Boliviens Präsident tritt nach Protesten zurück
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Boliviens Präsident tritt nach Protesten zurück

Angesichts gewaltsamer Unruhen und einer tiefen politischen und sozialen Krise hat der bolivianische Präsident Carlos Mesa seinen Rücktritt erklärt.

Er berief für Dienstag einen ausserordentlichen Kongress ein, der über die weiteren Massnahmen befinden sollte. Er selbst werde im Amt bleiben, bis ein Nachfolger gewählt sei, betonte Mesa in einer Fernsehansprache an die Nation.

Zuvor hatten erneut Zehntausende den Präsidentenpalast im Regierungsviertel in La Paz belagert und die Verstaatlichung des Energiesektors gefordert. 26 Menschen wurden festgenommen, als sie versuchten, die Polizeisperren zu durchbrechen und in das Gebäude zu gelangen.

Mesas schärfster politischer Gegner, der Chef der Bewegung zum Sozialismus, Evo Morales, erklärte, der Rücktritt von Mesa sei nicht die Lösung. Er forderte die Einberufung einer Verfassung gebenden Versammlung und Neuwahlen, die vom Präsidenten des Obersten Gerichts angesetzt werden müssten.

Bolivien befindet sich wegen des erbitterten Konflikts um seine Rohstoffreserven seit Monaten in einer schweren Krise. Seit der Privatisierung des bolivianischen Rohstoffsektors 1996 haben in dem südamerikanischen Land 26 ausländische Konzerne die Öl- und Gasförderung aufgenommen.

Der Andenstaat verfügt nach Venezuela über die zweitgrössten Gasreserven Südamerikas und ist zugleich das ärmste Land des Kontinents. Bolivien ist gespalten zwischen den reichen Regionen mit ihren Rohstoffvorkommen und erfolgreicher Vieh- und Landwirtschaft sowie den fünf armen Andenregionen.

(sda)

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