Verurteilt: Box-Champion verprügelte Polizisten
Aktualisiert

VerurteiltBox-Champion verprügelte Polizisten

Der französische Profiboxer Samir Zidi Nettour verdrosch vor einem Jahr mehrere Polizisten auf einer Basler Wache. Dafür wurde er nun in Abwesenheit zu einem Jahr Knast verurteilt.

von
Lukas Hausendorf
Lässt seine Fäuste nicht nur im Ring gerne fliegen. Der französische Boxprofi schlug auch in einer Basler Polizeiwache heftig zu.

Lässt seine Fäuste nicht nur im Ring gerne fliegen. Der französische Boxprofi schlug auch in einer Basler Polizeiwache heftig zu.

«Ich habe in 25 Jahren Dienst viel erlebt. Nur zwei Mal hatte ich Panik, einmal war hier», gab der Gefreite Müller* dem Gericht zu Protokoll. Hier, das war in der Nacht auf den 23. April 2013, als er zusammen mit seinem Kollegen den französischen Profiboxer Samir Zidi Nettour (16 Siege als Profi, französischer Landesmeister 2007) auf der Kannenfeldwache in Empfang nehmen sollte. Der Mittelgewichtkämpfer hatte zuvor einen Gast in der Bunga-Bunga-Bar an der Offenburgerstrasse verprügelt. Eine Polizeipatrouille war just zum rechten Zeitpunkt zur Stelle und kassierte den Schläger ein. Er habe keinen Widerstand geleistet und zeigte sich sehr kooperativ, als er das Blaulicht sah, erinnert sich einer der beteiligten Polizisten. Doch damit war es bald vorbei.

Als Zidi Nettour (32) ahnte, dass er die Nacht in einer Zelle verbringen muss, drehte er durch. Er müsse weg. Es tue ihm leid, aber er könne nicht hier bleiben, sagte er dem Gefreiten Kamber* auf der Kannenfeldwache. In der Zelle machte er dann Anstalten, sich mit einer Decke an der Trennwand zur Toilette zu strangulieren. Sofort griffen die Polizisten ein. Auch sein Hemd nahmen sie ihm ab. «Dann mach ich es halt mit der Hose», so der Boxer. Kamber dachte: «Ach Gott.» Dann eskalierte die Situation.

«Er verdrosch uns aufs Übelste»

Der Boxer begann sich zu wehren, als man ihm die Hosen ausziehen wollte. Kamber griff zum Pfefferspray, als er realisierte, dass seine Kollegen die Situation nicht unter Kontrolle bringen konnten. Der Spray machte seine Haut aber glitschig, er konnte sich entwinden und dann flogen die Fäuste. «Er verdrosch uns aufs Übelste. Die Schläge gingen alle auf den Kopf», schildert Kamber die Episode des Schreckens seiner Polizistenlaufbahn. Erst als es einer Kollegin gelang, ihm Handschellen anzulegen, nachdem ihn Kamber in einem unbedachten Moment überrannte, war die Situation wieder unter Kontrolle.

Die Verletzungen sind mittlerweile verheilt. Für die Gefreiten Kamber und Müller wirken die Ereignisse dieser Nacht aber bis heute nach. «Das hat sich eingebrannt», sagt Müller. Bei Konfrontationen seien sie nervöser, rasch angespannt. Bei jeder Kontrolle erwarte man einen Schlag, erzählen die beiden.

Das vorläufige Ende einer Box-Karriere

Zidi Nettour hielt es nicht für nötig, dem Gericht seine Aufwartung zu machen. Schon zum zweiten Mal blieb er am Mittwoch der Verhandlung fern. Damit war die Voraussetzung erfüllt, ihn auch in Abwesenheit zu verurteilen. Einzelrichter René Ernst folgte dem Antrag der Staatsanwaltschaft und brummte dem Franzosen eine unbedingte Gefängnisstrafe von einem Jahr auf. Den Gefreiten sprach er eine Genugtuung über je 3000 Franken zu.

Für den einschlägig vorbestraften Zidi Nettour sind das schlechte Nachrichten. Er dürfte nun auch in Frankreich zur Verhaftung ausgeschrieben werden. Seine ins Stocken geratenen Boxkarriere – er kämpfte zuletzt im Juni vor einem Jahr – dürfte damit am Ende sein.

* Namen geändert

Deine Meinung