10.03.2020 12:40

Menschenhändlerinnen verurteiltBordell-Betreiberin ist vor Urteil untergetaucht

Zwei Thailänderinnen wurden am Basler Strafgericht für schuldig erklärt. Sie haben über ein Menschenhandels-Netzwerk Landsfrauen in ihr Bordell geholt.

von
jd
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In einem Etablissement in der Ochsengasse 17 in Basel wurden thailändische Prostituierte jahrelang wie Sklavinnen gehalten. Am Dienstag wurde die Bordell-Besitzerin und deren Stellvertretung vom Basler Strafgericht verurteilt.

In einem Etablissement in der Ochsengasse 17 in Basel wurden thailändische Prostituierte jahrelang wie Sklavinnen gehalten. Am Dienstag wurde die Bordell-Besitzerin und deren Stellvertretung vom Basler Strafgericht verurteilt.

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Die Betreiberinnen des Salons sollen mindestens 41 Sexarbeiterinnen über ein Menschenhändler-Netzwerk aus Thailand geholt haben. Die 66-jährige Hauptangeklagte war die Besitzerin des Basler Sexstudios «Thai Harem», die 64-jährige Mitangeklagte fungierte als ihre Stellvertreterin.(Symbolbild)

Die Betreiberinnen des Salons sollen mindestens 41 Sexarbeiterinnen über ein Menschenhändler-Netzwerk aus Thailand geholt haben. Die 66-jährige Hauptangeklagte war die Besitzerin des Basler Sexstudios «Thai Harem», die 64-jährige Mitangeklagte fungierte als ihre Stellvertreterin.(Symbolbild)

Die Opfer wussten zwar, dass sie sich prostituieren würden, gingen aber davon aus, dass sie die Hälfte ihres Verdienstes behalten dürften. In Tat und Wahrheit aber mussten sie auch die zweite Hälfte ihres Verdienstes zur Tilgung ihrer Schulden aufwenden.

Die Opfer wussten zwar, dass sie sich prostituieren würden, gingen aber davon aus, dass sie die Hälfte ihres Verdienstes behalten dürften. In Tat und Wahrheit aber mussten sie auch die zweite Hälfte ihres Verdienstes zur Tilgung ihrer Schulden aufwenden.

Keystone/Georgios Kefalas

Am Dienstag wurde am Basler Strafgericht das Urteil eines Menschenhandels-Prozess verkündet. Angeklagt waren zwei Frauen aus Thailand, die im Sexstudio «Thai Harem» zwischen 2012 und 2016 thailändische Prostituierte angestellt hatten. Das Gericht sieht es als erstellt an, dass die Frauen in Thailand von Kontaktpersonen Vorort angeworben wurden, in die Schweiz geschleust und unter menschenunwürdigen Bedingungen ihre Schulden in Basel abarbeiten mussten.

Die 64- und 66-jährigen Schweizerinnen thailändischer Herkunft sind in den Augen der Fünferkammer schuldig. Anwesend war am Dienstagmorgen jedoch nur eine der Frauen: Von der Bordell-Betreiberin (66) fehlte zum Auftakt jede Spur. Das Urteil sprach der Richter trotz der Abwesenheit der Hauptangeklagten. Sie erhielt 5, 5 Jahre Gefängnis. Ihre Ferien-Stellvertretung und rechte Hand wurde zu 3 Jahren teilbedingt verurteilt, wovon sie noch rund 5 Monate hinter Gittern absitzen muss.

«Menschenhandel hat viele Facetten»

Das Gericht stützt sein Urteil auf die Aussagen der Opfer, die die Angeklagten belasten. «Es ist eine Schutzbehauptung, dass sie nichts von dem Ausbeutungs-System wussten. Aufgrund ihrer Stellung als Stellvertretung der Bordell-Besitzerin war Ihnen das alles bewusst», so Gerichtspräsident Dominik Kiener zur Anwesenden. Zwar wurden vom Menschenhandels-Netzwerk keine jungen Mädchen aus Thailand verschleppt. Die betroffenen Frauen hätten gewusst, dass sie sich prostituieren würden.

Die Sexarbeiterinnen seien aber davon ausgegangen, dass sie die Hälfte ihres Verdienstes behalten dürften, so Kiener in seiner Begründung. In Tat und Wahrheit aber hätten sie die zweite Hälfte ihres Verdienstes zur Tilgung ihrer Schulden aufwenden müssen. «Menschenhandel hat viele Facetten», so Gerichtspräsident Dominik Kiener.

16-Stunden-Schichten und kein Wochenende

Das Aussageverhalten der beiden angeklagten Frauen sei nicht überzeugend gewesen. So behauptete die Bordell-Betreiberin während des Prozesses etwa, die Frauen hätten einen acht-Stunden-Tag. Dies sei «lächerlich», so Kiener. In Tat und Wahrheit hatten die Sexarbeiterinnen täglich von 8 oder 9 Uhr morgens bis Betriebsschluss um 2 Uhr morgens zu arbeiten.

Bis zur vollständigen Tilgung der Schulden durften die Frauen das Studio nur in Begleitung der Beschuldigten verlassen. «Es gab keine Freizeit, keine Ferien, kein Wochenende», so der Richter. Zudem durften die Frauen in der Präsenzzeit weder schlafen, noch sich zurückziehen. «Die Frauen wollen sich zwar hier prostituieren, aber sie wollen es selbstbestimmt machen», so der Richter und die wenigsten Sexarbeiterinnen hätten gewusst, auf was für ein Ausbeutungs-System sie sich einlassen.

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