15.07.2020 19:44

Isoliert in einem ZimmerBolsonaro hat genug von der «unerträglichen» Quarantäne

Er verbringt die Tage alleine, darf nicht einmal spazieren gehen – und wenn er mal rausgeht, wird er von einem Vogel gebissen: Der mit dem Coronavirus infizierte Präsident Brasiliens erzählt, wie er seine «furchtbare» Isolation erlebt.

von
Karin Leuthold
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Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro ist in Quarantäne.

Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro ist in Quarantäne.

KEYSTONE
Am 7. Juli hatte Bolsonaro mitgeteilt, sich mit dem Coronavirus angesteckt zu haben.

Am 7. Juli hatte Bolsonaro mitgeteilt, sich mit dem Coronavirus angesteckt zu haben.

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Seither verbringt er die Tage in der offiziellen Residenz in der Hauptstadt Brasilia – alleine in einem Zimmer.

Seither verbringt er die Tage in der offiziellen Residenz in der Hauptstadt Brasilia – alleine in einem Zimmer.

KEYSTONE

Darum gehts

  • Am 7. Juli gab Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro bekannt, dass er mit dem Coronavirus infiziert ist.
  • Seither ist er in der Präsidenten-Residenz in der Hauptstadt Brasilia in Quarantäne.
  • Den ganzen Tag drinnen zu verbringen, bezeichnet Bolsonaro als «unterträglich».

Der brasilianische Präsident Jair Bolsonaro fühlt sich trotz seiner Coronavirus-Infektion «sehr gut». Er habe sich am Dienstag erneut testen lassen, kündigte er an. Sobald der Test negativ auf das Virus ausfalle, werde er seine Arbeit wieder aufnehmen, meinte er hoffnungsvoll.

Damit wird es sich allerdings gedulden müssen: Laut CNN Brasil ist das Resultat erneut positiv. Der Sender berief sich am Mittwochabend auf eigene Angaben des Staatsoberhaupts. Bolsonaro will nun in einigen Tagen einen weiteren Test vornehmen lassen.

«Nur die ersten paar Tage waren schlimm»

Seit er seine Erkrankung vergangenen Dienstag bekannt machte, hat sich Bolsonaro in einem Zimmer seiner offiziellen Residenz in Brasília isoliert. Die Regierungsgeschäfte führt er über Videoschaltung. «Wir tun unser Bestes, damit sich in diesen Tagen, in denen ich hier im Alvorada-Palast bin, die Dinge nicht anhäufen», sagte Bolsonaro.

Im Gespräch mit «CNN Brasil» sagte der 65-Jährige, dass er sich weder ausser Atem fühle noch seinen Geschmackssinn verloren habe. «Nur die ersten paar Tage waren schlimm», sagte er. Da habe er 38 Grad Fieber gehabt, sich unwohl gefühlt. Ausserdem sei er sehr müde gewesen und habe Schmerzen hinter den Augen verspürt.

Er hat schon genug von der Quarantäne

Doch Homeoffice sei nichts für ihn, gab er zu. «Ich kann diese Routine, drinnen zu bleiben, nicht ertragen. Es ist schrecklich.» Zudem sei er immer alleine in seinem Zimmer. Der Raum sei zwar ziemlich gross, sagte er, aber er sei darin furchtbar gelangweilt. Er würde gerne spazieren gehen, aber seine Ärzte hätten ihm empfohlen, es nicht zu tun.

Nach draussen geht er dennoch, wie Bilder auf Social Media zeigen. Immerhin mit Mundschutz. Am Montag telefonierte er vor dem Alvorada-Palast und fütterte gleichzeitig eine Gruppe Nandus. Wie das brasilianische Portal «Metrópoles» berichtet, biss dabei einer der Vögel Bolsonaros Hand.

Bei seinen politischen Gegnern sorgte der Vorfall für Gelächter. Margarida Salomão, Abgeordnete der brasilianischen Arbeiterpartei twitterte: «Dieser Nandu repräsentiert uns.»

Mehr als 74’000 Tote in Brasilien

Wegen seines laxen Umgangs mit der Pandemie steht Bolsonaro schon seit langem in der Kritik. Er bezeichnete die Lungenkrankheit Covid-19 immer wieder als «leichte Grippe» und stemmte sich gegen Schutzmassnahmen. So zeigte er sich häufig ohne Mundschutz in der Öffentlichkeit, löste Massenaufläufe aus und machte Selfies mit Anhängern.

Am Mittwoch meldete das Gesundheitsministerium 41’857 Neuinfektionen. Damit steigt die Gesamtzahl der Ansteckungen im Land auf 1,926 Millionen. Die Zahl der Todesfälle legte binnen 24 Stunden um 1300 auf 74’133 zu. Brasilien weist in der Coronavirus-Pandemie nach den USA weltweit die meisten Infektionen und Todesfälle auf.

Seine Erkrankung könnte ihm politisch nützen

Seine eigene Erkrankung könnte Bolsonaro jedoch politisch sogar nützen. Nimmt sie bei ihm einen leichten Verlauf – wie das offenbar der Fall ist –, dürfte er sich nach eigenen Aussagen als lebenden Beweis inszenieren, dass das Virus nicht besonders gefährlich sei. Aber auch wenn es ihn heftiger erwischt hätte, hätte er wohl auf Solidarität und Mitgefühl gesetzt.

Zuletzt lief es für den Rechtspopulisten auch abseits der Gesundheitspolitik nicht so richtig rund. Sein Kabinett versinkt immer mehr im Chaos, die Justiz ermittelt wegen Korruption, der Verbreitung von Fake News und Kontakten zu kriminellen Milizen gegen sein direktes Umfeld und fährt ihm immer wieder in die Parade.

Kein Hilfspaket in der Corona-Krise

Kein Kurswechsel trotz Corona-Diagnose: Der brasilianische Präsident Jair Bolsonaro hat als erste Amtshandlung nach seinem positiven Corona-Test sein Veto gegen ein Hilfspaket für Indigene und Afrobrasilianer während der Pandemie eingelegt.

Mit der Unterschrift stoppte der rechte Staatschef letzten Mittwoch vorläufig ein Gesetz, das die Behörden verpflichten würde, Ureinwohnern und Schwarzen Zugang zu Trinkwasser, Desinfektionsmitteln und ärztlicher Versorgung zu garantieren.

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8 Kommentare
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tom

16.07.2020, 07:44

Es muss schlimm sein in einer Prachtsvilla eingesperrt zu sein und sich nur von Koks, Kaviar und champagner zu ernähren...

Momo2020

16.07.2020, 06:50

Schade ist es nur eine leichte Infektion . Hätte ihm die volle Ladung gewünscht das er sieht und merkt was Covid-19 wirklich bedeutet.

Nettli

16.07.2020, 06:24

Er hat genug von der Quarantäne.. Geht wohl allen gleich. Oder hat er das Gefühl, er sei der einzige Mensch auf diesem Planet der das durchstehen muss.