Aktualisiert 14.11.2011 15:23

Machtwechsel in ItalienBörsianer feiern Berlusconis Abgang

Die italienische Börse begrüsst den Rücktritt von Silvio Berlusconi: Der Leitindex stieg um 1,59 Prozent. Wenig Erfreuliches gibts von der Zinsfront. Rom muss Rekordzinsen zahlen.

von
sas
Ciao, Ciao Silvio - die Börsianer freuts.

Ciao, Ciao Silvio - die Börsianer freuts.

Die Börsianer in Mailand haben den Rücktritt des italienischen Ministerpräsidenten Berlusconi sowie die Ernennung von Mario Monti zum neuen Regierungschef mit Wohlwollen aufgenommen. Am ersten Handelstag nach der Ernennung des ehemaligen EU-Kommissars Monti zum neuen italienischen Regierungschef ist der Mailänder Leitindex FTSE-MIB nach Eröffnung um 1,59 Prozent gestiegen.

Wenig Erfreuliches gibt es zudem von der Zinsfront. Italien muss den Investoren für fünfjährige Staatsanleihen Rekordzinsen zahlen. Das Land platzierte am Montag Staatsanleihen im Volumen von drei Milliarden Euro. Für die Papiere wird eine Rendite von 6,29 Prozent fällig.

Derart hohe Zinsen für diese Papiere musste das Land den Anlegern seit Einführung des Euro noch nicht zahlen. Zum Vergleich: Mitte Oktober wurden bei einer vergleichbaren Auktion lediglich 5,3 Prozent fällig.

Zinsen für alte Staatsanleihen sinken

Nach einem vorübergehenden Hoch in der vergangenen Woche sind dafür die Zinsen für existierende italienische Staatsanleihen wieder gesunken. Für zehnjährige Anleihen betrugen die Zinsen am Montag 6,4 Prozent. Vor Berlusconis Rücktritt waren die Zinskosten in der vergangenen Woche auf Werte deutlich über der gefährlichen Schwelle von 7 Prozent gestiegen.

Wegen wachsender Zweifel an der Reformpolitik war Italien zuletzt verstärkt ins Visier der Finanzmärkte geraten. Das Land will unter dem neuen Ministerpräsidenten und früheren EU-Kommissar Mario Monti einen politischen Neuanfang nach der Ära Berlusconi wagen.

Bis Ende Jahr beabsichtigt Italien Anleihen im Wert von rund 60 Milliarden Euro am Markt zu platzieren. Bis Oktober 2012 sind es sogar 326 Milliarden.

Verhaltene europäische Börsen

Leicht aufwärts ging es auch an den Börsen in Frankfurt, Paris und in Zürich. Der Schweizer Leitindex SMI notierte um 10 Uhr um 0,4 Prozent höher bei 5670 Punkten. Händler sagten, die Hoffnung, dass die Regierungswechsel in Italien und Griechenland zu politischen Reformen führten, sorge für Anschlusskäufe. Andere Markteilnehmer warnten gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters vor zu viel Optimismus. «Wir haben politische Börsen und die sind immer unberechenbar.»

Der Deutsche Aktienindex DAX öffnete zunächst mit 0,66 Prozent im Plus bei 6097,27 Punkten. Die Pariser Börse notierte kurz nach dem Start mit 0,64 Prozent über dem Schlusskurs vom Freitag.

Die Hoffnung auf eine Eindämmung der Schuldenkrise hat den Euro gegenüber dem Franken aber nicht gestärkt. Die Gemeinschaftswährung wird aktuell zu 1,2385 Franken gehandelt und ist damit ähnlich stark wie am Freitag.

(sas/sda/dapd)

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