Bohlens «DSDS»-Kommentare sind Kunst
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Bohlens «DSDS»-Kommentare sind Kunst

Es ist offiziell: Dieter Bohlens Kommentare in der RTL-Show «Deutschland sucht den Superstar» sind Kunst. Ergo muss RTL nachträglich 173 000 Euro Abgaben an die Künstlersozialkasse zahlen.

Das hat das Sozialgericht Köln am Montag festgestellt und entschieden, dass RTL für die Jury-Mitglieder nachträglich 173 000 Euro Abgaben an die Künstlersozialkasse zahlen muss. Die Jury-Kommentare hätten eine freie schöpferische Gestaltung erkennen lassen und zum Unterhaltungscharakter der Show beigetragen, erklärte der Vorsitzende Richter Dieter Volk.

RTL hatte gegen den Beitragsbescheid der KSK für die Jahre 2002 bis 2005 geklagt. Der Sender argumentierte, die Jury aus Bohlen, Musikproduzent Thomas Stein, Radiomoderator Thomas Bug und Musikjournalistin Shona Fraser sei nicht künstlerisch tätig gewesen. Das Gericht wies die Klage des Senders nun jedoch ab. Dass Bohlen ein Künstler sei, bekomme er jetzt schriftlich, sagte Volk. Die Jury habe die Kandidaten spontan und mit möglichst unterhaltsamen Formulierungen bewerten müssen, auf das künstlerische Niveau komme es dabei nicht an, erklärte der Richter.

Er liess am Montag im Gerichtssaal Ausschnitte aus der erfolgreichen Casting-Show zeigen. Darin gibt Bohlen typische Kommentare ab wie: «Die Stimme klingt wie Kermit, wenn man hinten drauf tritt.» Einer Kandidatin bescheinigte er, sie stehe unter Druck wie «eine Nuss im Knacker». Im Kern der Verhandlung stand Volk zufolge die Frage nach dem Kunstverständnis, das sich im Laufe der Zeit gewandelt habe. Der Vorsitzende Richter nannte als Beispiel Aktionskünstler, die die Grenzen der herkömmlichen Kunstgattungen sprengen: «Die Kunst ist aus diesen Käfigen ausgebrochen.» Daher interessiere das Gericht der eigenständige Anteil, den die Juroren bei «Deutschland sucht den Superstar» eingebracht hätten. Schon ein sehr geringer Grad der schöpferischen Eigenleistung reiche aus, um eine Tätigkeit als künstlerisch einzustufen.

Der Anwalt von RTL, Martin Reufels, hatte argumentiert, die Juroren leisteten zwar einen Beitrag zum Unterhaltungscharakter der Show, brächten aber keine eigene künstlerische Leistung. «Sie beschränken sich darauf, die künstlerischen Leistungen der anderen zu bewerten.» Alle Jury-Mitglieder seien Experten in ihrem Bereich und würden als solche befragt. Der Anwalt der Künstlersozialkasse, Denis Kross, hielt dem entgegen, die pointierten Dialoge der Jury mit den Kandidaten seien gewünscht und trügen zum Erfolg der Show bei. Dem folgte das Gericht in seinem Urteil.

Die KSK bietet Künstlern soziale Absicherung für das Alter sowie gegen Krankheit und Pflegebedürftigkeit. Sie finanziert sich aus Mitgliedsbeiträgen, Zuschüssen des Bundes und Pflichtabgaben der Unternehmen, die künstlerische Beträge verwerten. Nach einer Betriebsprüfung bei RTL hatte die KSK 173 000 Euro Abgaben für die Honorare der Jury-Mitglieder gefordert. (dapd)

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