Aktualisiert 08.12.2008 16:46

Sommer 2006Bolivianerin wegen Tötung von Mitbewohnerin vor Gericht

In Bern hat am Montagmorgen der Prozess gegen eine 22- jährige Bolivianerin begonnen, die dringend verdächtigt wird, im Sommer 2006 in Bern eine 41-jährige Mitbewohnerin aus der Dominikanischen Republik erstochen zu haben.

Die geständige Angeklagte hat dem Opfer nach Angaben des Gerichts 13 Stichverletzungen im Brustbereich zugefügt. Diese führten zum Tod durch Verbluten. Sie konnte nach der Tat fliehen und wurde Ende Januar 2007 in Mailand festgenommen. Zwei Monate später erfolgte die Auslieferung an die Schweiz.

In der Verhandlung differierten die Versionen zum Tathergang zwischen der Angeklagten und dem Experten des Instituts für Rechtsmedizin (IRM) stark. Für den Experten steht fest, dass das Opfer zum Zeitpunkt, als die Stiche zugefügt wurden, wehrlos, weil bewusstlos, war.

Die der vorsätzlichen Tötung Angeklagte sagte demgegenüber aus, das Opfer habe sie derart beleidigt, dass sie «ausser sich» geraten sei. Nach einem Schlag auf den Kopf, um sie zum Schweigen zu bringen, sei das Opfer nur noch aggressiver geworden. Als sie zugestochen habe, seien sie sich gegenübergestanden.

Laut dem Experten kann dies nicht stimmen. Die Stiche seien alle in der Richtung gleich geführt worden: «Das deutet klar auf ein adynamisches Geschehen hin». Von keiner Seite bestritten ist, dass in der Tatnacht Alkohol - auf beiden Seiten - und andere Drogen eine grosse Rolle gespielt haben.

Angestachelt durch Drohungen

Das spätere Opfer habe sie aus der gemeinsamen Wohnung schmeissen wollen und ihr gedroht, sie bei der Polizei wegen Schwarzarbeit zu verpfeifen. Ein gemeinsamer Bekannter, der in der Tatnacht zweimal in der Wohnung war, bestätigte, dass sich die beiden temperamentvollen Frauen intensiv stritten.

Solange er da war, sei es bei einer verbalen Auseinandersetzung geblieben, sagte der Mann als Zeuge aus. Die Angeklagte, mit der er Zärtlichkeiten ausgetauscht habe, wäre gerne zu ihm nach Hause gekommen, was er «wegen ihrer Verfassung» abgelehnt habe. Die Angeklagte bestritt diese Darstellung.

An der Verhandlung nehmen der Ehemann der Verstorbenen, ihre Schwester sowie ihre zwei Kinder als Privatkläger teil.

Für die Präsidentin des Kreisgerichts Bern-Laupen spricht einiges dafür, dass die Angeklagte das wahre Tatgeschehen verdrängt. Sie habe mehrfach widersprüchliche Angaben zum Alkohol-, Kokain- und Medikamentenkonsum gemacht. Das Urteil ist für Freitag vorgesehen. (sda)

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