Nach Raub : Bolivien fordert von Bern heilige Statue zurück
Aktualisiert

Nach Raub Bolivien fordert von Bern heilige Statue zurück

Ein Glarner Forscher raubte bolivianischen Indianern 1858 eine heilige Statue. Heute steht sie im Historischen Museum in Bern – Boliviens Aussenminister soll sie jetzt zurückholen.

von
Alexandra Graber
Der Raub der Statue «Illa del Ekeko» erhitzte in Bolivien die Gemüter.

Der Raub der Statue «Illa del Ekeko» erhitzte in Bolivien die Gemüter.

Vor rund 155 Jahren hat der Glarner Wissenschaftler und Diplomat Johann Jakob von Tschudi indigenen Einwohnern Boliviens die Statue der Gottheit Illa del Ekeko geraubt. Die mehrere tausend Jahre alte Figur ist für diese Völker von enormer kultureller und spiritueller Bedeutung und soll für Glück, Wohlstand und Fruchtbarkeit stehen. Nach dem Tod von Tschudis vermachte sein Enkel die Statue 1929 dem Bernischen Historischen Museum (BHM) – dort ist sie heute in einer Dauerausstellung zu sehen. Gemäss der «Schweiz am Sonntag» entdeckte die bolivianische Botschafterin Elizabeth Salguero Carrillo die Figur vor rund zwei Jahren bei einem Besuch im besagten Museum.

Rückforderung wird zur Chefsache

Seit der Entdeckung Salgueros bemühte sich der Staat Bolivien beim BHM darum, dass die 15,5 Zentimeter hohe Figur als nationales Kulturerbe Boliviens den indigenen Völker zurückgegeben wird – bisher erfolglos. Bereits im Januar war eine hochrangige Delegation aus Bolivien angereist und erbat die Rückgabe – vergeblich. Selbst ein Gebet vor dem Museum fruchtete damals nicht.

Jetzt will sich der bolivianische Aussenminister David Choquehuanca persönlich um die Rückgabe der Statue beim Bundesrat bemühen. Am Freitag kommt er nach Bern, wobei er auch dem Historischen Museum einen Besuch abstatten wird. Choquehuanca ist selber Indígena des Aymara Volkes und kennt die hochrangige Bedeutung der Figur. «Für die bolivianische Regierung und das Volk hat die Rückführung des Ekeko enorme Bedeutung - auch für Präsident Evo Morales», so ein Regierungsvertreter gegenüber dem «SonntagsBlick».

Mit Alkohol überzeugt

Angeblich sollen von Tschudi und seine Begleiter bolivianische Indianer beim Titicacasee vor rund 155 Jahren unter fragwürdigen Bedingungen zur Herausgabe der Statue verlockt haben, indem sie die Indios mit einer Flasche Cognac gefügig machten. Nun will Choquehuanca bei seinem Besuch in Bern belegen, dass die Statue entführt wurde und somit nicht in rechtsmässigen Besitz des Bernischen Historischen Museums sei.

Der Schweizer Filmproduzent Peter Spoerri wird die Geschichte des seit kurzem aufgeflackerten Konfliktes als Dokumentarfilm festhalten, wie das Filmbüro in einer Mitteilung verkündete.

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