Friedensaktivisten: «Bombspotter» entern Atomwaffen-Basis
Aktualisiert

Friedensaktivisten«Bombspotter» entern Atomwaffen-Basis

Höchste Sicherheitsstandards und streng bewacht - trotzdem haben belgische Friedensaktivisten die NATO tüchtig blamiert. Sie drangen unbemerkt in einen Luftwaffenstützpunkt ein, auf dem Atomwaffen gelagert werden, und drehten von ihrer Aktion auch noch ein Video.

von
pbl

(Video: YouTube)

Sechs so genannte «Bombspotter», Mitglieder einer belgischen Anti-Atomwaffen-Gruppierung, waren über einen Zaun geklettert und auf die Basis «Kleine Brogel» vorgedrungen. Dort sollen 20 Atombomben gelagert sein, die von einer Spezialeinheit der US-Luftwaffe kontrolliert und im Ernstfall von belgischen Kampfflugzeugen eingesetzt werden. Eine offizielle Bestätigung dafür gibt es nicht, die NATO hält ihr Atomwaffenarsenal geheim.

Die Aktivisten konnten bis zu einem Flugzeugbunker vordringen, in dem angeblich die Bomben gelagert werden. Nachdem sie rund eine Stunde auf dem Stützpunkt verbracht und ihre Aktion gefilmt hatten, wurden die «Bombspotter» von belgischen Soldaten angehalten. Den Speicherchip der Kamera entdeckten diese nicht, weshalb das Video auf YouTube hochgeladen und zur Blamage für die NATO wurde.

Keine Gefahr für die Basis

Bereits im letzten November war es Friedensaktivisten gelungen, auf die Basis vorzudringen. Dennoch spielte das belgische Verteidigungsministerium den Vorfall herunter. «Diese Leute sind nicht einmal in die Nähe einer sensiblen Einrichtung gelangt», sagte Sprecherin Ingrid Baeck gegenüber «Stars and Stripes», der Zeitung für die US-Streitkräfte in Europa. Der betreffende Bunker sei leer gewesen, betonte Baeck.

Oberst Fred Vansina, der belgische Kommandant der Basis «Kleine Brogel», bestritt in der Zeitung «Het Laatste Nieuws» ebenfalls eine Gefahr für die Basis. Er räumte aber ein, dass die Grösse des Stützpunktes zu Kompromissen führt: «Wir müssen uns deshalb bei der Überwachung auf die wichtigsten Bereiche konzentrieren, in denen sich die Flugzeuge und die Ausrüstung befinden.» Der Stützpunkt umfasst rund 450 Hektar, ein Drittel davon ist bewaldet.

Bedeutende Sicherheitsmängel

Das Problem ist nicht neu: Bereits vor zwei Jahren hatte ein interner Bericht der US-Luftwaffe bedeutende Mängel bei der Bewachung von Militärstützpunkten in Europa festgestellt, auf denen Atomwaffen gelagert werden. Grundlegende Sicherheitsanforderungen würden missachtet. Von löchrigen Zäunen, sanierungsbedürftigen Gebäuden, schlechter Beleuchtung und unzureichend ausgebildeten Wachsoldaten war gemäss der «taz» die Rede. Für die Bewachung sind die Länder zuständig, in denen sich die Basen befinden.

Experten halten es für wenig wahrscheinlich, dass eine direkte Bedrohung für die Nuklearwaffen besteht. General Roger Brady, Kommandant der US-Luftstreifkräfte in Europa, stellte angesichts der Sicherheitsmängel im Juni 2008 dennoch fest: «Zwar gibt es keine Sowjetunion mehr, dafür befinden sich da draussen einige durchgeknallte Typen.» Man könnte sie auch als Terroristen bezeichnen.

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