Anschläge im Irak: Bomben reissen Pilger in den Tod
Aktualisiert

Anschläge im IrakBomben reissen Pilger in den Tod

Eine Welle der Gewalt rollt über die irakische Hauptstadt Bagdad. Nach der Serie von blutigen Anschlägen hat sich die Zahl der Toten auf 87 erhöht. Viele waren schiitische Pilger.

Aufräumarbeiten nach einem der Bombenanschläge in Bagdad am 5. Januar 2012.

Aufräumarbeiten nach einem der Bombenanschläge in Bagdad am 5. Januar 2012.

Nach den blutigen Anschlägen auf Schiiten im Irak am Donnerstag ist die Zahl der Toten auf insgesamt 87 gestiegen. Polizisten, lokale Medien und Ärzte berichteten am Freitag, mehrere der bei den Anschlägen Verletzten seien im Spital gestorben.

Terroristen hatten am Donnerstag in Bagdad und in der südlichen Ortschaft Al-Batha schiitische Pilger und andere Zivilisten angegriffen. Zunächst war von insgesamt 69 Toten die Rede gewesen.

Ausserdem verzeichnete die Polizei am späten Donnerstagabend noch einen weiteren Anschlag auf schiitische Pilger in der nördlichen Provinz Ninive. Nach Informationen der Nachrichtenagentur Aswat al-Irak starb ein Kleinkind, als ein Sprengsatz neben einem Bus mit Pilgern detonierte, der auf dem Weg in die Stadt Kerbela war.

Nach Informationen der Agentur Sumeria News wurden am Freitag in Bagdads südlichem Vorort Al-Dura sieben Pilger, die zu Fuss nach Kerbela marschieren wollten, bei der Detonation eines Sprengsatzes verletzt. In Kerbela wird kommende Woche ein schiitischer Feiertag begangen.

In der Stadt Mossul starben durch einen Anschlag auf eine Polizeipatrouille am Freitag zwei Polizisten und zwei Zivilisten. Die Polizei berichtete, Unbekannte hätten einen Sprengsatz neben der Patrouille gezündet.

Der Nachrichtensender Al-Arabija meldete, in der Nähe der sogenannten Grünen Zone, in der das Parlament liegt, seien am Freitag fünf Raketen eingeschlagen. In Bagdad fand am Freitag die grösste Militärparade seit dem Ende der Ära von Präsident Saddam Hussein statt.

«Religiöse Zwietracht säen»

Die Anschläge hätten darauf abgezielt, «religiöse Zwietracht zwischen den Irakern zu säen», sagte der Militärsprecher Kassim al-Mussawi in Bagdad. Zunächst bekannte sich niemand zu den offenbar koordinierten Bluttaten. Diese trugen jedoch die Handschrift sunnitischer Aufständischer, die mit der Al-Kaida in Verbindung stehen.

Tödlichste Anschläge seit 22. Dezember

Der Anschlag im Süden des Landes richtete sich nach Angaben der Behörden gegen schiitische Pilger, die auf dem Weg nach Kerbela waren. Zu den Explosionen kam es demnach in der Nähe der Stadt Nasarija, etwa 320 Kilometer südöstlich von Bagdad. Mitarbeiter eines Krankenhauses bestätigten die Zahl der Toten.

Die Anschläge in Bagdad waren die tödlichsten in der Hauptstadt seit dem 22. Dezember, als bei Explosionen in ebenfalls überwiegend schiitischen Vierteln 69 Menschen in den Tod gerissen worden waren. Ein im Irak aktiver Arm der Terrororganisation Al-Kaida bekannte sich damals zu den Taten.

Irakische Regierungsbeamte hatten zuletzt vor einem Wiederaufflammen der Gewalt zwischen sunnitischen und schiitischen Extremisten nach dem Abzug der US-Truppen gewarnt. Der US-Einsatz endete im vergangenen Monat. Erst am Mittwoch waren bei Anschlägen auf Häuser von Sicherheitskräften in Bakuba und Abu Ghraib vier Menschen getötet worden. Nach Behördenangaben waren auch zwei Kinder unter den Opfern. (dapd)

Deine Meinung