Krieg in Libyen: Bombardement zerstört ein Gebäude Gaddafis
Aktualisiert

Krieg in LibyenBombardement zerstört ein Gebäude Gaddafis

Die Schlinge um Libyens Machthaber Gaddafi zieht sich immer mehr zu: Die Luftangriffe der Alliierten haben einen Teil seines Wohnkomplexes in Schutt und Asche gelegt.

Die Lage am Sonntagmorgen:

Ziele der Attacken, die auch in der Nacht auf Sonntag anhielten, waren offiziellen Angaben zufolge Flugabwehrstellungen und andere militärische Einrichtungen an der Mittelmeerküste des nordafrikanischen Landes. Während ein US-Militärsprecher mitteilte, die Wirkung der ersten Angriffe könne zunächst nicht exakt festgestellt werden, meldete das libysche Staatsfernsehen 48 Tote und 150 Verletzte. Es berief sich auf das libysche Oberkommando; die Angaben konnten nicht unabhängig bestätigt werden. Aus dem US-Verteidigungsministerium verlautete, man sei zuversichtlich, dass die libysche Flugabwehr von der ersten Welle schwer getroffen worden sei. In der Nacht zum Sonntag war in Tripolis das Feuer von Flugabwehrgeschützen zu hören.

Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) teilte in einer Erklärung mit, es sei über die Sicherheit der Zivilbevölkerung «tief besorgt». Es rief alle Kriegsparteien auf, sich an das internationale humanitäre Recht zu halten, indem man zwischen Zivilbevölkerung und Kampfeinheiten unterscheide und humanitären Organisationen sicheren Zugang gewähre.

Die ersten Luftangriffe wurden von 20 französischen Kampfflugzeugen geflogen, die nach Angaben des französischen Militärsprechers Thierry Burkhard alle sicher zu ihren Stützpunkten zurückkehrten. Danach feuerten amerikanische und britische Kriegsschiffe im Mittelmeer 112 Tomahawk-Marschflugkörper ab. Der britische Generalmajor John Lorimer sagte, auch britische Kampfflugzeuge seien im Einsatz gewesen.

US-Vizeadmiral William Gortney sagte vor Journalisten im Pentagon, dies sei die erste Phase zur Durchsetzung der vom UN-Sicherheitsrat autorisierten Flugverbotszone in Libyen, mit der Gaddafi an Angriffen auf die eigene Bevölkerung gehindert werden solle. Die Militäraktion habe zwei Ziele: Angriffe der Gaddafi-Truppen auf Rebellen zu unterbinden und die Fähigkeit der libyschen Streitkräfte zu mindern, sich gegen die Flugverbotszone zu wehren.

Einhelliges Votum für Militäraktion auf Pariser Gipfel

Zuvor hatten auf französische Initiative an einem Libyen-Gipfel in Paris ranghohe Regierungsvertreter von 22 Staaten teilgenommen, darunter auch Bundeskanzlerin Angela Merkel und Gesandte aus arabischen Staaten. Der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy teilte mit, alle hätten darin übereingestimmt, dass alles dafür getan werden müsse, die Flugverbotszone und einen Waffenstillstand durchzusetzen. Am Samstag wurden vor allem Kämpfe aus der ostlibyschen Rebellenhochburg Bengasi gemeldet.

US-Präsident Barack Obama erklärte zum Beginn der Kampfhandlungen bei seinem Besuch in Brasilien, diese Entwicklung hätten sich weder die USA noch ihre Verbündeten gewünscht. «Wir können nicht tatenlos zusehen, wenn ein Tyrann seinem Volk sagt, er werde keine Gnade walten lassen», sagte Obama.

Die Massnahmen seien «notwendig, rechtmässig und gerecht», sagte der britische Premierminister David Cameron. Seine Gedanken seien bei den Militärangehörigen, die ihr Leben aufs Spiel setzten, um andere zu retten.

Die «Odyssee Dawn» genannte Militäraktion gegen Libyen ist die grösste internationale Intervention in einem Staat seit dem Irak-Krieg. Sie unterstützt eine Rebellenbewegung, die nach anfänglichen Erfolgen am Rande einer Niederlage gegen Gaddafis Truppen stand.

Gaddafi verurteilt «Aggression von Kreuzzüglern»

Gaddafi verurteilte die alliierten Angriffe scharf als «Aggression von Kreuzzüglern», gegen die sich sein Land verteidigen werde. Die Angriffe internationaler Truppen seien ungerechtfertigt und könnten einen umfassenden Krieg auslösen, der die Zivilbevölkerung im Mittelmeerraum und Nordafrika gefährde. Er werde Waffenlager öffnen, damit sich libysche Bürger bewaffnen könnten. Tausende Libyer versammelten sich unterdessen im Militärlager Bab al Asisija in Tripolis, in dem Gaddafi mit seiner Familie residiert, um den Machthaber als sogenannt menschliche Schutzschilde vor Luftangriffen zu schützen. (dapd)

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