28.02.2019 07:34

Preiskrieg

Boykottiert die Migros bald auch noch Coca-Cola?

Die Migros boykottiert Mars wegen Preiserhöhungen. Auch andere Markenlieferanten will sie zu tieferen Preisen zwingen.

von
Isabel Strassheim
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Migros hat schon das Schild vorbereitet, das in den leeren Regalfächern stehen soll. Darin werden Kunden ausführlich informiert.

Migros hat schon das Schild vorbereitet, das in den leeren Regalfächern stehen soll. Darin werden Kunden ausführlich informiert.

Migros
So sahen die Regalschilder während des Mars-Boykotts bei Coop aus.

So sahen die Regalschilder während des Mars-Boykotts bei Coop aus.

Leser-Reporter/Leserreporter
Noch sind die Regale voll: Ab Mittwoch will aber nun auch die Migros Produkte des US-Konzerns Mars aus den Regalen nehmen.

Noch sind die Regale voll: Ab Mittwoch will aber nun auch die Migros Produkte des US-Konzerns Mars aus den Regalen nehmen.

Leser-Reporter

Sind Boykotte auch gegen andere Marken als Mars zu erwarten?

Das ist nicht auszuschliessen. Die Migros befindet sich im Moment in Preisverhandlungen mit all ihren wichtigen Lieferanten: «Wir haben die grössten Lieferanten Ende Januar zur Information mit uns eingeladen», sagt Sprecherin Cristina Maurer-Frank zu 20 Minuten. «Unser Ziel ist es, weiterhin das beste Preis-Leistungs-Verhältnis zu bieten.» Das heisst: Es geht um möglichst tiefe Preise.

Um welche Marken geht es?

Die Migros selbst nennt keine Namen. Es liegt jedoch auf der Hand, dass es auch um Coca-Cola geht. Der Konzern will nämlich die Flasche von 500 auf 450 Milliliter reduzieren, den Preis aber gleich belassen, wie im Januar bekannt wurde. Zu allfälligen Verhandlungen mit Kunden will Coca-Cola HBC Schweiz keine Stellung nehmen.

Auch der Preis von Heinz Ketchup dürfte für die Migros zur Debatte stehen. In Deutschland droht die Supermarkt-Kette Edeka, das Produkt aus ihrem Sortiment zu streichen, weil Kraft Heinz eine Preiserhöhung fordert. Aber auch die Preise von Marken wie Toblerone und Nivea stehen unter Druck. Denn die Migros verhandelt mit allen grossen Lieferanten. Die «Handelszeitung» berichtet , die Detailhändlerin fordere dabei Preisreduktionen von 5 bis 10 Prozent.

Warum ist ein derartiger Preiskrieg ausgebrochen?

Die Kunden achten stärker auf den Preis: «Die Preissensitivität der Konsumenten ist grösser geworden», sagt Detailhandels-Experte Sascha Jucker von der Credit Suisse zu 20 Minuten. Migros und Coop spürten die Expansion der Discounter Lidl und Aldi, die mittlerweile auch die Stadtzentren erreicht habe. «Auch der Einkaufstourismus hat sich eingebürgert, weil Lebensmittel hierzulande immer noch rund 50 Prozent teurer sind als zum Beispiel in Deutschland», sagt Jucker.

Haben Kunden überhaupt etwas vom Streit zwischen Lieferanten und Detailhändlern?

Niedrigere Preise müssen nicht automatisch an die Kunden weitergegeben werden. «Ich bin überzeugt, die Konsumenten werden nichts davon haben», sagt Sara Stalder, Geschäftsleiterin der Stiftung Konsumentenschutz. Bei der Migros heisst es, bessere Einkaufskonditionen würden «wenn immer möglich über tiefere Preise im Gesamtwarenkorb an die Kunden weitergegeben» werden. Stalder kritisiert, dass es keine Transparenz darüber gebe, wie viel Gewinn bei Verarbeitung und Handel hängen bleibe.

Wie äussert sich der aktuelle Mars-Boykott konkret im Migros-Regal?

Für die Lücken im Regal hat Migros schon Schilder vorbereitet: «Der Lieferant dieses Artikels will die Preise erhöhen, wir kämpfen für Sie dagegen», heisst es. Daher sei der Artikel leider nicht lieferbar. Und weiter: «Wir entschuldigen uns für diese Unannehmlichkeit und arbeiten intensiv an einer Lösung.» Die Migros prüft jedoch derzeit Alternativen, damit die Kunden möglichst wenig vom Bestellstopp spüren. Es könnten also auch Ersatzprodukte in die Regale Einzug halten.

Hat der Preiskrieg bei der Migros auch mit dem neuen Chef zu tun?

Fabrice Zumbrunnen leitet die Migros seit einem Jahr und hat eine Reihe von Effizienzprogrammen eingleitet. Intern soll gespart werden – und nun auch bei den Lieferanten. Die Migros hatte 2017 trotz Umsatzsteigerung einen Gewinneinbruch von fast einem Viertel auf 503 Millionen Franken verbucht. «Das Ergebnis ist unter Druck. Damit können wir uns nicht zufriedengeben», hatte Zumbrunnen letzten März dazu gesagt.

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