Boxer bespuckte Berner Politikerin
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Boxer bespuckte Berner Politikerin

Ein Berner Strafeinzelrichter hat den früheren Berner Boxer Enrico Scacchia wegen Beschimpfung, übler Nachrede und Tätlichkeit verurteilt. Er war gegenüber der Regierungsstatthalterin Regula Mader grob ausfällig geworden. Er will das Urteil nicht akzeptieren.

Der frühere Boxer stand wegen drei Vorfällen vor dem Strafeinzelrichter des Gerichtskreises Bern-Laupen, Daniel Gerber. 2007 lieferte er sich mit der Berner Regierungsstatthalterin Regula Mader im Berner Amthaus ein Wortgefecht. Im April 2008 beschimpfte und bespuckte er sie am Bahnhof Bümpliz.

Im Mai dieses Jahres schickte der 45-jährige Berner Mader dann auch noch einen Fax, in welchem er sie unter anderem als «dumme Sau» betitelte. Mader zeigte ihn wegen allen Vorfällen an. Die «Berner Zeitung» griff in ihrer Ausgabe vom Freitag diese Vorfälle auf.

Gerber verurteilte Scacchia zu einer Geldstrafe von 15 Tagessätzen zu 50 Franken und zu einer Busse von 300 Franken. Er muss auch die Verfahrenskosten von 600 Franken tragen. Scacchia hat gegenüber der Nachrichtenagentur SDA angekündigt, dass er das Urteil ans Obergericht weiterziehen werde.

Lange Vorgeschichte

Der Beschuldigte bestritt die Vorfälle bei der Einvernahme am Freitag in Bern nicht. Er beteuerte aber, dass er Frau Mader nicht bedroht habe. Er könne sich vorstellen, dass es auf sie so gewirkt habe, aber er könne sich beherrschen. Er habe sie beispielsweise «symbolisch» angespuckt statt Schläge auszuteilen.

Die Beschimpfungen seien nicht ehrverletzend, solange diese wahr seien, sagte Scacchia. Er sei der festen Überzeugung, dass die Regierungsstatthalterin ihr Amt wiederholt missbraucht habe. Vor Jahren hatte sie ihn per Fürsorgerischen Freiheitsentzug in die Psychiatrie einliefern lassen. Auch habe sie ihm seine zwei Kinder wegnehmen wollen.

Er habe Mader bewusst beschimpft, um zu erreichen, dass der Fall aufgerollt werde.

Keine strafrechtlich relevante Drohung

Scacchia war auch der Drohung beschuldigt worden. Von diesem Vorwurf sprach ihn Gerber frei. Der Straftatbestand sei nur erfüllt, wenn der Täter einen schweren Nachteil in Aussicht stelle. Mit seiner Aussage «Sie werden für ihre Machenschaften zur Rechenschaft gezogen» sei dies nicht der Fall, weil es ausserhalb der Einflussmöglichkeiten Scacchias liege.

Gerber verurteilte Scacchia hingegen wegen Beschimpfung, Tätlichkeit sowie übler Nachrede, weil er mit seinen mündlichen und schriftlichen Aussagen die Regierungsstatthalterin herabgewürdigt und in ihrer Ehre verletzt habe.

Die Vorgeschichte habe er berücksichtigt. So auch die Tatsache, dass der Boxer wegen Beschimpfungen und Drohung vorbestraft sei. Deshalb werde die Strafe unbedingt ausgesprochen. Allerdings sprach der Richter Scacchia verminderte Schuldfähigkeit zu, weil er in der Situation gefangen sei. (sda)

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