Krise in Italien : Börsen wegen Berlusconi im Minus
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Krise in Italien Börsen wegen Berlusconi im Minus

Erst gab der frühere Ministerpräsident Berlusconi sein Comeback bekannt, dann kündigte der jetzige Ministerpräsident Monti seinen Rücktritt an. Nun sind die Börsen beunruhigt.

von
whr
Berlusconi (links) will wieder kommen, Monti (rechts) will gehen, das gefällt den Börsen gar nicht.

Berlusconi (links) will wieder kommen, Monti (rechts) will gehen, das gefällt den Börsen gar nicht.

Nach der Rücktrittsankündigung des italienischen Ministerpräsidenten Mario Monti sind die europäischen Börsen am Montag mit Verlusten in die Handelswoche gestartet. Det SMI startete im Minus. Der deutsche Leitindex DAX gab am Morgen 0,48 Prozent auf 7.481,80 Punkte nach, der britische FTSE 100 verlor 0,1 Prozent auf 5.910,28 Zähler. Der französische CAC-40 sank um 0,3 Prozent auf 3.594,14 Punkte. Montis Ankündigung vom Samstag «hat ein weiteres Element der Unsicherheit in den europäischen Mahlstrom geworfen», schrieb der leitende Marktanalyst des Finanzdienstleisters CMC Markets, Michael Hewson, am Montag in einer E-Mail.

Am italienischen Anleihemarkt gerieten heimische Staatspapiere spürbar unter Druck. Im Gegenzug legte die Rendite zehnjähriger Titel um etwa 0,3 Prozentpunkte auf 4,8 Prozent zu. Das ist deutlich mehr als Anfang Dezember, als die Rendite mit etwa 4,4 Prozent auf den tiefsten Stand seit zwei Jahren gefallen war.

Beunruhigung

Nach dem angekündigten Rücktritt des italienischen Ministerpräsidenten Mario Monti wachsen in der EU die Sorgen um eine Verschärfung der Euro-Krise. Der Chef der Euro-Rettungsfonds ESM und EFSF, Klaus Regling, sagte der «Süddeutschen Zeitung»: «Italien hat im vergangenen Jahr wichtige Reformen angeschoben. Das haben die Märkte bislang honoriert, allerdings haben sie auf die aktuellen Entwicklungen Ende vergangener Woche beunruhigt reagiert.» Für Italien wie für die gesamte Währungsunion sei es wichtig, dass der Reformprozess fortgesetzt werde.

Wenige Stunden vor Montis Rücktrittsankündigung hatte der frühere Ministerpräsident Silvio Berlusconi sein politisches Comeback angekündigt und erklärt, er wolle bei der Parlamentswahl im kommenden Jahr kandidieren.

Hedgefonds haben sich heftig verspekuliert

Regling räumte ein, dass der Kurs der Euro-Staaten im Kampf gegen die Krise gerade in der deutschen Bevölkerung auf grosse Skepsis stosse. Er nehme die Sorgen der Menschen ernst, halte sie aber für unbegründet. «Weder verteilen wir Geschenke, noch wird die Politik der Europäischen Zentralbank zu Inflation führen», sagte der frühere Spitzenbeamte des Bundesfinanzministeriums.

Regling fügte hinzu, noch vor ein paar Monaten sei die Mehrheit der grossen Kapitalanleger überzeugt gewesen, dass der Euro nicht überleben werde. Jetzt habe sich die Stimmung völlig gedreht. «Das muss nicht so bleiben, aber die Investoren haben sehr wohl registriert, dass einige grosse Hedgefonds sich mit ihren Wetten auf ein Scheitern der Währungsunion heftig verspekuliert und viele Milliarden Euro verloren haben», sagte Regling. «So etwas beeindruckt die Märkte mehr als Brüsseler Beschlüsse.»

(whr/sda/dapd)

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