Börsen weltweit auf Berg- und Talfahrt
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Börsen weltweit auf Berg- und Talfahrt

Die europäischen Aktienmärkte haben einen turbulenten Handelstag erlebt. Die US-Notenbank reagierte mit einer historischen Zinssenkung auf die weltweite Talfahrt an den Börsen. Dies verhalf auch der Schweizer Börse wieder ins Plus.

Die europäischen Aktienmärkte haben am Dienstag einen turbulenten Handelstag erlebt. Die US-Notenbank reagierte mit einer historischen Zinssenkung auf die weltweite Talfahrt an den Börsen. Dies verhalf auch der Schweizer Börse wieder ins Plus.

Nach den scharfen Einbrüchen der asiatischen Märkte setzten die Schweizer Aktienkurse ihre Talfahrt zunächst fort. Der Swiss Market Index (SMI) brach zur Handelseröffnung um 4,6 Prozent ein und fiel unter die 7.000-Punkte-Marke. Es folgte eine Berg- und Talfahrt des SMI in einer Spannweite von 6.950,91 bis 7.534,53 Punkten, zwischen Panik über eine sich abzeichnete Rezession und der Hoffnung, dass es doch nicht soweit kommt.

Bei Handelsschluss lag der Blue-Chips-Index bei 7.487,92 Punkten und damit 2,8 Prozent im Plus. Die am Vortag arg gebeutelten Finanzwerte zogen zum Teil mächtig an, so etwa UBS um 9,2 Credit Suisse um sechs und Swiss Re um 7,12 Prozent. Swatch legte um 6,2, Richemont um 5,2 Prozent zu. In den roten Zahlen bewegen sich einzig Novartis mit minus 1,1 und Swisscom mit minus 1,2 Prozent.

Der überraschende Zinsschnitt der US-Notenbank (Fed) um 0,75 Prozentpunkte liess die Kurse am Nachmittag an den europäischen Aktienmärkten vorübergehend kräftig anziehen. Die Euphorie verhallte jedoch bald. Der deutsche Aktienindex DAX beendete den Handelstag nach einer Achterbahnfahrt bei 6.769,47 Punkten und damit 0,31 Prozent im Minus. Paris, London und Mailand konnten dagegen um Teil markant zulegen.

Es war das erste Mal seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001, dass das Fed den Leitzins zwischen zwei turnusmässigen Sitzungen senkte. Es war der grösste Zinsschritt seit Dezember 1991. Die kanadische Notenbank folgte und senkte die Zinsen um 25 Basispunkte.

Die Wall Street brach trotz des Zinsschritts zu Handelsbeginn um 450 Punkte ein, erholte sich dann und lag am Vormittag (Ortszeit) bei 11.944 Punkten (minus 154 Punkte).

Die Vorgaben aus Asien für den europäischen Handel waren teils katastrophal. Der Nikkei-Index in Japan schloss mit einem Minus von 5,7 Prozent auf 12.573,05 Zähler. Das war der heftigste Rückgang in fast zehn Jahren. Auch in Australien, Hongkong, Südkorea, Singapur, Taiwan, Indonesien, den Philippinen sowie Neuseeland gab es kräftige Abschläge. Der Börsenhandel in Indien wurde nach einem Kurssturz von 9,75 Prozent vorübergehend gestoppt.

Die schwachen Weltbörsen ziehen den Ölpreis immer weiter in die Tiefe: Am Dienstag kostete ein Barrel (159 Liter) Rohöl in New York zeitweise nur noch 86,11 Dollar.

Die Schweizerische Nationalbank sieht trotz des Kurssturzes an den Aktienmärkten vorerst keine Rezessionsgefahr für die Schweiz. Allerdings seien die Risiken gestiegen, und dem Bankensektor stünden weitere Abschreibungen bevor, sagte Direktoriumsmitglied Thomas Jordan. Auch Finanzminister Hans-Rudolf Merz zeigte sich zuversichtlich und sprach von einer robusten Situation. Der Basler Konjunkturforscher Christoph Koellreuter rechnet für die Schweiz wegen der Finanzkrise im schlimmsten Fall mit einer Wachstumseinbusse von rund einem Prozentpunkt. (dapd)

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