Tourismus: Bollywood-Kulisse verliert Anziehungskraft
Aktualisiert

TourismusBollywood-Kulisse verliert Anziehungskraft

Die Schweiz ist ein beliebtes Ferienziel der Inder, jedes Jahr nehmen die Buchungen zu. Nun brechen die Zahlen wegen der Finanzkrise ein - mit einer Ausnahme.

von
Andrea Löpfe

Die Zahlen sind ernüchternd: 14,7 Prozent weniger Logiernächte von indischen Touristen zählte Schweiz Tourismus von Januar bis Ende April 2009. Nach zehn Jahren des Wachstums sind die Buchungen nun erstmals stark rückläufig. Rund 326 000 Buchungen generierte die aufstrebende Wirtschaftsmacht letztes Jahr, knapp dreimal mehr als noch vor zehn Jahren. Schweiz Tourismus sieht langfristig ein überproportionales Wachstumspotenzial in dieser Region. Umso stärker trifft sie nun der Einbruch.

Starker Franken hält Touristen fern

Den Grund des Rückgangs sieht Schweiz Tourismus in der Finanzkrise. Die Anzahl Logiernächte hängt aber nicht nur von der Wirtschaftslage ab, sagt Edith Zweifel von Schweiz Tourismus gegenüber 20 Minuten Online: «Entscheidend ist auch, ob Direktflüge angeboten werden und wie der Wechselkurs des Frankens im Vergleich zum Dollar und Euro ist.» Das Verhältnis ist derzeit wegen dem starken Franken ungünstig. Doch man hofft auf bessere Zeiten: «Sobald sich die Konsumentenstimmung in Indien verbessert, ist auch wieder mit einer steigenden Anzahl von Logiernächten zu rechnen.»

Die Hoffnungen auf Besserung ruhen auf dem Bollywoodeffekt. Jedes Jahr werden 15 bis 18 indische Filme vor dem Schweizer Bergpanorama gedreht. Das idealisierte und mit Klischees behaftete Bild der Schweiz wird so in die indischen Kinos getragen - und lockt die Inder in die Schweizer Bergluft.

Engelberg als Paris der Inder

Darauf will sich Engelberg allerdings nicht verlassen. Dem positiven Bild der Schweiz hilft die Bergbahn Titlis-Rotair nach. «In Indien investieren wir schon seit zehn Jahren in die Marke Engelberg-Titlis», sagt André Küttel von den Bergbahnen Titlis-Rotair. Mit Erfolg. Laut Engelberg Tourismus konnte bis Ende April sogar ein leichter Anstieg gegenüber dem Vorjahr verbucht werden. Die guten Zahlen sind laut Küttel die Folge der kontinuierlichen Werbekampagnen in Indien. «Nach Engelberg auf den Titlis zu gehen ist für Inder so wichtig wie für uns, in Paris den Eiffelturm zu besuchen.»

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