Aktualisiert 01.06.2010 16:14

Ölpest im Golf von MexikoBP hatte schon im März Probleme

Der Ölkonzern BP gerät wegen der Katastrophe im Golf von Mexiko immer stärker ins Zwielicht. Dokumente belegen, dass es seit Monaten Probleme mit der Ölquelle gab.

von
pbl

Nach dem Scheitern der sogenannten Top-Kill-Operation startet BP in dieser Woche einen neuen Versuch zur Eindämmung der gigantischen Ölpest im Golf von Mexiko. Mit einem Ventil soll das austretende Öl zum grössten Teil kontrolliert an die Oberfläche gebracht werden. Grosse Hoffnungen hat niemand: Zu oft hat BP schon eine Lösung versprochen, zu stark hat der britische Konzern das Ausmass der Katastrophe beschönigt.

Dabei zeigen am Wochenende von der «New York Times» veröffentlichte Dokumente, dass es schon Monate vor der Explosion «ernsthafte Probleme und Sicherheitsbedenken» auf der Bohrinsel «Deepwater Horizon» gab. Diese betrafen die Ummantelung des Bohrkopfs und den «Blowout Preventer», das Sicherheitsventil, das ein Bohrloch im Notfall verschliessen soll. Ein BP-Manager warnte in einem Mail von 10. März an die zuständige Behörde des Innenministeriums, es gebe Probleme bei der Kontrolle des Quelle in 1500 Metern Tiefe.

Fehler und Pannen

Auch vor und während der Explosion der Bohrinsel am 20. April kam es zu zahlreichen Fehlern und Pannen. Dutzende der Nachrichtenagentur AP vorliegende Zeugenaussagen zeigen, dass eine Kombination aus technischem Versagen und Hierarchiedenken das System behinderte, das eine Umweltkatastrophe hätte verhindern sollen.

Als «Deepwater Horizon» schon in Flammen stand, zögerte Chris Pleasant, der für die Verschliessung des Bohrlochs verantwortliche Aufseher der Bohrinsel-Firma Transocean. Er wartete auf die Genehmigung seiner Vorgesetzten, die Notabschaltung zu betätigen, die das Bohrloch auf dem Meeresgrund abdichten würde. Die Verzögerung könnte entscheidende Sekunden gekostet haben. Als Pleasant und seine Kollegen endlich grünes Licht bekamen, den Schalter umzulegen, stellten sie fest, dass die Hydraulik nicht mehr funktionierte.

Ein Dutzend Wirbelstürme erwartet

Das Verhängnis nahm seinen Lauf. Die US-Regierung bezeichnet die Ölpest inzwischen als die womöglich «schlimmste Umweltkatastrophe» in der US-Geschichte. Und mit der Hurrikan-Saison, die am Dienstag begonnen hat, könnte alles noch viel schlimmer werden. Die US-Meteorologen rechnen mit mehr als einem Dutzend kräftiger Wirbelstürme in diesem Jahr. Ein Sturm könnte das Öl aus dem Golf in den Mississippi hinein und flussaufwärts treiben, wo Tiere und Pflanzen von der Ölkatastrophe bisher verschont geblieben sind. (pbl/sda/dapd)

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