Aktualisiert 23.06.2017 10:22

America's Cup Boote fliegen mit 90 km/h übers Wasser

Fliegen oder segeln? Beim 35. America's Cup dreht sich alles ums Foiling. Das Ziel ist es, das Wasser nicht zu berühren.

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(Video: 20 Minuten/news 2 use)

«Als würde man ein Rennauto steuern»: So beschreibt Oracle-Skipper Jimmy Spithill das Handling seines AC50. Beim Foiling, wenn der 15 Meter lange Hightech-Katamaran abhebt, wähnt er sich sogar als Pilot. Seit der Einführung von Hydrofoils fliegen die Boote regelrecht übers Wasser.

Ein Foil funktioniert wie die Flügel eines Flugzeugs: Es hievt den Rumpf ab einer gewissen Geschwindigkeit – die Boote erreichen mittlerweile über 90 km/h – in die Höhe. Zum Vergleich: Die Alinghi, die 2003 und 2007 die einzigen Siege eines europäischen Bootes einfuhr, erreichte maximal 40 Kilometer pro Stunde.

Kleiner, leichter, schneller

In den letzten zehn Jahren hat sich der Speed bei Segelregatten verfünffacht. Beim 35. America's Cup dreht sich entsprechend alles ums Foiling. «Es geht jeden Tag nur darum, mit dem Boot das Wasser nicht zu berühren», sagt Spithill.

Kleiner, leichter, schneller – das gilt gewissermassen auch für die Crew, die sich fast halbiert hat. Waren es bei der letzten Austragung elf Grinder, sind es 2017 noch sechs – alles Hochleistungssportler mit der Kondition von Ironman-Triathleten. Sie erzeugen Steuer- und Stellkräfte, indem sie kurbeln, bis die Arme oder – beim Team New Zealand – die Beine schmerzen.

Schub aus den Pedalen

Im Gegensatz zu den traditionellen Grindern wird bei den Kiwis pedalt und nicht gekurbelt. Das erzeugt die nötige Extrapower, um die radikalen Leichtwind-Foils zu bedienen. «Mit klassischen Grindern kriegt man das nicht hin», sagte der Schweizer Segler Christian Scherrer der NZZ.

Am Samstag geht der 35. America's Cup vor den Bermuda-Inseln in die heisse Phase. Herausforderer Neuseeland hat die ersten vier Wettfahrten für sich entschieden. Titelverteidiger Oracle hofft auf mehr Wind. «In einem höheren Windbereich kommen andere Foils zum Einsatz. Die Neuseeländer sind vor allem bei leichteren Winden mit den entsprechenden Foils um einiges schneller», so Scherrer in der NZZ. «Sie haben eindeutig das bessere Technologie-Paket», erklärt der Schweizer, der bis zum Jahr 2003 dem Team Alinghi angehörte.

Die Boote im Vergleich:

1851– 2007 Einrumpf-Yachten: 20 bis 28 Meter über der Wasserlinie, Topspeed: 11 Knoten (20 km/h)

2010 Der USA-17-Trimaran: 26 Meter lang, 3500 kg, Topspeed: 32 Knoten (59 km/h)

2013 Der AC72-Katamaran: 26 Meter lang, 5900 kg, Topspeed: 44 Knoten (81,5 km/h)

2017 Der AC50-Katamaran: 15 Meter lang, 2300 kg, Topspeed: 50 Knoten (93 km/h) (Quelle: redbulletin.com)

Podestplatz für die Schweiz am Youth America's Cup

Das Schweizer Team Tilt erreichte beim Youth America's Cup vor Bermuda den 3. Platz. Die Equipe mit Steuermann Sébastien Schneiter, die bei ihrer zweiten Teilnahme nach Platz 4 im Sommer 2013 eine Verbesserung anpeilte, erfüllte mit dem Podestrang die eigene Vorgabe. Den Sieg holte sich Grossbritannien vor Neuseeland. (si)

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