperaturen - das genaue Gegenteil vom nasskalten Sechseläuten-Wetter des letzten Jahres. Die Sommerprognose allerdings war nicht eben vielversprechend.

Die Volksweisheit sagt nämlich, je rascher der Böögg explodiert, desto schöner wird der Sommer. Allerdings stimmt die Prognose selten. Letztes Jahr stand mit 12 Minuten und 7 Sekunden ein passabler Sommer bevor - in Wirklichkeit war er dann weit gehend verregnet.

Umfrage Frauentag

Nur mit dem «Jahrhundertsommer» von 2003 hatte der Böögg recht: Damals explodierte sein Kopf schon nach 5 Minuten und 42 Sekunden. So lange wie dieses Jahr widerstand der Böögg seit über zehn Jahren nie.

Sechseläuten 2012

Zünfter und Promis

Rund 5000 Zünfter, Ehrengäste und Gäste nahmen am Montagnachmittag zu Pferd, zu Fuss oder in einem blumengeschmückten Wagen am diesjährigen Zug der Zünfte teil. Tausende Zuschauerinnen und Zuschauer säumten die Route und beschenkten die Vorüberziehenden reich mit Blumen.

In jeder Zunft schritten traditionsgemäss ein paar Ehrengäste mit: Prominente und weniger Prominente aus Politik, Militär und Wirtschaft, aus Medien, Sport, Bildung und Kultur.

Der diesjährige Gastkanton St. Gallen war ausser durch Regierungspräsident Gehrer (CVP) unter anderem durch FDP-Ständerätin Karin M. Keller-Sutter und mehrere Regierungsmitglieder vertreten. Aus St. Gallen gekommen waren zudem Bischof Markus Büchel und Uni-Rektor Thomas Bieger.

Promis vom Bundespräsidenten bis zum Hochseilartisten

Unter den Ehrengästen waren zudem etwa Bundespräsident Ueli Maurer (SVP), Ständeratspräsident Filippo Lombardi (CVP), der Zürcher Regierungspräsident Markus Kägi (SVP) und die Zürcher Stadtpräsidentin Corine Mauch (SP). Auch Luftwaffenkommandant Aldo Schellenberg und Korpskommandant André Blattmann marschierten zu den traditionellen Märschen mit.

Als Ehrengäste geladen ware unter anderen auch UBS-Chef Sergio Ermotti, der ägyptische Unternehmer und Investor Samih Sawiris, Verleger und Chefredaktor der Weltwoche, Roger Köppel, sowie SRG-Generaldirektor Roger de Weck.

Springreiter und Olympiasieger Steve Guerdat zog hoch zu Ross mit. Hochseil-Artist Freddy Nock marschierte ganz unauffällig am Boden. Auch Schauspieler Jörg Schneider liess sich das Ereignis nicht entgehen. Und die bekannte österreichische Schauspielerin Christiane Hörbiger heimste zahlreiche Blumen ein.

Durch die Innenstadt ging es zum Sechseläutenplatz. Dort wird jeweils punkt 18 Uhr der 13 Meter hohe Scheiterhaufen angezündet. Gleichzeitig findet der traditionelle Umritt statt: Berittene Zünfter umkreisen den Holzstoss, auf dem der 3,4 Meter grosse Böögg thront, Symbol des Winters, den es auszutreiben gilt.

Frauen wieder auf separatem Zug

Eine Stunde vor den Zünften der Männer zogen die Frauen der Gesellschaft zu Fraumünster durch die Innenstadt. Sie werden jeweils nicht zum offiziellen Zug der Zünfte eingeladen. Bisher gab es nur eine Ausnahme: 2011 durften sie mit.

Ehrengäste beim Frauenzug waren Ursula Keller, Direktorin des Instituts für Quantenelektronik an der ETH Zürich, und die Luzerner Regierungsrätin Yvonne Schärli. Eskortiert wurden die Damen von den Rittern des «Grossen, Allmächtigen und unüberwindlichen Rats» von Zug.

Leser: «Wir wollen einen langen Sommer»

Heute Mittag führte 20 Minuten eine Leserrumfrage durch. «Fünf Minuten», schätzte ein älterer Herr die Zeit ein, bis der Böögg beim diesjährigen Sechseläuten seinen Kopf verliert. Damit war er noch der Optimistischste. Ob kurz oder lang - es gab die unterschiedlichsten Schätzungen. Einig war man sich hingegen, wie der Sommer zu werden hat. «Mindestens so gut wie der Winter und mindestens so lange», meint eine Passantin. «Besser als der Frühling» prognostizierte eine andere.

Vom Winter haben Herr und Frau Schweizer die Nase gestrichen voll. «Katastrophal. So lange war er noch nie. Ich habe ein halbes Jahr lang nur gefroren», erklärt ein Zünfter. Ein weiterer Passant sieht das Ganze entspannter und ist der Meinung, man könne es ja doch keinem recht machen: «Im Endeffekt motzt man immer, ob es nun schön ist oder nicht.»

(bam/rey/sda)

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