Aktualisiert 27.08.2012 14:12

BankenBoni werden zu selten zurückverlangt

Nur jede sechste Bank hat Boni von ihren Managern zurückgefordert, nachdem Risiken aufgetaucht sind. Was taugt das von den Regulatoren verlangte System der Bonus-Rückforderungen?

von
Lukas Hässig
Ist der Bonus einmal im Sack, ist er schon fast sicher. (colourbox.com)

Ist der Bonus einmal im Sack, ist er schon fast sicher. (colourbox.com)

Die Krise machte dem bedingungslosen Bonus den Garaus. Zum Standard wurden aufgeschobene oder rückzahlbare Boni. So wollten Regulatoren die Banker zu nachhaltigem Geschäften zwingen.

Ob das wirkt, ist offen. Gemäss einer Studie von Mercer, einer globalen Beratungsgesellschaft, haben erst wenige grosse Finanzhäuser Ernst gemacht und ausgeschüttete Boni zurückgefordert.

17 Prozent der 63 Banken und Versicherungen, die bei der Mercer-Umfrage mitmachten, gaben an, ausbezahlte Boni von ihren Managern zurückgefordert zu haben.

Härtetest folgt nächstes Jahr

Es sei zu früh für ein Urteil, ob das System mit dem Bonus-Aufschub und der nachträglichen Rückforderung ausbezahlter Entschädigungen gescheitert sei, meint eine Mercer-Beraterin.

Wenn allerdings nächstes Jahr keine gehäuften Rückforderungen eintreten würden, stelle sich die Frage, ob der Ansatz der weltweiten Regulatoren, via solcher Bonus-Vorschriften die Risiken in der Finanzindustrie einzudämmen, wirklich erfolgversprechend ist.

Andere Massnahmen wie verstärktes Riskmanagement, die Performance-Messung oder interne Überwachungen könnten mehr nützen, meint Vicki Elliott, zuständige Manager bei Mercer.

Daraus, dass bisher nur wenige Unternehmen aus dem Finanzsektor Rückzahlungen von ihren Managern und Spezialisten eingefordert hätten, könne aber nicht geschlossen werden, dass die Branche gar keine Schlüsse aus der Krise gezogen hätte. Vielmehr könnte die Erhebung zeigen, dass die Banken und Versicherungen einfach nicht soweit gehen und einmal ausbezahlte Boni zurückfordern würden.

Naming and shaming

Es geht auch anders. Öffentlicher Druck habe in jüngster Vergangenheit zu «freiwilligem» Bonus-Verzicht bei Topleuten geführt, führt die Mercer-Frau aus.

Sie nennt zwar keine Namen. Doch bekannt geworden ist zuletzt der Bonus-Verzicht von Carsten Kengeter als Chef der UBS-Investmentbank, nachdem der Londoner Junior-Trader Adoboli vor Jahresfrist rund 2 Milliarden Franken in den Sand gesetzt hatte.

Ebenfalls auf seinen Bonus verzichtet hat der vor Monatsfrist zurückgetretene Barclays-Bank-CEO Bob Diamond, nachdem seine Bank schwere Fehler bei der Manipulation der Libor-Zinssätze gestanden und eine hohe Busse akzeptiert hatte.

Ein Kernproblem in der ganzen Bonus-Aufschubs-Thematik sieht Mercer in der Tatsache, dass nach wie vor ein Grossteil der auf Langfristigkeit ausgerichteten Ausschüttungen vom Gesamtresultat des Unternehmens abhänge. Das halte eine Einzelperson kaum von risikofreudigen Deals ab.

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