Aktualisiert 07.05.2012 11:01

Nach den WahlenBörsen fürchten das Ende der Sparpolitik

Die jüngsten Wahlergebnisse in Frankreich und Griechenland bereiten den Börsen grosse Sorgen. Analysten reden von einer grossen Krise, die Europa bevorsteht.

von
whr
Die europäischen Märkte machen sich grosse Sorgen darüber, wie es finanzpolitisch in der Eurozone weitergehen soll.

Die europäischen Märkte machen sich grosse Sorgen darüber, wie es finanzpolitisch in der Eurozone weitergehen soll.

Die Wahlergebnisse in Frankreich und Griechenland haben Börsianern zufolge am Montag die Furcht der Anleger vor einem Ende der europäischen Sparbemühungen geschürt. SMI, Dax und EuroStoxx50 verloren zur Eröffnung jeweils rund ein Prozent. Gegen 11.00 Uhr notierte der DAX dann 1,54 Prozent im Minus. Der französische Leitindex CAC 40 lag 1,43 Prozent im Minus.

Der Euro geriet ebenfalls unter Druck und kostete mit 1,3007 Dollar einen knappen US-Cent weniger als zum New Yorker Freitagsschluss. Im Gegenzug kletterte der Bund-Future auf ein neues Rekordhoch von 142,44 Zählern. Die Renditen der französischen und griechischen Anleihen zogen an.

«Wir stehen vor einer grossen Krise»

«Die Kluft zwischen den Politikern und den Wählern vergrössert sich», sagte Steen Jakobsen, Chef-Ökonom der Saxo Bank. «Das sehen wir in Griechenland und Frankreich. Die Wähler senden eine klare Botschaft: ‹Wir sind zu diesen Reformen nicht bereit›. Dies ist besorgniserregend. Wir stehen vor einer grossen Krise in Europa, wirtschaftlich und sozial.»

Zu den grössten Verlierern zählten die Finanzwerte, die besonders sensibel auf Nachrichten zum Thema Schuldenkrise reagieren. Der europäische Bankenindex fiel um 1,3 Prozent.

Börsen in Asien im Minus

Sorgen um die Stabilität der Euro-Zone nach den Wahlen in Griechenland und Frankreich haben am Montag auch die Börsen in Asien belastet. Vor allem die Ungewissheit über die Regierungsbildung in Griechenland beunruhigte die Anleger.

Der Sieg des Sozialisten Francois Hollande bei der Präsidentenwahl in Frankreich war zwar weitgehend erwartet worden. Aber Hollandes Ankündigung, die vor allem von Deutschland verfolge Sparpolitik nicht unverändert weiterzuführen, sowie das schlechte Abschneiden der Regierungsparteien in Griechenland schürten Bedenken, dass die Bemühungen um Haushaltssanierung und Reformen in Europa ins Stocken geraten.

Der Index für Aktien aus dem Asien-Pazifik-Raum ohne Japan gab 2,3 Prozent auf den niedrigsten Stand seit drei Monaten nach. Auch in Tokio rutschte der 225 Werte umfassende Nikkei-Index auf ein Drei- Monats-Tief und gab 2,5 Prozent auf 9150 Punkte ab. Der breiter gefasste Topix-Index verlor 2,4 Prozent auf 774 Zähler. Die Börsen in Hongkong, Shanghai, Seoul, Taiwan und Australien verloren bis zu zwei Prozent.

Viele Fragezeichen zu Griechenland

«Der Markt ist nicht glücklich über die Wahlergebnisse», sagte Chef-Investmentstratege Jack Ablin von Harris Private Bank. Investoren betrachteten den Ausgang in Griechenland als ersten Schritt in Richtung eines Austritts aus der Euro-Zone.

Über Griechenland gebe es viele Fragezeichen, sagte Richard Yetsenga von ANZ Research. Da unklar sei, wer die Regierung bilden kann, stelle sich auch die Frage, wie lange sich die neue Führung halten könne und ob sie den von den Geldgebern verlangten strikten Konsolidierungskurs fortsetzen werde.

(whr/sda)

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