Märkte zu Obama-Sieg: Börsen schwach – Pharma-Titel verlieren
Aktualisiert

Märkte zu Obama-SiegBörsen schwach – Pharma-Titel verlieren

Barack Obamas Wahlsieg wirkt sich unterschiedlich auf die Börsen der Welt aus: Während die USA und Asien gestern stark abschlossen, schwächeln die europäischen Märkte. Die Wall Street schloss mit grossen Verlusten.

Die Aktienmärkte in Fernost schlossen mit teils deutlichen Gewinnen. Der Nikkei-Index an der Börse in Tokio notierte zum Handelsschluss mit einem Plus von 406,64 Punkten oder 4,46 Prozent beim Stand von 9521,24 Punkten.

In Europa aber lagen fast alle Indizes im Minus. Der Schweizer SMI verlor 3,48 Prozent, der breiter gefasst SPI gab 3,21 Prozent nach. Der deutsche DAX ging 2,11 Prozent schwächer bei 5166,87 Zählern aus dem Handel.

Die Schweizer Börse verlor über den ganzen Tag. Nach der Erholung der letzten Tage sank der Kurs vor allem aufgrund von Gewinnrealisierungen. Barack Obamas Wahlsieg wurde laut «AWP» am Markt jedoch durchwegs begrüsst.

Kurse sinken wegen Gewinnmitnahmen

Erklärt wird der Verlust damit, dass Obamas Sieg an den europäischen Börsen erwartet wurde und die Kurse schon am Dienstag gestiegen waren. Heute wurden vor allem Kursgewinne realisiert (Gewinnmitnahme), was einen Abschwung der Titel bewirkte. Obwohl OC Oerlikon unter anderem in der Solarbranche tätig ist, wies der Konzern, der zu den gestrigen Tagessiegern gehörte, heute einen der grössten Verluste aus. Laut ZKB sollten vor allem Firmen, die im Bereich der alternativen Energien tätig sind, von Obamas Sieg profitieren. Offensichtlich wurde aber OC Oerlikon Opfer der Gewinnmitnahme.

Furcht vor verschärften Bedingungen

Zu den Wahlverlierern zählen die Pharmaunternehmen. Obama visiert eine Senkung der Kosten im US-Gesundheitssystem an. Daher wird befürchtet, dass die Bedingungen für die Pharma-Industrie verschärft werden, was ebenfalls zu einem Kursverlust der Pharmaschwergewichte Novartis und Roche führte.

Party bereits vorbei

«Die Party wurde an den Börsen schon vor der Wahl gefeiert - jetzt muss Obama sein Motto 'Yes, We Can' erstmal umsetzen», sagte Kapitalmarktexperte Robert Halver von der Baader Bank.

Die Versprechen könnten nur mit weiteren massiven Aufbauspritzen realisiert werden und das könnte neue Irritationen bringen. Entsprechend kehre erst einmal wieder Realismus ein. Auch an der New Yorker Wall Street war nach kräftigen Kursgewinnen vom Dienstag wenig von «Obama-Euphorie» zu spüren.

Dow-Jones mit grossem Verlust

Daten vom Arbeitsmarkt und dem Dienstleistungssektor zeigten, wie sehr die grösste Volkswirtschaft der Welt mit den Folgen der Finanzkrise zu kämpfen hat. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss 5,05 Prozent im Minus bei 9139 Punkten.

Der breiter gefasste S&P-500-Index verlor 5,3 Prozent auf 952 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq fiel um 5,5 Prozent auf 1681 Punkte.

Der Ausblick auf die US-Konjunktur bleibt düster: Einer am Mittwoch veröffentlichten Erhebung der privaten Arbeitsagentur ADP zufolge haben US-Firmen wegen der Finanzkrise im Oktober deutlich mehr Stellen abgebaut als erwartet.

Demnach fielen in der Privatwirtschaft mit 157 000 Stellen so viele Arbeitsplätze weg wie zuletzt im November 2002. Ähnlich die Zahlen aus dem Dienstleistungssektor: Der Service-Index des Institute for Supply Management (ISM) fiel auf 44,4 von 50,2 Zählern im September.

Das ist der tiefste Stand seit Umfragebeginn 1997. Mit einem Stand von unter 50 Zählern signalisiert der Index eine schrumpfende Geschäftstätigkeit des Nicht-Verarbeitenden Gewerbes, das 80 Prozent der US-Wirtschaft ausmacht.

Google-Scheine abgestürzt

Die Finanzbranche ächzt weiter unter der Kreditkrise: Die Aktien des US-Anleihenversicherers Ambac Financial Group rauschten um über 40 Prozent in den Keller, nachdem der Konzern wegen Abschreibungen zuletzt noch tiefer in die roten Zahlen gerutscht war.

Der geplatzte Deal zwischen Google und Yahoo wurde an der Börse unterschiedlich aufgenommen. Während die Papiere von Google um 6,7 Prozent abstürzten, legten die Anteilsscheine von Yahoo angesichts der Spekulationen um ein neues Angebot von Microsoft um rund 4,3 Prozent zu.

Die Aktien von Microsoft verloren 6,2 Prozent. Unter dem Druck der US-Kartellbehörde und Werbebranche gab Google seine Pläne für eine Zusammenarbeit mit Yahoo im Anzeigengeschäft auf.

Öl wieder günstiger

Auch die Papiere von Time Warner konnten sich dem Abwärtstrend nicht entziehen. Time-Warner-Aktien verloren nach anfänglichen Gewinnen 6,3 Prozent. Der Medienkonzern senkte bei der Vorlage seiner Quartalsbilanz auch seine Jahresprognose.

Der Ölpreis sank nach seinem kräftigen Anstieg am Dienstag wieder. Ein Fass US-Leichtöl verbilligte sich um 7,3 Prozent auf 65 Dollar.

An der New York Stock Exchange wechselten rund 1,31 Milliarden Aktien den Besitzer. 603 Werte legten zu, 2490 gaben nach und 54 blieben unverändert. An der Nasdaq schlossen bei Umsätzen von 2,18 Milliarden Aktien 534 im Plus, 2232 im Minus und 98 unverändert.

An den US-Kreditmärkten stiegen die zehnjährigen Staatsanleihen um 11/32 auf 102-19/32. Sie rentierten mit 3,679 Prozent. Die 30- jährigen Bonds kletterten 28/32 auf 106-03/32 und hatten eine Rendite von 4,140 Prozent.

(scc/zac/SDA)

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