Aktualisiert

ReportageBorn This Way

Bin ich's wirklich? Wie werden die Freunde reagieren? Wie sag ich's meinen Eltern? Tamy ist lesbisch, Tim und Alan sind schwul. Ihre Outings waren Zerreissproben.

von
Martin Fischer

Tamy, 23, aus Zürich. Coming-out mit 21. Tamy kommt aus einem Dorf bei Bern. Letztes Jahr ist sie nach Zürich gezogen, davor lebte sie in New York. Sie studiert Gesellschaft und Kommunikation an der Universität Luzern und arbeitet als Model und Barkeeperin.

Tamy hat früher an Partys oft mit Männern rumgemacht. Sie ging auch ins Bett mit ihnen und erzählte ihren Freunden danach, wie toll der Sex war. «Dabei fand ich's Horror.» Nach dem Sex fühlte sie sich leer, «wie gebraucht». Länger als zwei Wochen hielt sie es nie mit einem Typen aus. Doch sie will der Welt und vor allem sich selbst beweisen, dass sie nicht lesbisch ist. «Ich fand das eine ganz schlimme Vorstellung. Ich hatte ein verschobenes Bild von lesbischen Frauen. Alle, die ich sah, waren so supermännlich und hart. Das fand ich scary. Und ich dachte: Wenn ich lesbisch bin, muss ich auch so sein wie die.» Mit 17 hat Tamy das erste Mal etwas mit einer Frau. In den Ferien in Barcelona. «Wir haben getrunken. Sie hat mich verführt. Und dann sind wir im Bett gelandet.» Tamy merkt: «Oh, oh, das isch huere nice.» Sie spürt ein Kribbeln im Bauch, jede Berührung ist viel auf­regender als mit einem Mann. Aber auch danach nimmt sie noch jahrelang Typen mit nach Hause. Sie will sich nicht eingestehen, dass sie auf Frauen steht. «So bireweich!», sagt sie heute. Ab und zu hat Tamy auch Affären mit Frauen. Nacht-und-Nebel-Aktionen, von denen niemand was erfährt.

2006 zieht sie von Stett­len BE nach New York. Und New York ändert alles. Tamy verliebt sich in eine Frau. «Ich wohnte dort bei meiner Mutter. Ich log sie an und sagte ihr, dass ich noch mit Kollegen rausgehe. Dabei bin ich zu meiner Freundin.» In New York sieht sie an Partys und auf den Strassen «viele superschöne lesbische Frauen». Models, Business­ladys. Und auch junge Girls. Das hilft ihr. «Ich merkte: Ich kann so sein, wie ich bin, und trotz-

dem lesbisch sein.» Eines Abends sitzt Tamy am Computer. Sie schreibt auf ihre Myspace-Seite: «I like girls.» «Es hat mich plötzlich nicht mehr gestresst, was die Leute denken. New York war so anders als die Schweiz, wo ich immer das Gefühl hatte, dass alle über einen reden.» Tamys Coming-out war ein schleichender Prozess. Es gab nie den einen Moment, wo sie sich hinstellte und es den Freunden sagte.

«Aber irgendwann habe ich es einfach nicht mehr versteckt.» Tamy kann verstehen, wenn Leute Angst vor dem Coming-out haben. «Wenn ich nicht nach New York gegangen wäre, wäre ich wahrscheinlich verheiratet und hätte zwei Kinder.» Sie lacht. «Ich wünsche es mir für jeden, dass er es schafft, sich zu outen. Das Leben ist doch viel zu kurz, um dich selbst nicht so anzunehmen, wie du bist.»

Tim, 18, aus Walde AG. Coming-out mit 15. Tim lebt bei seinen Eltern in Walde, einem Dorf im Aargau. Er besucht die Kantonsschule und will nach der Matura für ein Zwischenjahr ins Ausland gehen.

Tim, hast du einen Freund?

Nein.

Würdest du mit einem Mann Hand in Hand durch die Stadt gehen?

Kommt drauf an. Man muss halt damit rechnen, dass man doof angemacht wird. Und das trifft einen, weil es dich ja in deiner Persönlichkeit angreift. Da kannst du dir noch so einreden, dass es dir egal ist.

Wem hast du zuerst gesagt, dass du schwul bist?

Meiner besten Freundin. Ich kenne sie schon mein ganzes Leben.

Wie alt warst du?

15. Noch ziemlich jung.

Und wie hast du es gesagt?

Wir waren im Ausgang. Ich hatte es gar nicht geplant. Plötzlich dachte ich: So, jetzt ist der Moment. Dann habe ich gesagt: «Ich bin nicht ganz abgeneigt …» Und sie hat sofort den Satz fertig gemacht: «… gegenüber Männern?» Und ich sagte: «Ja.» Irgendwie eine komische Formulierung. Aber ich wollte es mir halt noch nicht so ganz eingestehen.

Wieso nicht?

Ich ging durch verschiedene Phasen. Zuerst dachte ich, ich will nicht schwul sein. Wäh! So mit 14 habe ich gemerkt: Ich bin ja nicht der Einzige, das ist gar nicht so gruusig. Dann fand ich: Okay, ich bin schwul, aber das halte ich mein Leben lang

geheim. Irgendwann habe ich es dann den engsten Freunden und der Familie erzählt. Und die letzte Stufe ist die, wo du es annimmst und es dir egal ist, was andere denken.

Wie lange hat diese Entwicklung gedauert?

Fast vier Jahre, bis vor kurzem.

Hattest du Angst vor dem Coming-out?

Weil es so spontan war, ist es mir nicht schwergefallen. Aber ich hatte Angst davor, was andere Leute denken würden. Die harten Buben aus der Klasse, mit denen ich nicht so viel zu tun habe.

Und, ist was passiert?

Gar nichts.

Wie hast du dich nach dem Outing gefühlt?

Es war ein ganz neues Alltags­gefühl. Eine neue Welt ist für mich aufgegangen, und ich war gespannt, was jetzt kommen würde. Vorher fühlte ich mich eingeschränkt, wie in ganz engen Jeans. Danach wars mehr wie in einer bequemen Trainerhose.

Hast du das Gefühl, dass die Toleranz gegenüber Homo­sexuellen wächst?

Ja. In Grossstädten sieht man Pärchen auf der Strasse, und niemand schaut hin. Hier getrauen sich halt wenige. Was schade ist. Denn je weniger sich trauen, desto länger gehts, bis es akzeptiert ist. Es braucht wohl noch Zeit.

Was sagst du einem, der sich nicht traut, sich zu outen?

Die Akzeptanz von Homosexuellen ist immer noch nicht hoch genug. Ich finde, jeder ist verpflichtet zu zeigen: Hey, ich bin schwul. Und es ist okay so. Born this way!

Alan, 24, aus Zürich. Coming-out mit 19. Alan ist in Bolivien geboren und kam als Kind mit seiner Familie in die Schweiz. Er arbeitet als Kaufmann, studiert Wirtschaftsrecht und ist im Gemeinderat der Stadt Zürich.

Ich bin streng reli­giös aufgewachsen. Meine Familie väterlicherseits ist sehr konservativ: Die Grossmutter und zwei meiner Tanten sind gläubige Christinnen. Wir hatten immer sehr engen Kontakt zu ihnen. Drei Cousins waren mir besonders wichtig, sie waren Vorbilder für mich. Und sie haben mir immer eingetrichtert, dass Sex eine Sünde sei. Und dass Homosexualität vom Teufel komme. Ich habe von klein auf gespürt, dass mich Männer mehr interessierten als Frauen. Aber so, wie ich erzogen wurde, dachte ich, dass irgendwelche Dämonen mich testen und auf einen falschen Weg locken wollten. Und dass ich sie besiegen könnte, wenn ich mir ganz fest Mühe gebe, nicht schwul zu sein. Ich hatte auch Freundinnen. Aber innerlich war ich zerrissen. Ich war depressiv und unglücklich. Als ob ich nicht richtig atmen könnte. So mit 18, 19 Jahren wusste ich: Mein Interesse an Männern würde nicht weg­gehen. Ich war nun mal schwul. Das war die härteste Zeit meines Lebens. Meine beste Freundin war die Erste, mit der ich da­rüber redete. Es dauerte etwa fünf Stunden, bis endlich alles aus mir raus war. Aber das Coming-out gab mir unglaublich Kraft. Und meine Freunde unterstützen mich voll. Dann kam der Teil mit der Familie. Mit der Mutter wars kein Problem, aber mein Vater war geschockt. Er hatte am Anfang grosse Mühe damit. Aber langsam akzeptiert er es und lädt meinen Freund auch an Familienfeste ein. Meiner Grossmutter, den Cousins und Tanten schickte ich ein E-Mail. Ich schrieb: ‹Ich bin schwul. Aber ich bin noch immer dieselbe Person, die ihr vor zwei Monaten in den Ferien noch so lieb hattet.› Von den meisten kam keine Antwort. Nur eine Tante und die Grossmutter meinten, dass sie das nicht akzeptieren könnten. Dass ich mit diesem Lifestyle in die Hölle käme. Und dass sie für mich da wären, wenn ich Heilung brauche. Ich habe praktisch keinen Kontakt mehr mit ihnen. Aber ich bereue nichts. Das Outing war das Beste, was ich tun konnte.»

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