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Ohne Steuern Booking.com trickst bei den Hotelpreisen

Bei gewissen Destinationen zeigt das Buchungsportal Booking.com Hotelpreise ohne Steuern oder Gebühren an – sehr zum Ärger der Schweizer Reisebüros.

von
V. Blank
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Bei Booking.com ist nicht immer von Anfang an ersichtlich, wie hoch der tatsächlich zu bezahlende Preis fürs Hotelzimmer ist.

Bei Booking.com ist nicht immer von Anfang an ersichtlich, wie hoch der tatsächlich zu bezahlende Preis fürs Hotelzimmer ist.

Keystone/Gaetan Bally
Betroffen ist beispielsweise die Destination Sri Lanka. Die Nacht im Hotel «The Beach» wird für 65 Franken angepriesen.

Betroffen ist beispielsweise die Destination Sri Lanka. Die Nacht im Hotel «The Beach» wird für 65 Franken angepriesen.

Screenshot 20M
Beim letzten Schritt im Buchungsprozess wird aber klar: Zum Preis kommen noch 19,74 Dollar Steuern hinzu.

Beim letzten Schritt im Buchungsprozess wird aber klar: Zum Preis kommen noch 19,74 Dollar Steuern hinzu.

Screenshot 20M

Es ist das «Tolle Schnäppchen heute» auf dem Online-Reiseportal Booking.com: Die Nacht im Hotel «The Beach» in Sri Lanka kostet pro Nacht nur 65 Franken. Es ist der fünftoberste Treffer in der Liste der Unterkünfte, nachdem der Kunde seine Wunschdestination im Suchfeld eingegeben hat.

Ein Klick, und die «letzten verfügbaren Zimmer» werden angezeigt. Der Kunde fährt fort im Buchungsprozess – und ist beim Abschluss verwirrt, dass ganz links unten am Bildschirm unter «Zahlungsplan» plötzlich steht, dass noch Gebühren über 19,74 US-Dollar zum Endpreis addiert werden.

«Wir stehen schlechter da»

Letztlich bezahlen muss der Kunde also fast 85 Franken statt der anfänglich angegebenen 65 Franken. Der Grund für diese Differenz: Im Preis, den beim Überblick der Hotelangebote gezeigt wird, sind die Steuern von 30 Prozent noch nicht inkludiert.

Solche Aufschläge sind laut dem Branchenmagazin «Travel Inside» nicht nur auf das Reiseziel Sri Lanka beschränkt. Auch bei anderen Destinationen seien die Steuern bei Booking.com nicht im anfangs angegebenen Hotelpreis eingerechnet. Betroffen seien etwa die USA, Peru oder Kuba.

Schweizer Reisebüros geraten dadurch unter Rechtfertigungsdruck. Sie offerieren ihren Kunden laut dem Bericht den Endpreis inklusive Steuern. Wenn die Kunden den Preis dann mit dem teils deutlich tieferen Tarif auf Booking.com vergleichen, stehen die Reisebüros schlechter da. «Regelmässig reklamieren Kunden, dass wir zu teuer seien», sagt etwa Louis Siriwardena, Geschäftsführer des Sri-Lanka-Spezialisten Lets Travel.

Schweizer Vorgaben greifen nicht

Walter Kunz, Geschäftsführer des Schweizer Reise-Verbands, kann den Frust der Reisebüros und die Verwirrung der Kunden gut verstehen. Solche «Taxes» oder «Service fees», wie die Aufschläge im angelsächsischen Raum genannt werden, widersprächen dem europäischen Verständnis von Preisgestaltung, sagt er zu 20 Minuten. «Es kommt einem vor, als ob man beim Kauf einer Jacke die Knöpfe am Schluss noch extra zahlen müsste.»

Ärgerlich ist für Kunz, dass für Booking.com die Vorgaben der Schweizer Preisbekanntgabe-Verordnung nicht gelten. Diese besagt, dass für den Kunden der tatsächlich zu bezahlende Preis ersichtlich sein muss – einschliesslich allfälliger Steuern oder Zuschläge. Das Buchungsportal hat jedoch keinen Schweizer Sitz und betreibt auch keine .ch-Domain. Darum gilt die Preisbekanntgabe-Verordnung für das Unternehmen nicht.

«Wir wollen transparent sein»

Auf Anfrage von 20 Minuten heisst es bei Booking.com, es sei das «vorrangige Ziel», den gesamten Buchungsprozess so transparent wie möglich zu gestalten. «Da wir nicht möchten, dass unsere Kunden von Extra-Kosten überrascht werden, geben wir mögliche anfallende regionale Steuern und Abgaben stets an», sagt eine Sprecherin. Das gelte für jeden Schritt bei der Buchung, beginnend auf der Unterkunftsseite über die Seite zur Buchung und schliesslich auf der Buchungsbestätigung.

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