Plakat-Kampagne: Bordell-Portal provoziert Local.ch

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Plakat-KampagneBordell-Portal provoziert Local.ch

Das Callgirl-Portal Sexlocal.ch wirbt mit einer Plakat-Kampagne schweizweit um Freier. Das Branchenverzeichnis Local.ch will dagegen vorgehen.

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nsa/pm
Dieses Plakat erzürnt die Schweiz: Sowohl christliche Organisationen als auch Wirtschaftsunternehmen regen sich über Sexlocal.ch auf.

Dieses Plakat erzürnt die Schweiz: Sowohl christliche Organisationen als auch Wirtschaftsunternehmen regen sich über Sexlocal.ch auf.

Die Anzeige ist schlicht und einfach gehalten: Sexlocal.ch steht in grossen schwarzen Buchstaben auf weissem Hintergrund. Als O sieht man die Umrisse einer leicht bekleideten Dame in einem Herz, darunter den Satz: «The exclusive swiss portal for sex dating» – «Das exklusive Schweizer Portal für Sex-Dating».

Die Plakate sind derzeit an vielen Orten in der Schweiz zu sehen – und sorgen für Ärger. Bei Local.ch sind sie nicht gut angekommen. Die Werbung erinnere an das eigene Produkt, sagt Sprecher Gregor Faust. «Uns ist wichtig, dass wir mit solchen Angeboten nicht in Verbindung gebracht werden.»

Da Sexlocal.ch auch als eine Art Verzeichnis diene und Local.ch im Namen trage, sei eine Verwechslung möglich. «Wir prüfen nun die nächsten Schritte und werden die entsprechenden Massnahmen einleiten.»

«Frauen werden durch solche Werbung zu Objekten degradiert»

Verantwortlich für die Sexlocal-Plakate ist die Publy Spot SA. Ihr Besitzer streitet den Vorwurf ab, sich des Geschäftsmodells von Local.ch zu bedienen: «Der Name Sexlocal ist kein Plagiat. Wir drücken damit aus, dass man auf unserer Seite Angebote aus verschiedenen Regionen finden kann», sagt er. Zwischen den beiden Seiten Local.ch und Sexlocal.ch gebe es keine Verbindung.

Die Plakate sorgen auch andernorts für rote Köpfe. «Ich finde die Plakate sehr bedenklich», sagt auch Dominik Lusser von der christlichen Stiftung Zukunft CH. «Frauen werden durch solche Werbung zu Objekten degradiert.» Dienste wie die, die Sexlocal.ch anbiete, seien seiner Meinung nach erniedrigend für das weibliche Geschlecht.

«Prostitution ist in der Schweiz legal»

«Besonders stört mich daran, dass solche Plakate zur Normalisierung der Prostitution beitragen», sagt Lusser. Durch die Allgegenwärtigkeit der Escort-Vermittlungsseite werde der Schweiz vorgegaukelt, dass es völlig normal sei, im Internet Sex für Geld zu kaufen.

Auch die Jugend sei durch das Plakat gefährdet. «An solchen Stellen gehen Kinder vorbei. Wenn sie wegen der Werbung solche Links aufmachen, sehen sie schnell Dinge, die ihre Einstellung zur Sexualität sehr negativ prägen», sagt Lusser.

Den Vorwurf der Stiftung, dass er mit seiner Seite «die Prostitution normalisiere», lässt der Betreiber der Website nicht gelten: «Soweit ich weiss, ist Prostitution in der Schweiz legal», sagt er dazu.

«Für welche Inhalte ein Plakat wirbt, klären wir nicht ab»

Die Plakate hat das Werbeunternehmen Clear Channel Schweiz aufgehängt. Sprecherin Anne-Catherine Rüegg sieht das Unternehmen nicht in der Verantwortung: «Wir haben in der Schweiz Meinungsfreiheit und das bedeutet auch Werbefreiheit», sagt sie.

Clear Channel achte darauf, welche Plakate im öffentlichen Raum aufgehängt würden. Das Sexlocal-Plakat enthalte keine Darstellung von explizit sexuellen Inhalten und verstosse deshalb nicht gegen die Unternehmens-Richtlinien. Rüegg: «Wir prüfen das Sujet unserer Plakate. Für welche Inhalte hingegen ein Plakat wirbt, klären wir nicht ab.»

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