Schweizer Armee: Bordelle, Saufgelage, Messerstechereien
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Schweizer ArmeeBordelle, Saufgelage, Messerstechereien

Die Swisscoy ist das internationale Aushängeschild der Schweizer Armee. Doch die Soldaten im Kosovo lassen angeblich jegliche Disziplin vermissen.

von
job
Wer keine sinnvolle Beschäftigung hat, sucht sich sinnlose Beschäftigung: Swisscoy-Soldat.

Wer keine sinnvolle Beschäftigung hat, sucht sich sinnlose Beschäftigung: Swisscoy-Soldat.

Eigentlich wären die 210 Soldaten der Swisscoy dazu da, zusammen mit den anderen Streitkräften der Kfor den Kosovo sicher zu machen – und ein professionelles Bild im Ausland zu vermitteln. Wie die «Weltwoche» in ihrer kommenden Ausgabe schreibt, verhalten sich die Auslandssoldaten aber alles andere als vorbildlich. Mit Berufung auf Personen im Führungskreis um den Swisscoy-Kommandeur Hannes Göldi schreibt die Zeitschrift, dass die Schweizer Präsenz im ehemaligen Kriegsgebiet von bedenklichen Zwischenfällen getrübt sei.

Offenbar hat die Armee im Kosovo dasselbe Problem wie zu Hause: Die Soldaten sind zu wenig beschäftigt. Die Folgen, so die «Weltwoche»: Chaos, Alkohol, Puffbesuche. Das Kürzel Kfor (KosovoForces) stehe truppenintern für «Krasse Ferien ohne Rechnung».

Zocken bis zum letzten Hemd

Fast jeden Abend werde im Camp Suva Reka, wo die Schweizer stationiert sind, gefeiert bis zum Umfallen. Neben der offiziellen Bar, die das Bier zum Einkaufspreis für einen Euro ausschenkt, gebe es auf dem Militärgelände illegale Bars, in denen sich einige Soldaten beim Zocken ums letzte Hemd gebracht hätten – trotz dem anständigen Sold.

Besonders sauffreudig sind gemäss den Informanten der «Weltwoche» die Infanteristen. Auch Wachtmeister und Offiziere hätten sich dermassen zugedröhnt, dass sie am nächsten Tag kaum mehr aus dem Bett gekommen seien. Die Militärpolizei habe vor Ort bei Alkohol-Kontrollen bis zu 2,25 Promille gemessen.

Keine Tagesstruktur

Die Erholungsferien im mazedonischen Skopje oder im bulgarischen Borovets würden sich die Soldaten mit regelmässigen Puffbesuchen versüssen – und sogar dort kam es zu einer Rauferei zwischen einem Swisscoy-Soldaten und einem Zuhälter.

Das Kader habe den Saufgelagen untätig zugesehen – wenn es sich nicht selbst beteiligt habe. Man habe es unterlassen, den Soldaten Tagesstrukturen zu geben. Es habe keine morgendlichen Antrittsverlesen gegeben, wer keinen Auftrag gehabt habe, sei einfach herumgelungert.

Zudem, so berichten die anonymen Quellen der Zeitschrift, handle es sich bei vielen Soldaten um «Sozialfälle», die in der Schweiz keinen Job kriegen würden und sich deshalb zum gut bezahlten Auslands-Militärdienst gemeldet hätten.

Vertuscht der Kommandeur?

Eine äusserst fragwürdige Figur in der Geschichte gibt gemäss «Weltwoche» auch der Kommandeur Göldi ab: Er decke und vertusche die Missstände. Als ein Gelage in einem Wohncontainer ausgeartet sei und sich zwei Soldaten gegenseitig mit Messern verletzt hätten, habe die Militärpolizei die beiden befragen wollen. Göldi habe aber die Streithähne zuerst alleine befragt – danach hätten sie angegeben, sie hätten Blutsbrüderschaft schliessen wollen, seien aber mit dem Messer ausgerutscht. Kurz darauf flogen die beiden gemäss den Quellen der «Weltwoche» in die Heimat – ohne dass der Vorfall weiter untersucht worden wäre.

Oberst Hannes Göldi äussert sich in der «Weltwoche» nicht zu den Vorwürfen. Er sei im Ausland und nicht erreichbar, habe es beim Kompetenzzentrum der Schweizer Armee für Auslandseinsätze Swissint geheissen.

Die Disziplinlosigkeit in der Swisscoy belegen auch Videos, die man auf YouTube unter dem Stichwort «Krasse Ferien ohne Rechnung» findet. Soldaten rattern mit dem Sturmgewehr im Vollautomatik-Modus durch die Landschaft, oder sie werfen aus Spass eine Handgranate unter eine Eisdecke und nehmen sich nicht die Mühe, richtig in Deckung zu gehen.

Vom 16. bis 18. Mai besucht eine Delegation der sicherheitspolitischen Kommissionen von National- und Ständerat die Swisscoy. Schwerpunkt des Besuchs sollen neue Verbindungs- und Überwachungsteams der Truppe sein. Sie wird sich wohl auch ein paar anderen Fragen stellen müssen.

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