Aktualisiert 15.05.2007 20:58

Börsenplatz Schweiz bündelt die Kräfte

Der Börsenplatz Schweiz reagiert auf die weltweit laufende Branchenkonsolidierung. Der Schweizer Börse SWX sollen die Abwicklungsgesellschaft SIS und der Finanzdienstleister Telekurs einverleibt werden.

Nun also doch: Nach jahrelanger Diskussion haben sich die Schweizer Börse SWX, der Finanzdienstleister Telekurs und die Abwicklungsgesellschaft SIS zur Fusion durchgerungen. Damit wollen sie sich gegen die Umwälzungen in der Branche wappnen.

Ausgangspunkt des Zusammenschlusses sei der Wettbewerb der Finanzplätze, sagte SWX-Verwaltungsratspräsident Peter Gomez am Dienstag vor den Medien in Zürich. Der Druck auf den Schweizer Finanzplatz habe zugenommen. Denn der Wettbewerb beschleunige sich.

In den letzten Monaten hatten sich die Ereignisse auf dem internationalen Börsenparkett überschlagen. So hatten sich die New Yorker Wallstreet und die Vierländerbörse Euronext zusammengeschlossen. Zudem tobt um die Chicagoer Terminbörse (CBOT) ein Bieterkampf.

Derweil will die weltgrösste Terminbörse Eurex - die gemeinsame Derivatetochter der Schweizer Börse SWX und der Deutschen Börse - die US-Optionsbörse ISE für 2,8 Mrd. Dollar kaufen.

Überdies kündigten sieben Grossbanken die Gründung einer eigenen Aktienbörse im November an und blasen damit zum Angriff auf die etablierten Handelsplätze. Beteiligt an dem Projekt mit Namen «Turquoise» sind die UBS, Credit Suisse, Citigroup, die Deutsche Bank, Goldman Sachs, Merrill Lynch und Morgan Stanley.

Schwarze Wolken

«Wenn wir die Herausforderungen anschauen, sehen wir verschiedene schwarze Wolken am Horizont», sagte Gomez. Der Börsenhandel und das Abwicklungsgeschäft werde aufgrund der Skalen- oder Kostenvorteile bestehender oder neuer Plattformen bedroht. Zudem sei das Finanzdatengeschäft durch die Grössenvorteile internationaler Konkurrenz in Gefahr.

Auch die Anforderungen an die technische Infrastruktur würden steigen und die regulatorischen Bestimmungen immer komplexer. Zudem änderten sich die Bedürfnisse der Kunden schnell.

Den Zusammenschluss machten die Schweizer Börse, SIS und Telekurs aus einer Position der Stärke. Alle drei Unternehmen hätten im vergangenen Jahr Rekordresultate erzielt, sagte Gomez.

«Wir wollen unsere Wettbewerbsfähigkeit stärken, handlungsfähig sein und auch ein gewisses Gewicht im internationalen Vergleich haben», sagte Gomez weiter. Gemeinsam entstehe aus den drei Firmen eine Schweizer Finanzmarktholding mit 1,3 Mrd. Fr. Umsatz und 3000 Mitarbeitern in 16 Ländern.

Die bisherigen Aktivitäten würden bis Anfang 2008 unter einem Dach zusammengefasst, innerhalb des Unternehmens behielten die Geschäftsbereiche aber ihre eigenständige unternehmerische Verantwortung. So sei man auch weiterhin offen für internationale Partnerschaften.

Auflösung des SWX-Vereins

Im Zuge der Fusion soll der Verein, dem die SWX gehört, aufgelöst werden. Dazu ist die Zustimmung von mindestens drei Viertel der Mitgliedsbanken nötig. Die Banken, die schon Besitzer von SWX, SIS und Telekurs sind, sollen auch die Aktionäre der neuen Dachholding werden. Ein Drittel hielten die Grossbanken UBS und CS, der Rest verteile sich auf die übrigen Nutzer.

Einer Fusion mit einer ausländischen Börse erteilte Gomez eine Absage. Auch Investoren, die aufs schnelle Geld aus seien, wolle die neue Gruppe nicht.

In den kommenden Monaten werde die Struktur der neuen Unternehmensgruppe entwickelt. Verwaltungsratspräsident soll Peter Gomez werden. Wer die Geschäftsleitung übernimmt, steht noch nicht fest. Da sich SWX, SIS und Telekurs ergänzten, werde es keinen nennenswerten Abbau von Arbeitsplätzen geben. (sda)

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.