Auch Schweiz betroffen - Börsen tauchen weltweit wegen Angst vor Evergrande-Pleite
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Auch Schweiz betroffenBörsen tauchen weltweit wegen Angst vor Evergrande-Pleite

Die Anleger gehen vor der drohenden Pleite des chinesischen Immobilienriesen Evergrande in Deckung. In etlichen Städten Chinas kam es zu Protesten von Investoren und Lieferanten.

von
Dominic Benz
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Der Aktienkurs des chinesischen Immobilienriesen Evergrande ist eingebrochen.

Der Aktienkurs des chinesischen Immobilienriesen Evergrande ist eingebrochen.

AFP
Investoren werfen zurzeit Aktien und Anleihen ab. Viele fürchten nun einen Zusammenbruch der Firma.

Investoren werfen zurzeit Aktien und Anleihen ab. Viele fürchten nun einen Zusammenbruch der Firma.

REUTERS
Auf Social Media und Youtube wird der Bankrott von Evergrande mit dem Kollaps der amerikanischen Investmentbank Lehman Brothers verglichen.

Auf Social Media und Youtube wird der Bankrott von Evergrande mit dem Kollaps der amerikanischen Investmentbank Lehman Brothers verglichen.

imago stock&people

Darum gehts

  • Der chinesische Immobilienkonzern Evergrande steht vor der Zahlungsunfähigkeit.

  • Anleger fürchten sich vor einer Kettenreaktion und einer drohenden Wirtschaftskrise.

  • Rund um den Globus befinden sich die Aktienkurse auf Talfahrt.

Die Sorge vor den wirtschaftlichen Folgen eines möglichen Zusammenbruchs des chinesischen Immobilienriesen Evergrande wächst. Die Preise für Immobilienanteile an der Hongkonger Börse stürzten am Montag ab, Investoren rechneten damit, dass der Konzern die Zinszahlungen auf seine Milliardenschulden bereits in dieser Woche nicht länger bedienen kann.

Der Schuldenstand des Unternehmens, eines der grössten Immobilienentwickler des Landes, beträgt umgerechnet mehr als 260 Milliarden Euro.

Aktienkurse am Taumeln

Rund um den Globus brechen die Kurse an den Börsen ein. Die Angst vor einer Pleite des chinesischen Immobilienkonzerns belastet auch den Schweizer Aktienmarkt. Am frühen Montagnachmittag notierte der Leitindex SMI bei einem Minus von rund 2,10 Prozent.

Weil weltweit viele Banken bei Evergrande investiert sind, befürchten die Anlegerinnen und Anleger, eine Pleite könnte den Finanzsektor ebenfalls nach unten ziehen. Die Angst vor einer Kettenreaktion ist gross. Viele vergleichen den möglichen Bankrott des Immobilienriesen mit dem Kollaps der US-Bank Lehman Brothers, der 2008 zu einer weltweiten Finanzkrise geführt hat.

Der Aktienkurs der UBS stürzt bis zum Börsenschluss um über sechs Prozent ab, jener der Credit Suisse um rund 7,55 Prozent. Auch Luxusgüterkonzern Richemont wird abgestraft und verliert über 3 Prozent, Uhrenkonzern Swatch notiert bei rund 2,7 Prozent im Minus. Für beide Unternehmen ist China ein wichtiger Absatzmarkt.

Der Deutsche DAX bricht um gut 2,3 Prozent ein. Auch die US-Börse eröffnete tiefrot. Der Dow Jones notierte zwischenzeitlich um rund 2,55 Prozent im Minus.

Proteste von Investoren und Lieferanten

Die Krise des Unternehmens führte bereits zu enormen Vermögensverlusten: Der chinesische Immobilientycoon Zhang Yuanlin, Vorsitzender der Sinic Holdings Group, verlor laut der US-Zeitschrift «Forbes» am Montag mehr als eine Milliarde Dollar. Der Handel mit der Aktie von Sinic wurde ausgesetzt, nachdem diese 87 Prozent ihres Werts verloren hatte.

Das ist Evergrande

Das chinesische Immobilienunternehmen wurde 1996 in der südchinesischen Stadt Guangzhou gegründet. Gründer ist Xu Jiayin oder auch Hui Ka Yan genannt. 2009 ging die Firma mit einem Wert von 722 Millionen US-Dollar an die Börse. Inzwischen ist es das zweitgrösste Immobilienunternehmen Chinas. Dabei gehören dreiviertel der Aktien dem Firmengründer. Sein Nettovermögen wurde 2017 auf rund 45 Milliarden Dollar geschätzt, was ihn damals zum reichsten Mann Asiens machte. Zudem investiert Evergrande auch in andere Bereiche wie Elektroautos, Mineralwasser oder Babynahrung. Auch gehört der Firma das Fussballteam Guangzhou Football Club.

Mit einem Anteil von rund einem Viertel am Bruttoinlandsprodukt ist der Immobiliensektor ein entscheidender Wirtschaftszweig in China. Eine Krise in dem Sektor könnte somit für die gesamte chinesische Wirtschaft schwerwiegende Folgen haben.

90 Prozent an Wert verloren

Der Aktienkurs von Evergrande stürzte am Montag um weitere 17 Prozent ab, seit Beginn des Jahres verloren die Unternehmensanteile somit rund 90 Prozent ihres Werts. Vor den Unternehmensvertretungen kam es in mehreren chinesischen Städten zu Protesten von Investoren und Lieferanten, die ihr Geld zurückforderten.

Laut Experten und Expertinnen haben mehr als eine Millionen Menschen Bauvorhaben im Voraus bezahlt, die von Evergrande bisher nicht umgesetzt wurden. Ein Firmenvertreter hatte den verärgerten Geschäftspartnern daraufhin statt Geld nicht fertiggestellte Wohnungen, Parkplätze oder Lagerräume angeboten.

Turbulenzen im Immobiliensektor

Auch andere Unternehmen im Immobiliensektor sind bereits von der Krise betroffen: Der Aktienkurs von Henderson Land verzeichnete ein Minus von 13,2 Prozent, der Kurs von New World Development sank um mehr als zwölf Prozent. Die Aktie von Sun Hung Kai Properties verlor 10,3 Prozent.

Die Krise macht sich auch in anderen Branchen bemerkbar: Das Versicherungsunternehmen Ping An verzeichnete ein Minus von fast sechs Prozent. Mit den Aktien der China Minsheng Bank, der Agricultural Bank of China und der Industrial and Commercial Bank of China verloren auch die Aktien von Geldhäusern zwischen drei und sechs Prozent ihres Werts. Der Leitindex der Hongkonger Börse, der Hang Seng Index, verlor am Montag zwischenzeitlich mehr als vier Prozent.

Fokus auf anstehende Rückzahlungen

Noch ist unklar, wie die chinesische Regierung auf die drohende Wirtschaftskrise reagieren wird. Ein Analyst der chinesischen Bocom International Holdings, Philip Tse, warnte vor «weiteren negativen Konsequenzen», sollte die politische Führung kein klares Signal zur Lage von Evergrande senden.

Die Aufmerksamkeit der Investoren richtet sich nun auf die anstehenden Rückzahlungen des Unternehmens: Fällig sind Zinszahlungen auf Bankkredite am Montag und auf zwei Anleihen am kommenden Donnerstag.

(AFP/dob)

Auch Kryptowährungen tauchen

Die trübe Stimmung auf den Finanzmärkten hat auch Kryptowährungen wie Bitcoin erheblich belastet. Der Bitcoin-Kurs fiel auf der Handelsplattform Bitstamp um etwa 8 Prozent auf rund 43’200 US-Dollar. Anfang September hatte die Digitalwährung noch mehr als 50’000 Dollar gekostet. Auch die meisten Altcoins sind auf Talfahrt, etwa Ether, XRP und Dogecoin. Die Kurse gaben zum Teil zweistellig nach.

(DPA/mur)

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