Untherapierbar: Bombenleger von Altstätten wird verwahrt

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UntherapierbarBombenleger von Altstätten wird verwahrt

Der 38-Jährige, der vor 15 Jahren in Altstätten SG an einem Bombenanschlag beteiligt war, wird verwahrt: Das Kreisgericht Rorschach gibt dem Antrag der Staatsanwaltschaft nach.

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Das Kreisgericht Rorschach muss am Freitag über die Verwahrung des Bombenlegers entscheiden. (Bild: taw)

Das Kreisgericht Rorschach muss am Freitag über die Verwahrung des Bombenlegers entscheiden. (Bild: taw)

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Bis zum Antritt der Verwahrung bleibe der Mann in Sicherheitshaft, teilte das Kreisgericht Rorschach am Dienstag mit. Der Entscheid ist noch nicht rechtskräftig.

Der Mann hatte am 18. September 2000 als Racheakt für die Ausweisung aus seiner Wohnung einen Bombenanschlag auf den Präsidenten des Kreisgerichts Oberrheintal geplant. An der Aktion beteiligt war auch ein damals 19-jähriger Kollege. Allerdings irrten sich die beiden in der Adresse: Sie hatten wohl im Telefonbuch nach der Adresse des Richters gesucht, da dieser jedoch darin nicht verzeichnet war, legten sie die Höllenmaschine beim Anwalt, der denselben Nachnamen trägt und ebenfalls in Altstätten wohnt. Der Sprengsatz konnte rechtzeitig von Spezialisten entschärft werden.

Nicht therapierbar

Mit dem Entscheid vom 3. Juni 2004 wurde der heute 38-Jährige vom Kreisgericht Rorschach zu einer Freiheitsstrafe von sechseinhalb Jahren verurteilt. Die Strafe wurde zugunsten einer stationären therapeutischen Massnahme aufgeschoben und in der Folge mehrmals verlängert. Im September 2014 floh der Schweizer aus einem Wohn- und Arbeitsexternat, wurde aber zwei Monate später wieder festgenommen.

Weil die Therapien auch nach 15 Jahren keine Verbesserungen brachten, hat das St. Galler Amt für Justizvollzug im März 2015 die Verwahrung beantragt.

Leben in Freiheit geplant

Über die Verwahrung verhandelt wurde letzten Freitag vor dem Kreisgericht Rorschach. Laut der Staatsanwältin wäre eine Entlassung zu gefährlich. Laut dem psychiatrischen Gutachten leidet der Mann unter einer mittelschweren Persönlichkeitsstörung mit dissozialen Zügen: Er habe keinerlei Einsicht in seine Krankheit und sehe die Fehler nur bei den andern. Das Rückfallrisiko für Drogenkonsum oder Verkehrsdelikte sei hoch. Ob auch eine Gefahr für schwere

Delikte bestehe, sei schwierig zu beurteilen, schrieb der Forensiker.

Die Verteidigung kritisierte vor Gericht das Gutachten. «Der Mann würde für Jahre, wenn nicht für immer weggesperrt», so der Verteidiger. Es gebe Alternativen, um dem psychisch kranken Mann geeignete Strukturen zu geben. Ihn wieder hinter Gitter zu sperren, wäre unverhältnismässig. Der Mann brauche Hilfe bei der Wiedereingliederung in die Gesellschaft.

Der Beschuldigte selbst hatte vor Gericht ausgeführt, dass er sein Leben in Freiheit bereits detailliert geplant habe. «Ich habe in den vergangenen Jahren Möbel gekauft, mit denen ich meine Wohnung einrichten werde», so der 38-Jährige. Geldprobleme gebe es vorerst nicht, da er während seiner Wiedereingliederung

von der IV unterstützt werde.

Er werde sich regelmässig bei seinem Bewährungshelfer melden und würde auch einen Beistand der KESB akzeptieren, hatte der Mann argumentiert. Eine Unterbringung in einer therapeutischen Wohngemeinschaft lehnte er ab.

(taw/sda)

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